Baden-Württemberg (dpa/tk) – Bei der Suche nach einem sicheren Atommüll-Endlager stehen auch Gebiete in der neue welle-Region zur Wahl. Könnten Castoren im Nordschwarzwald vergraben werden?
Etwa neun Jahre nach dem Start der Suche nach einem Standort für ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll stellt die zuständige Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) kommenden Dienstag ihren aktuellen Arbeitsstand vor: Im Rennen sind auch mehrere große Flächen in Baden-Württemberg.
Die Gebiete in Baden-Württemberg, die die ersten Prüfschritte bestanden haben, lassen sich in drei Regionen zusammenfassen: der nördliche und südliche Schwarzwald, der Raum Ulm mit Gebieten auf der Schwäbischen Alb und Gebiete in der Kurpfalz in Nordbaden bei Heidelberg. Unter den Gebieten sind unter anderem Flächen im Alb-Donau-Kreis, zwischen Lautenbach im Ortenaukreis und Bad Wildbad im Nordschwarzwald und zwischen Alpirsbach im Kreis Freudenstadt bis in den südlichen Schwarzwald.
Die genauen Gebiete sind öffentlich auf einer Karte der BGE einsehbar.
Der Rest des Bundeslandes wurde bereits als «geologisch nicht gut genug geeignet» für ein sicheres Atommüll-Endlager kategorisiert und kommt somit nicht für ein Endlager infrage, erklärte Petersen.
Die ausgewählten Gebiete in Baden-Württemberg erfüllen zunächst einmal nur erste Prüfkriterien. «Das heißt nicht zwingend, dass diese Regionen Ende 2027 für die Erkundung in der nächsten Phase der Endlagersuche vorgeschlagen werden», erklärte Energieministerin Thekla Walker (Grüne).
Davor soll noch geprüft werden, ob in diesen Gebieten auch Orte sind, die im bundesweiten Vergleich zu den am besten Geeigneten zählen. Ende 2027 will die Bundesgesellschaft Standortregionen für die oberirdische Erkundung vorschlagen.
Deutschland hat seine letzten Atomreaktoren zwar im April 2023 abgeschaltet. Doch noch muss ein Lager für rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiven Atommüll gefunden werden, der in mehr als 60 Jahren Atomkraft angefallen ist. Seit 2017 sucht die Bundesgesellschaft dafür nach einem geeigneten Standort, der Sicherheit für eine Million Jahre bieten soll. Derzeit lagert der Müll in sechzehn oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern.
Entscheidend bei der Suche nach einem geeigneten Standort ist, dass der Untergrund die radioaktiven Abfälle für sehr lange Zeiträume sicher einschließt. Je nach Untergrund würde ein Endlager etwa 300 Meter bis einen Kilometer unterhalb der Erdoberfläche gebaut, erklärte Petersen – besonders wichtig sind also zunächst einmal die geologischen Bedingungen unterhalb der Erdoberfläche.
Grundsätzlich lässt das entsprechende Standortauswahlgesetz nur drei sogenannte Wirtsgesteine zu: Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein (etwa Granit). Jede dieser Steinarten verfügt über bestimmte Eigenschaften, die ein sicheres Endlager braucht. So spricht für Kristallingestein etwa, dass dieser besonders stabil ist. Für Tongestein spricht unter anderem, dass dieser besonders wasserundurchlässig ist. Eine geringe Durchlässigkeit von Wasser ist wichtig, damit der Transport von sogenannten Radionukliden – eine radioaktive Atomsorte – gebremst wird.
Petersen zufolge wird sich die Auswahl bis dahin auf etwa fünf bis zwölf Gebiete beschränken – quasi die «Top-Kandidaten». Die finale Entscheidung über diese zu erkundenden Standortregionen trifft der Gesetzgeber.
Das Bundesumweltministerium geht bisherigen Angaben zufolge davon aus, dass bis 2050 ein entsprechendes Endlager gefunden sein wird. Das wäre etwa 20 Jahre später als ursprünglich geplant.