Baden-Württemberg (dpa/dk) – Weniger Steuer auf dem Teller – und neue Hoffnung für die Gastronomie im Südwesten: Seit Anfang des Jahres gilt für Speisen in Restaurants wieder dauerhaft der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Das Gastgewerbe setzt große Erwartungen in die Entscheidung. Aber was ändert sich konkret für Betriebe und Gäste?
Trotz weiterhin schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen blickt das Gastgewerbe in Baden-Württemberg etwas optimistischer auf das neue Jahr.
„Die Lage bleibt herausfordernd, aber ich bin optimistischer als noch vor einem Jahr und sehe jetzt eine realistische Chance, dass wir den Negativtrend bei der Umsatzentwicklung stoppen können“, sagte der Landeschef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Hans-Ulrich Kauderer.
Ein wichtiger Grund dafür ist die steuerliche Änderung zum Jahreswechsel: Seit dem 1. Januar werden Speisen in der Gastronomie wieder mit sieben Prozent besteuert. Der Bundesrat hatte der Regelung kurz vor Weihnachten zugestimmt. Schon während der Corona-Pandemie galt dieser Satz, lief aber Ende 2023 aus.
Für die Branche ist die Rückkehr zur 7-Prozent-Steuer ein wichtiger Schritt.
„Essen im Gasthaus auf Porzellan und mit gutem Service wird künftig nicht mehr höher besteuert als Fastfood zum Mitnehmen“, erklärte Kauderer. Das sei ein Gebot der Fairness und ein „Gewinn für die kulinarische Kultur“. Wettbewerbsnachteile für personalintensive Restaurants seien damit endlich beseitigt.
Ganz lösen kann die Steuersenkung die Probleme allerdings nicht. Seit 2022 seien Personal-, Energie- und Warenkosten um rund 30 Prozent gestiegen. Dennoch verschaffe die Entlastung den Betrieben dringend Luft, etwa für Investitionen.
Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Nach einem schwachen Vorjahr sanken die Umsätze des Gastgewerbes im Südwesten von Januar bis Oktober 2025 erneut. Laut Statistischem Landesamt lagen die Erlöse inflationsbereinigt im Schnitt 2,4 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.
Viele Menschen halten ihr Geld zusammen.
„Die Gäste kommen seltener ins Restaurant oder geben bei ihren Besuchen weniger aus. Auch die Hotellerie spürt die Sparzwänge, vor allem im wichtigen Tagungs- und Geschäftsreisegeschäft“, sagte Kauderer. Gleichzeitig bleibe das Bedürfnis nach Geselligkeit und gutem Essen bestehen.
Seit 2019 haben laut Verband mehr als 3.000 Betriebe in Baden-Württemberg geschlossen – besonders im ländlichen Raum. Die Situation bleibt schwierig, auch wegen steigender Kosten und der Erhöhung des Mindestlohns. Die Steuersenkung könne jedoch weitere Schließungen verhindern, „die es ohne sie mit Sicherheit gegeben hätte“, so Kauderer.
Ob die Preise nun sinken, ist offen. Klar sei aber:
„Zunächst einmal ist es eine gute Nachricht für die Gäste, wenn mehr Gasthäuser und Restaurants wirtschaftlich überleben, weil so die Vielfalt des Angebots gesichert wird“, sagte Kauderer. Der Wettbewerb sei groß und der Markt funktioniere – davon würden auch die Gäste profitieren.
Der Dehoga vertritt nach eigenen Angaben rund 12.000 Betriebe in Baden-Württemberg. In der Branche arbeiten etwa 300.000 Menschen, der Jahresumsatz liegt bei rund 15 Milliarden Euro.