Weingarten (pm/dk) – Acht Wochen Vollsperrung, lange Umleitungen und eine aus Sicht der Gemeinde viel zu späte Information: Die geplanten Bauarbeiten auf der B3 zwischen Weingarten und Karlsruhe-Grötzingen sorgen weiter für Kritik. In einem offenen Brief fordert die Gemeinde das Regierungspräsidium auf, eine einseitige Sperrung zu prüfen und die Kommunikation zu verbessern.
Die Gemeinde betont in ihrem offenen Brief, dass der Schutz von Natur und Artenvielfalt ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen sei. Die geplanten Amphibientunnel würden einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz leisten.
Die Kritik richte sich deshalb nicht gegen das Ziel der Arbeiten, sondern gegen deren Vorbereitung, Kommunikation und Umsetzung.
Bereits vor zwei Jahren sollte die Maßnahme umgesetzt werden. Die damalige Ausschreibung wurde jedoch aufgehoben. Als das Vorhaben erneut an die Gemeinde herangetragen wurde, habe die Hoffnung bestanden, dass inzwischen eine bessere Verkehrslösung gefunden worden sei.
Nach Einschätzung der Gemeinde ist das nicht passiert. Auch die eigene Liegenschaftsverwaltung hätte möglicherweise bei der Suche nach einer Lösung helfen können. Eine entsprechende Anfrage habe es jedoch nicht gegeben.
Nach Angaben der Gemeinde soll zudem der Eigentümer des Hofguts Werrabronn dem Regierungspräsidium Flächen entlang der B3 angeboten haben, um eine Vollsperrung zu vermeiden. Das Angebot sei in einem Gespräch abgelehnt worden.
Besonders kritisch bewertet die Gemeinde den Zeitpunkt der Arbeiten. Die Vollsperrung beginnt am Donnerstag, 30. Juli 2026, und damit direkt zum Start der Sommerferien und des Hauptreiseverkehrs.
Nach Angaben der Gemeinde fahren bereits im normalen Alltag rund 13.000 Fahrzeuge täglich über die B3 durch Weingarten. Bei Staus oder Unfällen auf der Autobahn dient die Bundesstraße außerdem als offizielle Bedarfsumleitung U 41.
Zusätzlich soll nahezu zeitgleich die Auffahrt der Anschlussstelle Karlsruhe-Nord in Fahrtrichtung Süden gesperrt werden. Über diesen Bereich führt jedoch ein wesentlicher Teil der ausgeschilderten Umleitung für die B3-Baustelle.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Erreichbarkeit des Hofguts Werrabronn. Durch die Vollsperrung ist das Anwesen von Weingarten aus nur noch über erhebliche Umwege erreichbar.
Betroffen sind laut Gemeinde die dort lebenden und arbeitenden Menschen sowie die Kundschaft des landwirtschaftlichen Betriebs mit Hofverkauf. Besonders große Sorgen bereiten mögliche Brand- und Rettungseinsätze. Die Anfahrtszeiten der Einsatzkräfte könnten sich deutlich verlängern.
Wegen der kurzfristigen Ankündigung bleibe kaum Zeit, sich angemessen auf diese Situation vorzubereiten.
Auch die Informationspolitik des Regierungspräsidiums wird in dem offenen Brief deutlich kritisiert. Belastbare Angaben zum tatsächlichen Baubeginn habe die Gemeinde erst erhalten, nachdem sie selbst Kontakt mit den Projektverantwortlichen aufgenommen hatte.
Zu diesem Zeitpunkt waren entlang der B3 bereits Verkehrsschilder und Umleitungsbeschilderungen aufgestellt. In der Bevölkerung habe das zu zahlreichen Nachfragen und großer Verunsicherung geführt.
Die Gemeinde informierte deshalb in der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 20. Juli 2026 über den ihr bekannten Stand. Das Gremium äußerte nach Angaben der Verwaltung geschlossen sein Unverständnis über die Vorgehensweise.
Die offizielle Pressemitteilung des Regierungspräsidiums wurde am 23. Juli veröffentlicht. Eine frühzeitige, transparente und abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit habe aus Sicht der Gemeinde damit nicht stattgefunden. Auch andere betroffene Kommunen sollen die kurzfristige Information und die daraus entstandenen Schwierigkeiten angesprochen haben.
In ihrem offenen Brief appelliert die Gemeinde an das Regierungspräsidium und Regierungspräsident Föhr, kurzfristig alle Möglichkeiten für eine nur einseitige Sperrung der B3 zu prüfen.
Außerdem fordert sie eine Verbesserung der Informationspolitik. Die Gemeinde bietet ihre Unterstützung und ein persönliches Gespräch an.
Das Regierungspräsidium lässt im Bereich „Mittleres Aufeld“ bei Weingarten eine bestehende Amphibienleiteinrichtung erweitern. Auf einer Länge von rund 240 Metern werden neue Betonfertigteile eingebaut.
Zusätzlich entstehen zwei Amphibiendurchlässe mit einer Länge von jeweils etwa 13 bis 15 Metern. Ein alter Durchlass wird entfernt. Die Anlage soll Molche, Kröten und Frösche schützen, die in diesem Bereich regelmäßig die Bundesstraße überqueren.
Die Arbeiten finden auf einem etwa 300 Meter langen Abschnitt auf Höhe des alten jüdischen Friedhofs statt. Sie beginnen am 30. Juli und sollen voraussichtlich Ende September abgeschlossen sein. Die Kosten liegen bei rund 370.000 Euro und werden vom Bund getragen.
Verkehrsteilnehmende aus Karlsruhe werden über die L 558 und die L 560 bei Stutensee sowie anschließend über die B 35 zurück auf die B3 geführt. Aus Weingarten führt die Umleitung über die L 559 in Richtung Stutensee-Blankenloch.
Aus Untergrombach geht es über die K 3501 in Richtung Büchenau und Staffort. Wer aus Bruchsal nach Süden fährt, wird über die B 35, die L 558 und die L 560 in Richtung Karlsruhe umgeleitet.
Am Sonntag, 9. August 2026, wird die Umleitung wegen des Summertime Triathlons angepasst. Die L 558 ist an diesem Tag ganztägig gesperrt.
Das Regierungspräsidium weist außerdem darauf hin, dass die Wirtschaftswege entlang der B3 nicht als Abkürzung genutzt werden dürfen. Sie sind ausschließlich für den landwirtschaftlichen Verkehr vorgesehen.