Karlsruhe (pm/tk) – Karen Eßrich und Oliver Hill führen künftig gemeinsam den AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e. V. Die Delegierten der Kreiskonferenz in Grötzingen wählten beide mit jeweils 43 Ja-Stimmen zu gleichberechtigten Vorsitzenden.
Sie folgen auf Monika Storck, die den Verband seit 2020 leitete. Neben Storck wurden sieben weitere Engagierte aus ihren Funktionen im Vorstand und in der Revision verabschiedet. Einige hatten die AWO über Jahrzehnte begleitet. Mit der neuen Spitze werden Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen des Verbands zusammengeführt: Eßrich bringt kommunalpolitische Erfahrung und die Perspektive der acht AWO Stadtbezirke und dem Ortsverein mit, Hill die des Jugendwerks. Die Entscheidung für eine Doppelspitze hatten die Delegierten zuvor einstimmig getroffen.
Der AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e. V. zählt rund 900 Mitglieder und ist mit seinem ehrenamtlichen Engagement in vielen Karlsruher Stadtteilen präsent. Vier AWO Begegnungsstätten in Oststadt, Rüppurr, Südstadt und Südweststadt bieten Raum für Austausch und Gemeinschaft. Mit Seniorentreffen, gemeinsamen Ausflügen und weiteren Veranstaltungen schaffen Ehrenamtliche Begegnungsmöglichkeiten und stärken den Zusammenhalt vor Ort.
Zwei Anträge richten sich gegen den Abbau sozialer Infrastruktur. Unter dem Titel „Sozialstaat stärken statt kaputtsparen“ fordert die AWO, bei kommunalen Einsparungen die Auswirkungen und langfristigen Folgekosten jeder einzelnen Maßnahme zu prüfen. Träger, Beschäftigte, Ehrenamtliche und Betroffene sollen frühzeitig beteiligt werden. Pauschale Kürzungen nach dem Rasenmäherprinzip lehnt der Verband ab.
Der Kreisvorstand soll die Forderungen an den Karlsruher Gemeinderat und die Fraktionen weiterleiten. Der zweite Antrag fordert, Leistungen, die gesetzliche soziale Aufgaben erfüllen oder dafür erforderlich sind, als unverzichtbare Daseinsvorsorge anzuerkennen und nicht pauschal als freiwillige Leistungen zu behandeln. Kommunen müssten finanziell so ausgestattet sein, dass sie ihre gesetzlichen Aufgaben dauerhaft erfüllen können. Der Kreisvorstand erhält den Auftrag, diese Position gegenüber Stadt, Land und Bund zu vertreten.
Die Delegierten sprachen sich außerdem dafür aus, demokratische Beteiligungsrechte zu erhalten und weiterzuentwickeln. Während der Konferenz wurde der Antrag präzisiert: Kritisch überprüft werden sollen insbesondere geplante gesetzliche Änderungen, die die Quoren für Bürgerbegehren und Bürgerentscheide wieder anheben würden.
Zwei Anträge brachte das Kreisjugendwerk ein. Kreisvorstand und Jugendwerk sollen Maßnahmen für eine noch engere Zusammenarbeit erarbeiten und das Jugendwerk noch stärker in laufende Prozesse einbeziehen. Zudem unterstützte die Konferenz den Antrag zur Überprüfung einer zweiten stimmberechtigten Vertretung des Kreisjugendwerks im Kreisvorstand, damit dessen seit diesem Jahr bestehende Doppelspitze auch dort entsprechend vertreten sein kann.
Sozialbürgermeisterin Yvette Melchien würdigte in ihrem Grußwort die Bedeutung der AWO für die soziale Infrastruktur Karlsruhes. Sie hob Begegnungsräume gegen Einsamkeit und Ausgrenzung sowie das Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamt hervor. Uwe Presler, Vorsitzender des AWO Bezirksverbands Baden e.V., warb angesichts des Drucks auf den Sozialstaat für eine engere Zusammenarbeit zwischen Bezirks- und Kreisverband und eine gemeinsame politische Stimme.