So könnt ihr Ersthelfer für die Seele werden - die neue welle

So könnt ihr Ersthelfer für die Seele werden

Region (la) – Endlose Wochen Lockdown, der Angriffskrieg auf die Ukraine, dazu kommen Zukunftsängste durch steigende Lebenserhaltungskosten und Leistungsdruck bei der Arbeit. Die menschliche Psyche macht zur Zeit einiges durch. Das schlägt sich auch in den Zahlen des Robert Koch Instituts nieder. Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an einer psychischen Erkrankung. Das Spektrum der Krankheitsbilder reicht dabei von Schlafstörungen bis hin zu einer schweren Depression. Um dem steigenden Trend entgegenwirken zu können, gibt es daher seit einiger Zeit Erste-Hilfe-Kurse für die Psyche, genannt „MHFA-Kurse“. Dort lernt ihr, wie ihr andere Menschen, mit psychischen Problemen unterstützen könnt.

Foto: Symbolbild Matton

Mehr als jeder siebte Erwachsene hat einmal im Leben eine Depression

Psychische Gesundheitsprobleme sind weit verbreitet. Das RKI geht davon aus, dass rund 40 Prozent der Menschen in Deutschland im Laufe des Jahres an einer psychischen Problematik leiden, die ernst zu nehmen ist. Egal, wie stark, psychische Störungen beeinflussen die körperliche Gesundheit und das Wohlbefinden. Besonders weit verbreitet in Deutschland sind Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen. Das Robert-Koch-Institut spricht bei diesen Erkrankungen bereits von „großer Public-Health-Relevanz“. Seit dem Jahr 2006 zeigt sich das vor allem bei der steigenden Anzahl an Krankschreibungen durch psychische Störungen. Befeuert wurde die Problematik erst durch die Coronapandemie, dann durch den Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen steigenden Lebenshaltungskosten.

Idee aus Australien

„MHFA“, das steht für „Mental Health First Aid“. Hinter dem Begriff versteckt sich ein Erste-Hilfe-Kurs für mentale Gesundheit. Wer einen Führerschein hat, der muss davor einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Warum gibt es so etwas nicht für psychische Erkrankungen? Die Idee dafür entstand in Australien während eines Spaziergangs. Seit 2020 gibt es die Kurse jetzt auch in Deutschland. In weiteren 25 Ländern der Erde werden MHFA-Kurse angeboten. Tendenz steigend.

Was lernt man da?

Psychotherapeut Kristof Schulze ist überzeugt: Solche Kurse sind etwas für jedermann. „Ich bin sicher, dass jeder in seinem Umfeld jemanden hat, der an psychischen Problemen leidet.“ In den zwölf Stunden, die der MHFA-Kurs in Anspruch nimmt, lernt der Laie, wie er adäquat auf psychische Erkrankungen reagieren kann. „Es gibt verschiedene Kursmodule. Zunächst werden die häufigsten psychischen Erkrankungen durchgesprochen“, erklärt Schulze. Der Erste-Hilfe-Kurs für die Psyche solle ermutigen, Menschen anzusprechen, bei denen man das Gefühl habe, sie könnten vielleicht an einer psychischen Störung leiden. „Der allererste Schritt, das Wahrnehmen und Ansprechen, das soll geschult werden“, so Schulze.

Ersthelfer kann jeder werden

„Man braucht weder ein Psychologie- noch ein Medizinstudium“, betont der Psychotherapeut. Die Kurse richten sich explizit an interessierte Menschen. Vorwissen ist nicht nötig, denn die Grundlagen werden im Kurs vermittelt. Das bedeute aber auch, so Schulze, dass die Teilnehmer nicht wie kleine Psychotherapeuten den Kurs abschließen würden. „Man kann mit dem Wissen des Kurses keine Diagnosen stellen. Das ist auch nicht Sinn der Sache.“ Erste-Hilfe leisten und den Rest den Profis überlassen, das sei das Ziel.

Kampf gegen Vorurteile

Die MHFA Ersthelfer-Kurse leisten einen entscheidenden Beitrag, um Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Störungen abzubauen. Denn, wo jemand informiert ist, da können schon mal keine Vorurteile aufgrund von Desinformation mehr entstehen. „Es wäre viel einfacher für Menschen mit psychischer Erkrankung, wenn die Kurse weiter verbreitet würden“, so Schulze.

Wir haben den Kurs ausprobiert

Unsere Redakteurin Carlotta hat den MHFA-Kurs im September ausprobiert und ist begeistert. „Ich muss sagen, ich habe echt viel neues Wissen dazugewonnen“, erzählt sie.  „Und vor allem, und ich finde, das ist das Wichtigste, ich habe jetzt den Mut, meine Mitmenschen auf mögliche psychische Probleme anzusprechen, wenn ich merke, dass da etwas sein könnte.“ Sie ist überzeugt, den Kurs sollte eigentlich jeder machen. „Damit die Tabuisierung der psychischen Probleme aufhört. Wenn sich jemand ein Bein bricht, dann weiß jeder, was er jetzt zu tun hat. Das fehlt in Bezug auf psychische Erkrankungen noch“, so Carlotta. Wenn ihr auch mal solch einen Kurs machen möchtet - alle Informationen findet ihr hier.

 

 


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