Aktivisten klettern auf Hochseil über Karlsruher Marktplatz

19. November 2025 , 08:34 Uhr

Karlsruhe (dpa/tk) – Die Polizei muss am Morgen den Karlsruher Marktplatz sperren. Dort machen sich zwei Aktivisten an einem Hochseil fest. Sie wollen gegen die Haushaltskürzungen der Stadt demonstrieren. Auch ein Fahrrad haben sie dabei.

Hochseil gekapert

Zwei Aktivisten sind auf ein Hochseil am Karlsruher Marktplatz geklettert und haben damit einen Einsatz der Polizei ausgelöst. In 25 Metern höhe haben es sich die Männer in einer Hängematte gemütlich gemacht, auch ein Fahrrad hatten sie dabei. Aus Sicherheitsgründen musste der Marktplatz abgesperrt werden. Seit dem Vormittag sind die Aktivisten wieder am Boden.

Die Männer waren Teil der Aktivistengruppe Widerstands-Kollektiv. Laut eigener Aussage habe sie die Aktion schon am vergangenen Samstag geplant – offensichtlich ist diese Info aber durchgesickert. Vor Ort erwartete sie ein Großaufgebot der Polizei.

Protest gegen Haushaltskürzungen

An diesem Mittwoch hat es dann aber geklappt. In der Früh kletterten sie auf das Hochseil, das eigentlich für den „Fliegenden Weihnachtsmann“ aufgebaut wurde. Ab kommender Woche wird es wieder die große Attraktion auf dem Karlsruher Christkindlesmarkt sein.

Mit der Protestaktion wollen die Aktivisten gegen geplante Haushaltskürzungen im Bereich Kultur und ÖPNV protestieren. Karlsruhes Kultusbürgermeister Albert Käuflein kritisiert dabei vor allem die Art des Protests:

Also es ist ja allen bekannt, die Stadt muss im nächsten Doppelhaushalt 80 Millionen Euro einsparen, damit wir einen genehmigungsfähigen Haushalt hinbekommen. Es ist legitim, eine Versammlung zu machen, dagegen zu protestieren oder zu sagen ‚wir wollen die Einsparungen anders haben‘. Das ist alles völlig in Ordnung. Was hier im Marktplatz stattfindet, ist für mich nicht in Ordnung. Die Leute bringen sich selber in Gefahr. Die Polizei ist hier gefordert, mit allen möglichen Maßnahmen. Mir persönlich fehlt vollständig das Verständnis dafür.

Aktivisten fordern Gelder für Kultur und ÖPNV

Dass die Stadt sparen muss ist den Aktivisten klar – sie kritisieren aber, dass an den falschen Stellen Gelder gestrichen werden. Paul Liebsch ist einer der beiden Männer, die 25 Meter über dem Marktplatz hingen. Er betont:

Die Karlsruher Kulturszene ist sehr vielfältig, und die braucht es auch für eine gesunde Stadt […]. Außerdem soll eben gekürzt werden an Geldern für den öffentlichen Personennahverkehr. Da geht es insbesondere um Straßenbahn, Taktungen, die auf quasi allen Linien seltener werden sollen. Und unter anderem eben auch die KVV-Nextbikes, die aktuell für alle Studierenden in Karlsruhe kostenlos sind. Auch da streicht die Stadt die Förderung, wodurch das extrem teuer werden wird und wahrscheinlich das Angebot dann auf Dauer auch nicht bestehen kann. Wir fordern, dass der Gemeinderat diese Kürzungen überdenkt.

Er hat auch schon Ideen, wo gespart werden könnte:

Ich will ungern irgendwie einen Vorschlag machen, wo der Haushalt konkret gekürzt werden soll […]. Es ist aber schon so ein Trend, dass Karlsruhe massiv investiert in große Prestigeprojekte. Also wir denken an die den Umbau der Kaiserstraße, an den Tunnel, an den Ausbau des Staatstheaters für über 300 Millionen € und eben auch an so ein Projekt wie die World Games. Und auf der anderen Seite ist eben das, was Karlsruherinnen und Karlsruher ganz konkret jeden Tag spüren. Nämlich fährt die Bahn und fährt sie alle halbe Stunde oder alle zehn Minuten. Das ist halt ein realer Unterschied. Und das finden wir irgendwie sehr viel wichtiger als diese prestigeträchtigen Großprojekte.

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