Freudenstadt (dpa/dk) – Bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll hat sich die Auswahl in Baden-Württemberg deutlich verkleinert. Der Raum Ulm und Gebiete in der Kurpfalz bei Heidelberg sind raus. Übrig bleiben nur noch zwei Regionen im Schwarzwald – eine im Norden und eine im Süden.
Nach dem neuen Arbeitsstand der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) haben in Baden-Württemberg nur noch zwei Gebiete Aussicht auf die Bewertung Kategorie A – „beste Eignung“.
Dabei handelt es sich um Flächen im nördlichen und südlichen Schwarzwald. Ausschlaggebend ist dort vor allem das als geeignet bewertete unterirdische Kristallingestein, also eine Art Granit.
Für unsere Region bleibt damit insbesondere der Nordschwarzwald weiter im Fokus. In der bisherigen Auswahl lagen dort unter anderem Gebiete zwischen Lautenbach im Ortenaukreis und Bad Wildbad sowie weiter südlich bis in den Raum Alpirsbach im Kreis Freudenstadt.
Die genauen Flächen sind auf einer Karte der BGE einsehbar.
Nicht mehr weiter berücksichtigt werden dagegen der Raum Ulm mit Teilen der Schwäbischen Alb sowie Gebiete in der Kurpfalz in Nordbaden bei Heidelberg.
Diese Regionen sind laut BGE in die Kategorie B – „geeignet“ eingestuft worden. Für die weitere Suche reicht das aber nicht mehr aus.
Der übrige Teil Baden-Württembergs war bereits zuvor als „geologisch nicht gut genug geeignet“ eingestuft worden.
Die Suche wurde auch bundesweit deutlich eingegrenzt.
Nach dem aktuellen Stand kommen nur noch etwa fünf Prozent der Fläche Deutschlands für ein mögliches Endlager infrage.
Das bedeutet aber noch nicht, dass die beiden Schwarzwald-Gebiete tatsächlich in die nächste Phase kommen. Die BGE prüft weiter, welche Regionen bundesweit zu den am besten geeigneten zählen.
Bis Ende 2027 will die BGE dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung Standortregionen für eine oberirdische Erkundung vorschlagen.
Das Bundesamt bewertet diese Vorschläge anschließend für das Bundesumweltministerium. Die endgültige Entscheidung darüber, welche Regionen erkundet werden, trifft der Gesetzgeber.
Deutschland sucht einen Standort für rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiven Atommüll aus mehr als 60 Jahren Atomkraftnutzung.
Die letzten deutschen Atomkraftwerke gingen im April 2023 vom Netz. Der Atommüll lagert derzeit in 16 oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern.
Der endgültige Standort soll nach heutigem Plan spätestens 2050 gefunden sein und Sicherheit für eine Million Jahre bieten.
Entscheidend ist vor allem der Untergrund. Das Standortauswahlgesetz lässt drei sogenannte Wirtsgesteine zu: Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein.
Im Schwarzwald spielt vor allem Kristallingestein eine Rolle. Dieses gilt als besonders stabil.
Ein mögliches Endlager würde je nach Untergrund ungefähr 300 Meter bis einen Kilometer tief liegen.