Karlsruher Taxifahrer transportieren statt Firmenkunden nur noch Kranke

Karlsruhe (mt) - Seit fast einem Jahr gibt es wegen Corona keine durchzechten Partynächte, Kongresse und Messen mehr. Wen das besonders trifft, sind die Taxifahrer. Roland Koffler vom Taxiruf Karlsruhe ist schon seit 40 Jahre in der Branche. Er hat in dieser  Zeit noch nie so eine Flaute erlebt wie momentan. Seit Anfang der Krise verzeichnet er einen Umsatzrückgang von etwa 70 Prozent.

Foto: Symbolbild/pixabay

"Man konnte trotzdem seine Familie ernähren"

"Das Taxifahren an und für sich ist schon so lange ich es kenne [...] immer ein Problem gewesen. Es ist natürlich ein Geschäft, in dem man keine Millionen verdient. Aber letztendlich kann oder konnte man trotzdem seine Familie ernähren," so Koffler. Vor Corona haben Taxifahrer am meisten an Firmenkunden verdient: "Früher hat sich da sehr viel bewegt ins Hotel, zum Termin, zurück an den Flughafen usw. Die Reiseunternehmen, Buszubringer und und und. Was inzwischen komplett fehlt, ist das Nachtleben, die Gastronomie. Das ist eigentlich 50 Prozent unseres Umsatzes. Kongresse, Messen und wenn die Hotels voll waren. Das sind richtige Geldbringer gewesen. Aber das gibt es ja jetzt alles nicht mehr." 

Rund um die Uhr da 

Inzwischen sind 99 Prozent der Kunden laut Koffler Fahrgäste, die einfach keine andere Alternative haben, zum Arzt oder ins Krankenhaus zu kommen. Deswegen fahren fast nur noch Kranke, Dialyse- und Chemo-Patienten mit dem Taxi. Auch nach 20 Uhr mit Ausgangssperre gibt es für Taxifahrer was zu tun: "Wir müssen wegen der Daseinsberechtigung rund um die Uhr da sein. In diesem Falle gibt es dann tatsächlich auch noch Kunden, die fahren. Es gibt Polizeireviere, die rufen an, weil sie jemanden aufgegriffen haben, der dann nach Hause muss. Es gibt Abschleppdienste, die, wenn sie irgendein Pannenfahrzeug oder Unfallfahrzeuge transportieren dürfen, die Fahrgäste bzw. die Fahrer nicht mitnehmen. Da müssen wir dann aus Hygieneschutzgründen mit dem Taxi hinterherfahren. Wir fahren auch Krankenhauspersonal, Ärzte, Krankenschwestern und Labor-Fahrten, die es auch in der Nacht gibt. Auch Geburten oder als Zubringer vom einen Krankenhaus ins andere Krankenhaus."

Seit März keine Hilfen mehr

Kofflers Geschäft und seine angeschlossenen Unternehmen haben, um die Pandemie zu überstehen, alle angebotenen Hilfen beantragt: "Es gab Mal die Soforthilfe im März, die hat fast jeder bekommen. Die ist natürlich schon lange aufgebraucht. Seither gibt es gar keine Unterstützung mehr, obwohl es jede Menge Programme gibt und auch viele Unternehmer diese beantragt haben. Aber es kommt einfach nichts." Der momentane Zustand kann aus Sicht Kofflers nicht mehr lange weiter gehen: "Wenn diese Pandemie jetzt nicht irgendwann die nächsten ein, zwei Monate zu Ende ist, wird es mit Sicherheit ein Unternehmenssterben in unserer Branche geben." Eine Idee Kofflers wäre es, dass ähnlich wie in Berlin, ältere Menschen einen Anspruch haben, mit dem Taxi zur Impfstation zu fahren und von dort wieder nach Hause: "Das wäre für diese Leute sehr sicher und uns würde es etwas bringen." Das Ganze müsste allerdings vonseiten der Stadt organisiert werden.


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