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Eine besondere Art zu wohnen: Das Leben in der Karlsruher Wagenburg

Karlsruhe (cmk) Beim Betreten des Geländes hat man das Gefühl, man sei in eine Gartenparty geplatzt oder sei beim berühmten Burning Man Festival gelandet. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man etwas ganz anderes. Im wahrsten Sinne des Wortes, eine andere Art zu wohnen. die neue welle hat die Wagenburg in Karlsruhe besucht – die Heimat der Menschen, die sich entschieden haben, auf eine andere Art und Weise zu wohnen.

Foto: dnw

„Es ist eigentlich alles wie in einem Haus – nur ein bisschen anders.“

Dort lebt auch Kai. Er ist 17 Jahre alt und wohnt schon seit zehn Jahren in der Wagenburg an der Haid-und-Neu-Straße in Karlsruhe. Derzeit macht er einen Bundesfreiwilligendienst, danach möchte er eine Ausbildung anfangen. Er hat wie jeder andere Bewohner auch seinen eigenen Bauwagen auf dem Gelände. Wie er selbst im Interview sagt, mangelt es ihm an nichts. Er müsse lediglich auf „ein paar Komfortsachen“ verzichten, ansonsten gefällt ihm sein Zuhause. Das ist auch nicht verwunderlich, denn beim näheren Betrachten stellt der neue welle-Reporter fest, dass der Bauwagen besser ausgestattet ist, als ursprünglich vermutet. Kai hat einen eigenen Holzofen in seinem Wagen, einen Schreibtisch, eine Sitzecke, ein Hochbett und einen Fernseher. „Es denken viele, dass wir hier irgendwie hinterm Mond leben aber wir haben hier auch Internet, Fernsehanschluss und Strom. Es ist eigentlich alles wie in einem Haus – nur ein bisschen anders“, so der 17-Jährige.

Gemeinschaft und Zusammenhalt

In der Wagenburg gibt es außerdem einen Gemeinschaftswagen - dort ist auch die Gemeinschaftsküche untergebracht -und einen Bade-Wagen für die Bewohner. Ein kleiner Spielplatz und eine große freie Fläche, die Platz für Sofas, Tische und selbstgebaute Holzdekorationen bietet, runden das Bild ab. „Im Sommer sitzen oft alle zusammen draußen dann machen wir ein Lagerfeuer oder unternehmen Sachen zusammen. Es gibt auch Feste hier, wir haben zum Beispiel auch eine kleine Bar“, erzählt Kai über das Zusammenleben in der Wagenburg. Alle Bewohner haben dort dasselbe Mitspracherecht und bezahlen dasselbe (rund 200 Euro im Monat). Häufig wird für alle gekocht, meistens vegetarisch. Obwohl der 17-Jährige kein Vegetarier ist, stellt das für ihn kein Problem dar: „Es hat ja schon von vorneherein etwas mit der Einstellung zu tun, wie man das alles sieht. Wir sind hier sehr tolerant.“ Das Holz zum Heizen wird ebenfalls gemeinsam gehackt, dafür wurde eigens ein Waldgrundstück gepachtet.

Entgegen dem Mainstream

In seinem Umfeld stößt sein Wohn-Stil auf große Akzeptanz. Keiner stelle in Frage, warum er so wohnt, erzählt Kai im Interview. Trotzdem gibt es eine Sache, die tatsächlich vermisst: „Dass man einfach duschen gehen kann mit warmem Wasser aus der Leitung. Das ist hier schon ein bisschen schwerer.“ Kai ist glücklich in der Wagenburg. Auch wenn er seine Ausbildung anfängt, kommt eine eigene Wohnung für ihn nicht in Frage. „Ich würde gerne so weiter wohnen oder auch in andere Wohnprojekte gehen. Wenn ich meine Ausbildung in Karlsruhe mache werde ich mir eine WG suchen mit Freunden zusammen. Aber alleine in einer Wohnung zu wohnen könnte ich mir gar nicht vorstellen“, erzählt er weiter. Dabei gehe es vor allem um den Gedanken anders zu wohnen und nicht dem „Mainstream“ zu folgen.

Familien und Kinder in der Wagenburg

Auch mit Vorurteilen kann Kai inzwischen gut umgehen. „Viele denken da geht immer der Punk ab oder da sind alle immer nur am Feiern, aber das ist hier nochmal ein bisschen anders, im Vergleich zu anderen Wagenburgen. Wir haben hier auch viele Kinder auf dem Platz und viele Familien- das ist für eine Wagenburg normalerweise nicht üblich. Es wird auch oft in eine Ecke geschoben mit der Tiny-House-Bewegung aber es ist eigentlich etwas ganz anderes“, so der junge Mann.

Wagenburg werde von Stadt „nicht richtig anerkannt“

Die Wagenburg in der Haid-und-Neu-Straße ist die einzige ihrer Art in der Fächerstadt. Nach wie vor wird diese Art zu wohnen nicht so akzeptiert, wie „normale“ Wohnhäuser – es wird lediglich toleriert. „Hier ist es etwas problematisch, da es von der Stadt immer noch nicht richtig anerkannt wird und auch nicht wirklich gefördert wird. Deswegen sind wir auch die einzige Wagenburg hier in Karlsruhe. Man kann hier aber auch anfragen und dann einfach für ein paar Tage übernachten und wohnen – auch wenn man gerade auf der Durchreise ist. Das ist aber auch auf eine bestimmte Anzahl an Bewohnern begrenzt, die hier wohnen dürfen.“