Baden-Württemberg (pm/dk) – Die Winzerinnen und Winzer in Baden-Württemberg haben 2026 zwar deutlich weniger Trauben geerntet – dafür ist die Qualität außergewöhnlich hoch. Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband spricht von gesunden Trauben, hohen Mostgewichten und konzentrierten Aromen. Besonders bei roten Rebsorten zeichnet sich großes Potenzial ab.
So fasst der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband den Jahrgang 2026 zusammen. Nach einem außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer sind die Erträge zwar stark gesunken, die Trauben selbst überzeugen laut Verband aber mit sehr hoher Qualität.
BWGV-Präsident Ulrich Theileis sagt: „Wir dürfen uns auf einen außergewöhnlichen Weinjahrgang freuen. Die Trauben sind kerngesund, die Mostgewichte überdurchschnittlich und die Aromen hochkonzentriert. 2026 hat das Potenzial, ein besonders guter Weinjahrgang zu werden.“
Er rät sogar dazu, sich vom neuen Jahrgang „die eine oder andere Flasche mehr“ in den Keller zu legen.
Hitze und Trockenheit haben das Wachstum der Beeren begrenzt. Dadurch fielen die Trauben kleiner aus und enthielten weniger Saft.
Gleichzeitig entstanden dadurch besonders konzentrierte Moste mit intensiver Aromatik. Vor allem bei den Rotweinen sieht der Verband großes Qualitätspotenzial. Auch bei Weißweinen werden eine reife Aromatik und viel Struktur erwartet.
Das gesamte Weinjahr verlief früher als gewöhnlich. Schon der Austrieb setzte rund zwei bis drei Wochen früher ein als im langjährigen Mittel. Anfang Juni begann vielerorts bereits die Blüte.
Die Lese startete in einzelnen Betrieben schon um den 18. August. Ende September war nahezu die gesamte Ernte bereits in den Kellern – so früh wie selten zuvor.
Der hohen Qualität stehen allerdings deutliche Mengeneinbußen gegenüber.
In Württemberg liegt die Erntemenge nach ersten Schätzungen rund 30 Prozent unter dem Vorjahr, in Baden wird mit einem Rückgang von etwa 15 Prozent gerechnet.
Grund dafür sind vor allem die anhaltende Trockenheit und Temperaturen von teilweise mehr als 40 Grad. Besonders Junganlagen und Reben auf Böden mit geringer Wasserspeicherfähigkeit litten unter der Hitze.
Zusätzlich zur Trockenheit gab es im Sommer Hagelschäden, unter anderem am Kaiserstuhl und im Landkreis Ludwigsburg.
Besonders stark betroffen war Roßwag im Enztal. Dort verloren einige Winzer innerhalb von rund zehn Minuten große Teile ihrer Ernte. Auch Bietigheim-Bissingen, Kleiningersheim und das Bottwartal waren betroffen.
Teilweise mussten die Trauben kurzfristig in einer Notlese eingebracht werden.
So gut der Jahrgang qualitativ ausfällt, so schwierig bleibt die wirtschaftliche Situation der Branche.
„Die deutsche Weinwirtschaft befindet sich in ihrer tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Theileis.
Sinkender Weinkonsum, Kaufzurückhaltung, hohe Produktionskosten und internationaler Preisdruck belasten die Betriebe. Allein 2025 wurden rund 700 Hektar Rebfläche weniger von Genossenschaftswinzern bewirtschaftet als noch ein Jahr zuvor.
Die genossenschaftlich bewirtschaftete Rebfläche sank damit um 4,3 Prozent auf knapp 16.000 Hektar.
Auch die wirtschaftlichen Zahlen zeigen die schwierige Lage.
Im ersten Halbjahr 2026 verkauften die 95 Winzer- und Weingärtnergenossenschaften in Baden-Württemberg 62,6 Millionen Liter Wein und Sekt. Das waren 2,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Der Umsatz sank gleichzeitig deutlich stärker – um 9,6 Prozent auf 171,3 Millionen Euro.
Der BWGV fordert deshalb stärkere Unterstützung beim Strukturwandel und bei der Vermarktung regionaler Weine.
Dazu gehören aus Sicht des Verbands unter anderem Kooperationen, Flächenanpassungen und neue Produkte. Auch alkoholarme und alkoholfreie Angebote sollen weiterentwickelt werden.
Theileis sagt: „Angebot und Nachfrage müssen wieder stärker ins Gleichgewicht gebracht werden.“
Zugleich appelliert der Verband an Verbraucherinnen und Verbraucher sowie den Handel, Weine aus Baden und Württemberg stärker zu berücksichtigen.