Radioaktiv – die neue welle https://www.die-neue-welle.de Immer deine Lieblingsmusik. Mon, 04 May 2026 12:21:54 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Atommüll in Philippsburg – Gericht sieht ausreichend Schutz https://www.die-neue-welle.de/atommuell-in-philippsburg-gericht-sieht-ausreichend-schutz-1893141/ Mon, 04 May 2026 09:11:20 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1893141
Selbst bei einem Flugzeugabsturz oder einem Drohnenangriff auf Philippsburg reichen die Schutzmaßnahmen aus. Das Gericht hat seine Entscheidung vom Dezember jetzt begründet.

VGH erklärt sein Urteil

«Die Schadensvorsorge gegen den zufälligen Absturz eines schnell fliegenden Militärflugzeugs sei – auch im Hinblick auf den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und durch die von den Klägern behaupteten erhöhten Flugbewegungen – gewährleistet», heißt es dazu in einer Mitteilung unter anderem.

Das Gericht in Mannheim verwies auf Angaben des Verteidigungsministeriums, dass trotz erhöhter Flugbewegungen immer seltener Flugzeuge abstürzten. Ferner ereigneten sich solche Vorfälle vor allem bei Start, Landung und Luftkampfübungen. Diese fänden nicht in der Umgebung des Lagers statt.

Bei einem gezielten Angriff mittels – auch mit Sprengstoff beladener – Drohnen oder panzerbrechender Waffen sei eine unzulässige Strahlenbelastung auszuschließen, so der VGH weiter. Das habe das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) rechtsfehlerfrei bewertet.

Klägern bleibt Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Der 10. Senat hat keine Revision gegen das Urteil zugelassen. Dagegen können sich die Beteiligten mit einer Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht wenden. (Az. 10 S 1314/24)

Das Verfahren zieht sich schon länger: Kurz vor dem Transport der letzten vier Castor-Behälter mit Atommüll aus dem französischen La Hague nach Philippsburg Ende 2024 hatte der VGH Eilanträge zu dem aktuellen Verfahren abgelehnt. Mit der Genehmigung des Transports würden keine irreversiblen Tatsachen geschaffen, hieß es damals: Denn eine Auslagerung der Behälter im Fall eines Erfolgs im Hauptsacheverfahren sei jederzeit möglich.

In den Castoren sind Abfälle, die in Frankreich bei der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente aus Atomkraftwerken entstanden waren. Deutschland ist völkerrechtlich zur Rücknahme verpflichtet gewesen.

Die Kläger hatten insbesondere argumentiert, dass es Ereignisse geben könne, bei denen Radioaktivität in einer Konzentration freigesetzt werden könne, die über den Richtwerten liegen würden. Dabei geht es ihnen auch vor dem Hintergrund der verschärften Sicherheitslage zum Beispiel um Angriffe mit neuen militärischen Waffen, Terror- oder Sabotageakte. Solche Szenarien seien bei der damaligen Genehmigung nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Behälter haben Explosionstests bestanden

Philippsburg war ab 1979 vier Jahrzehnte Kernkraftstandort. Die beiden Reaktoren werden seit 2017 beziehungsweise 2020 zurückgebaut. Das Brennelemente-Zwischenlager befindet sich auf dem Betriebsgelände des AKW. Seit 2007 ist es in Betrieb und hat Platz für 152 Behälterstellplätze. 106 davon sind belegt. Es sollen keine weiteren Behälter hinzukommen.

Die Genehmigung für das Zwischenlager ist aktuell bis 2047 befristet. Weil es bislang aber kein Endlager für deutschen hochradioaktiven Atommüll gibt, wird der Standort laut Fachleuten vermutlich länger betrieben werden müssen.

Die 2024 eingelagerten Behälter vom Typ HAW28M sind offiziellen Angaben zufolge aus Gussmetall. Die Wände haben eine Stärke von rund 40 Zentimetern. Ein System aus massiven Stahldeckeln soll die radioaktiven Inhalte sicher umschließen. Die Behälter haben Fall- und Feuertests bestanden sowie die Explosion eines gefüllten Tankwagens mit Flüssiggas direkt daneben.

Auch der VGH verweist in seinem Urteil auf die Beschaffenheit der Behälter. Die Vorsorge etwa zur Abschirmung radioaktiver Strahlung sei im Normalbetrieb, bei Betriebsstörungen sowie bei Störfällen und Unfällen gewährleistet.

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40 Jahre Tschernobyl: Wo strahlt es noch im Südwesten? https://www.die-neue-welle.de/40-jahre-tschernobyl-wo-strahlt-es-noch-im-suedwesten-1886289/ Sun, 26 Apr 2026 11:42:11 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1886289

Baden-Württemberg (dpa/tk) – Die Älteren erinnern sich noch: Auf einmal durften Kinder nicht mehr in die Sandkästen, Obst aus dem Garten war tabu und die Angst vor Langzeitfolgen allgegenwärtig. Am 26. April 1986 ereignete sich der Reaktorunfall in Tschernobyl in der damaligen Sowjetunion – die Aufregung ist inzwischen verflogen. Doch gibt es heute noch Folgen für das Leben in Baden-Württemberg?

Wo strahlt es heute noch vermehrt?

Laut dem Landesumweltministerium sind vor allem die Gebiete belastet, in denen durch den Regen kurz nach der Katastrophe radioaktive Partikel aus Tschernobyl in die Böden gelangten. Solche Regenfälle habe es vor allem im Süden Deutschlands gegeben. Am stärksten sei Bayern betroffen gewesen, aber auch in Baden-Württemberg habe es nach der Katastrophe sogenannte Fallouts gegeben. Laut dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Freiburg sind deshalb insbesondere Oberschwaben und der Schwarzwald stärker belastet.

Wer sich näher für die aktuelle Strahlenbelastung in seiner Region interessiert, kann sich hier durch eine Karte des Bundesamts für Strahlenschutz klicken.

Ist das gesundheitsschädlich?

Nein. Die durch den Reaktorunfall in Tschernobyl entstandene Strahlenbelastung bewegt sich in Deutschland laut dem Bundesamt für Strahlenschutz im Bereich von weniger als einem Prozent der natürlichen Strahlenbelastung. Auch für Personen in den stärker vom Tschernobyl-Fallout betroffenen Gebieten sei sie daher radiologisch nicht mehr relevant.

Von den damals freigesetzten radioaktiven Stoffen sei heute nur noch Cäsium-137 von Bedeutung, wie das Landesumweltministerium mitteilte. Das Cäsium habe sich im Boden abgelagert und sei mit einer Halbwertszeit von etwa 30 Jahren erst zu rund 60 Prozent zerfallen. In Ackerböden ist Cäsium-137 nach Angaben des Umweltministeriums fest gebunden, Pflanzen könnten den Stoff dort nur geringfügig aufnehmen. In Waldböden sei das anders, hier sei der Stoff weniger gebunden und werde stärker von Mikroorganismen, Pflanzen und Pilzen aufgenommen.

Was ist Cäsium-137?

Cäsium-137 ist ein radioaktives Isotop, das nicht natürlich vorkommt, sondern bei der Kernspaltung entsteht, wie das Bundesamt für Strahlenschutz erklärt. In Deutschland ist es nicht erlaubt, Lebensmittel mit mehr als 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm in den Verkauf zu bringen. Die Maßeinheit gibt an, wie aktiv ein radioaktiver Stoff ist.

Gibt es Lebensmittel, die noch verstärkt belastet sind?

Wildpilze und Wildschweinfleisch weisen auch heute noch Belastungen auf. Die Pilze sind dabei weniger stark betroffen. Zwar können sie unter bestimmten Bedingungen stark belastet sein, das CVUA Freiburg gibt jedoch an, dass alle Wildpilze, die dort oder im CVUA Stuttgart in den vergangenen Jahren getestet wurden, weit unter dem erlaubten Höchstwert gelegen hätten. Außerdem teilte das Bundesamt für Strahlenschutz letztes Jahr mit, dass es einen maßvollen Verzehr von Speisepilzen inzwischen für unbedenklich hält.

Bei Wildschweinfleisch sieht das anders aus, so erklärte eine Sprecherin des Landesumweltministeriums: «Bei den Messungen in Baden-Württemberg gab es Überschreitungen des Grenzwerts bei Wildschweinen im Schwarzwald und Südosten Baden-Württembergs.»

Warum sind Wildschweine strahlenbelastet?

Wildschweine fressen laut dem Landesumweltministerium gerne Pilze, darunter auch den hoch belasteten, für Menschen ungenießbaren Hirschtrüffel. Dieser Pilz reichert Cäsium besonders stark an und weist so teilweise Strahlenbelastungen weit über dem Grenzwert auf, teilt das CVUA mit. Das Isotop gelange so in das Fleisch der Tiere und werde dort mit der Zeit angereichert.

Kann man dennoch Wildschweinfleisch essen?

Die Landesregierung hat 2006 zusammen mit dem Landesjagdverband ein Überwachungssystem für Wildschweinfleisch eingeführt. In stark betroffenen Gebieten müsse seither jedes geschossene Wildschwein kontrolliert werden, so das CVUA.

Zusätzlich würden die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter im Südwesten Stichproben von Fleisch aus angrenzenden Landkreisen sowie aus Gaststätten und Metzgereien im Südwesten testen. Fleisch, das den Grenzwert überschreite, werde entsorgt und dürfe nicht in den Handel kommen. Wer also das Fleisch im Supermarkt kauft, hat nichts zu befürchten.

Was muss man bei Wildpilzen beachten?

Wildpilze dürfen in Baden-Württemberg nur für den Eigenbedarf gesammelt und nicht verkauft werden. Wer im Supermarkt Pilze kauft, hat also nichts zu befürchten. Zuchtpilze sind dem Bundesamt für Strahlenschutz nach unbedenklich. Sie werden generell wenig Cäsium-137 enthalten.

Was sollten Pilzsammler beachten?

Das Bundesumweltministerium empfiehlt, nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu essen – insbesondere, wenn man regelmäßig Wildpilze isst. Diese Verzehrempfehlung gebe es aber nicht nur wegen der Radioaktivität, Pilze reicherten auch Schwermetalle an, erklärt Dennis Regul von der Pilzschule Regul in Ulm.

Hobbypilzsammler sollten sich an die Verzehrempfehlung halten, denn leider könne man es den Pilzen nicht ansehen, wie stark sie belastet seien. Stark anreichernde Pilze sind laut Regul Maronenröhrlinge, Trompetenpfifferlinge und Semmelstoppelpilze, aber auch Pfifferlinge und Steinpilze.

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Was steckt hinter Fläschchen mit der «Polonium»-Aufschrift https://www.die-neue-welle.de/was-steckt-hinter-flaeschchen-mit-der-polonium-aufschrift-1880088/ Tue, 07 Apr 2026 10:24:25 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1880088
Nach dem mysteriösen Fund eines Fläschchens mit der Aufschrift «Polonium 210» in Vaihingen an der Enz und einer ersten Einschätzung wollen Spezialisten das kleine Behältnis genauer untersuchen. Bislang gebe es nur «erste Plausibilitätsbetrachtungen», sagte eine Sprecherin des baden-württembergischen Umweltministeriums. Demnach gingen Fachleute nicht von Polonium 210 aus.Der Fund müsse aber im Laufe des Dienstags noch in der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) in Karlsruhe analysiert werden, teilte das Ministerium weiter mit. Mit einem Ergebnis sei unter Umständen erst später zu rechnen.

Fund bei der Ostereiersuche

Zwei Männer hatten das Fläschchen nach Angaben der Polizei am Ostersonntag in einem privaten Vorgarten der Stadt im Nordosten von Stuttgart gefunden und sofort den Notruf verständigt. Die Feuerwehr hatte den Inhalt zunächst noch als echt eingeschätzt, weil das Behältnis aus ihrer Sicht zum Stoff passt. Messungen im Umfeld des Fläschchens waren nach dem Fund negativ ausgefallen.

Ermittlungen sollen nach Ostern beginnen

Sollte in dem Fläschchen tatsächlich Polonium 210 nachgewiesen werden, wird der Stoff nach Behördenangaben dekontaminiert und fachgerecht entsorgt. Es sei auch möglich, dass das Landeskriminalamt die Ermittlungen übernehme, sagte eine LKA-Sprecherin. Bereits jetzt ermittelt die Polizei, wie das Fläschchen in den Vorgarten gelangen konnte.

Putin-Kritiker Litwinenko starb 2006 nach Polonium 210-Anschlag

Polonium ist ein chemisches Element mit hoher Radiotoxizität und deshalb sehr gesundheitsschädlich. Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist der Stoff vor allem dann gefährlich, wenn er eingeatmet oder aufgrund offener Wunden über die Haut aufgenommen wird. Schon ein Millionstel Gramm Polonium 210 kann einen Menschen töten – laut BfS innerhalb weniger Tage. Der Putin-Kritiker und frühere Geheimdienstoffizier Alexander Litwinenko starb 2006 in London nach einem Anschlag mit Polonium 210.

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Suche nach Endlager – Orte im Südwesten weiter in Auswahl https://www.die-neue-welle.de/suche-nach-endlager-orte-im-suedwesten-weiter-in-auswahl-1796434/ Tue, 04 Nov 2025 03:22:52 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1796434
Hochradioaktiver Atommüll könnte eines Tages im Schwarzwald gelagert werden oder auf der Schwäbischen Alb. Denn: Auf der Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll sind noch mehrere große Flächen in Baden-Württemberg im Auswahlverfahren. Darunter Gegenden bei Bad Wildbad, Alpirsbach und Heidelberg.

Ein Viertel von Deutschland geeignet

Nach Angaben der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) haben Experten die bundesweit möglicherweise infrage kommenden Regionen mittlerweile auf 25 Prozent der deutschen Landesfläche eingegrenzt. Dort halten sie die geologischen Bedingungen für eine unterirdische Lagerung aus heutiger Sicht für geeignet – oder die Flächen wurden bisher nicht bewertet.

Von der Landesgrenze zu Bayern bis in den Schwarzwald

Unter den Gebieten in Baden-Württemberg, die die ersten Prüfschritte bestanden haben, sind Flächen im Alb-Donau-Kreis, zwischen Lautenbach im Ortenaukreis und Bad Wildbad im Nordschwarzwald und zwischen Alpirsbach im Kreis Freudenstadt bis in den südlichen Schwarzwald. Der Großteil der bislang nicht geprüften Flächen liegt laut BGE in Norddeutschland.

Ende 2027 will die Bundesgesellschaft Standortregionen für die oberirdische Erkundung vorschlagen. Die finale Entscheidung über diese zu erkundenden Standortregionen trifft der Gesetzgeber.

27.000 Kubikmeter Atommüll

Bis spätestens 2050 soll ein Lager für rund 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiven Atommüll gefunden werden, der in mehr als 60 Jahren Atomkraftnutzung angefallen ist. Der Standort soll Sicherheit für eine Million Jahre bieten. Derzeit lagert deutscher Atommüll in sechzehn oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern. Die letzten deutschen Atomkraftwerke sind seit April 2023 außer Betrieb.

Das Bundesumweltministerium geht davon aus, dass bis 2050 ein entsprechendes Endlager gefunden sein wird. Das wäre etwa 20 Jahre später als ursprünglich geplant. Bis wann das Endlager dann wirklich genutzt werden kann, ist noch offen.

Ministerin: Müssen Prozess beschleunigen

«Es ist eine gute Nachricht, dass ein Großteil der Gebiete in Baden-Württemberg nach den Untersuchungen der Bundesgesellschaft für Endlagerung höchstwahrscheinlich als Endlager für Atommüll ausscheiden», sagte Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) auf Anfrage. «Wir werden als Landesregierung darauf drängen, den weiteren Prozess zu beschleunigen.» Die Kosten für die Lagerung stiegen sonst weiter.

«Ich setze mich dafür ein, die finalen Optionen streng wissenschaftlich auszuwählen. Das Söder-Manöver, einen Wiedereinstieg in die Atomkraft zu fordern, aber ein Endlager auch in geologisch geeigneten Gebieten Bayerns auszuschließen, ist dagegen komplett verantwortungslos.»

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Castorbehälter sind in Philippsburg angekommen – Atomkraftgegner protestieren vor Ort https://www.die-neue-welle.de/atomkraftgegner-erwarten-heute-den-castor-transport-in-philippsburg-1212290/ Wed, 20 Nov 2024 07:35:25 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1212290 Philippsburg (tk) – Lange wurde der Zug erwartet – am Mittwoch-Nachmittag war es soweit. Der Castor-Transport ins Zwischenlager Philippsburg ist vollbracht: Medienberichten zufolge sind die Castor-Behälter gegen 16 Uhr am Bahnhof Philippsburg angekommen. Ein gutes Dutzend Atomkraftgegner protestierten seit dem Morgen am Bahnhof.

Ein umstrittener Transport

Der Castor-Transport, der über mehrere Tage von La Hague nach Philippsburg fuhr, hat unter den Atomkraftgegnern für Aufsehen gesorgt. Ungeachtet der Route wurde der Transport von mehreren Anti-Atom-Aktivisten begleitet, die sich am Dienstag, ab 9 Uhr, zu einer Mahnwache am Bahnhof versammelt haben.

„Der Transport ist unnötig. Es wäre besser, der Atommüll bliebe noch für einige Jahrzehnte im Abklingbecken in La Hague, wo er sicherer gelagert ist als in den Castoren hier im Zwischenlager“, erklärt Helmut Würth, ein aktiver Atomkraftgegner, der gegen den Transport protestiert. Er bemängelt die unzureichende Planung zur Langzeitlagerung des Atommülls und fordert, dass das Thema „endlich auf wissenschaftlicher Grundlage“ weiter untersucht wird.

Sicherheitsbedenken und ungewisse Zukunft

Der Castor-Transport, der insgesamt vier Castoren mit hochradioaktivem Abfall aus deutschen Kernkraftwerken transportiert, soll bis zu 100 Jahre lang als Langzeitlager dienen. Doch die Frage, wie der hochradioaktive Müll über Jahrzehnte hinweg sicher gelagert werden kann, bleibt offen. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass bis 2050 ein Endlager gefunden werden sollte. Diese Zeitplanung ist mittlerweile jedoch geplatzt.

„Die Castoren wurden für eine Lagerung von maximal 40 Jahren ausgelegt“, erklärt Würth weiter. „Jetzt aber müssen wir mit einem Zeitraum von bis zu 100 Jahren rechnen. Das stellt die Frage, wie sich die hochradioaktiven Brennelemente in den Castoren über so lange Zeit verhalten werden und ob die Castoren in der Lage sind, den Müll später noch zu behandeln, um ihn zu sichern.“

Philippsburg – ein langfristiges Zwischenlager?

Insgesamt vier Castoren sollen in das Atommüll-Zwischenlager auf dem Gelände des ehemaligen AKW Philippsburg. Der hochradioaktive Abfall stammt aus den mittlerweile stillgelegten deutschen Kernkraftwerken. In der Wiederaufbereitungsanlage La Hague werden die Brennstäbe für eine langfristige Lagerung vorbereitet und möglichst sicher verpackt.

Für viele Anti-Atom-Aktivisten wie Helmut Würth ist klar: Die Standortlager, die ursprünglich nur für eine Übergangszeit gedacht waren, werden nun zu einer Art de facto Endlager. „Die sogenannten Standortlager werden mit einer Lagerung von bis zu 100 Jahren de facto zu Langzeitlagern. Diese müssen dringend auf wissenschaftlicher Grundlage untersucht werden“, fordert Würth. „Es ist Zeit, endlich Lösungen zu finden, die langfristig tragfähig sind.“

Trotzdem ist Philippsburg auch bei einer Lagerung von 100 Jahren kein Endlager. Radioaktiver Müll muss sehr lange lagern – die Halbwertszeit von Plutonium-239 liegt zum Beispiel bei rund 24.000 Jahren!

Proteste und Forderungen der Atomkraftgegner

Die Anti-Atom-Bewegung fordert nicht nur eine Überprüfung der Langzeitlagerung des Atommülls, sondern auch das sofortige Stoppen von unnötigen Atommülltransporten. „Unsere Forderung ist ganz klar: Keine weiteren unnötigen Castor-Transporte wie der heute stattfindende“, sagt Würth. „Wir brauchen endlich eine verantwortungsvolle Lösung für die Langzeitlagerung, basierend auf wissenschaftlichen Fakten, nicht auf politisch motivierten Entscheidungen, die später nicht haltbar sind.“

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Castor-Transport nach Philippsburg ist gestartet https://www.die-neue-welle.de/castor-transport-nach-philippsburg-ist-gestartet-1209079/ Tue, 19 Nov 2024 06:42:42 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1209079 Philippsburg (tk) – Der Castor-Transport nach Philippsburg ist unterwegs. Wie französische Medien und Atomkraftgegner mitteilten, sind die Behälter mit dem deutschen Atommüll in der Nacht gestartet. Bis zuletzt war der Termin für den Transport des hochradioaktiven Abfalls ins badische Zwischenlager geheim gehalten worden.

Castoren auf dem Weg

Der Castor-Transport aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins Zwischenlager bei Philippsburg hat sich auf den Weg gemacht. Die Anti-Atomkraft-Organisation „.ausgestrahlt“ kritisiert den Transport als „unnötig und gefährlich“. Den Aktivisten zufolge ist die Zwischenlager-Halle in Philippsburg nicht sicher genug. Sie sei nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze oder panzerbrechende Waffen geschützt.

Vier Castoren mit Atommüll aus den abgeschalteten deutschen Atomkraftwerken war noch in La Hague und muß nun zurück nach Deutschland. Atomkraftgegner hatten ohnehin diese Woche mit dem Transport gerechnet. Nun sei laut französischen Medien einen Straßentransport zum Bahnhof in Valognes. Der Castor-Transport nach Philippsburg dauert mindestens zwei Tage.

Route unbekannt

Die genaue Route ist noch unklar. Der Zug mit der strahlenden Fracht könnte die französisch-deutsche Grenze bei Kehl überqueren oder über Lauterbourg und Wörth fahren. Eine weitere Option wäre die Grenze bei Forbach im Saarland zu überqueren.

Atomkraftgegner haben bereits eine Mahnwache am Zielbahnhof in Philippsburg organisiert.

 

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Castor-Transport nach Philippsburg in dieser Woche erwartet https://www.die-neue-welle.de/castor-transport-nach-philippsburg-in-dieser-woche-erwartet-1207258/ Mon, 18 Nov 2024 07:53:22 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1207258 Atomkraftgegner erwarten in den kommenden Tagen einen Transport von vier Castorbehältern nach Philippsburg. Dort soll der hochradioaktive Abfall ins Zwischenlager kommen. Die Gegner haben eine Dauermahnwache am Bahnhof Philippsburg angemeldet, die nach Abfahrt des Zuges in Frankreich starten soll. Auf castor-stoppen.de ist von einer Mahnwache in der Güterhallenstraße neben dem Bahnhofsgebäude die Rede.

Castoren sollen kommen

Die Abfahrt werde spätestens am Mittwoch erwartet, heißt es auf castor-stoppen.de. Die Fahrt bis zur Grenze dauere rund 15 bis 19 Stunden. Offen sei, ob der Zug über Kehl, Lauterbourg/Wörth oder Forbach/Saarbrücken fahre.

Von offizieller Seite gibt es aus Sicherheitsgründen keine Angaben zum genauen Datum des Transports und zum Streckenverlauf. Ein Zug mit vier speziellen Waggons soll die Castoren nach Philippsburg bringen. Sie enthalten Abfälle, die nach der Wiederaufbereitung von Brennelementen aus deutschen Atomkraftwerken übrig geblieben sind.

Protest formiert sich

Atomkraftgegner hätten eine Dauermahnwache am Bahnhof Philippsburg angemeldet, die nach Abfahrt des Zuges in Frankreich starten solle, heißt es auf der Internetseite antiatom.net. Auf castor-stoppen.de ist von einer Mahnwache in der Güterhallenstraße neben dem Bahnhofsgebäude die Rede.

Um welche Mengen geht es?

In Philippsburg sollen vier mit hochradioaktiven Abfällen beladene Castor-Behälter vom Typ HAW28M (HAW = High Active Waste) eingelagert werden. Die Abfälle wurden bei rund 1.100 Grad mit Silikatglas verschmolzen und in zylindrische Behälter aus Edelstahl gegossen, die man Kokillen nennt. Sie können je rund 400 Kilogramm Glasmasse aufnehmen.

28 Kokillen passen in einen Castor-Behälter. Beladen ist dieser nach Angaben der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH 115 Tonnen schwer – das entspricht demzufolge in etwa dem Eineinhalbfachen des Gewichts eines Flugzeugs vom Typ Airbus A300-600.

Wie werden diese transportiert?

Auf vier speziellen Eisenbahnwagen werden die Castoren von Frankreich in das Zwischenlager Philippsburg gebracht.

Wann ist der Transport geplant?

Aus Sicherheitsgründen haben weder die BGZ noch die EnBW als Betreiber des Kraftwerk-Standorts Philippsburg offizielle Angaben zum Termin, der Dauer des Transports und zum konkreten Streckenverlauf gemacht.

Atomkraftgegner gehen von einer Fahrt im Laufe dieser Woche aus. Die Abfahrt in Frankreich werde spätestens am Mittwoch erwartet, heißt es auf der Internetseite castor-stoppen.de. Die Fahrt bis zur Grenze dauere rund 15 bis 19 Stunden. Offen sei, ob der Zug über Kehl, Lauterbourg/Wörth oder Forbach/Saarbrücken fahre.

Kann er noch gestoppt werden?

Offen war bis vor wenigen Tagen noch eine Klage der Stadt Philippsburg und mehrerer Grundstückseigentümer in der Nähe des Zwischenlagers gegen die Einlagerung. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg lehnte die Eilanträge allerdings ab. Die Behälter dürfen demzufolge bis zur Entscheidung im Hauptsacheverfahren eingelagert werden. Damit würden keine irreversiblen Tatsachen geschaffen, hieß es: Denn eine Auslagerung der Behälter im Fall eines Erfolgs der Klage sei jederzeit möglich. (Az. 10 S 1555/24)

Was planen die Gegner?

Nach Angaben auf der Internetseite antiatom.net haben die Gegner eine Dauermahnwache am Bahnhof Philippsburg angemeldet, die nach Abfahrt des Zuges in Frankreich starten soll. Auf castor-stoppen.de ist von einer Mahnwache in der Güterhallenstraße neben dem Bahnhofsgebäude die Rede.

Warum müssen die Abfälle überhaupt zurückgeführt werden?

Deutschland ist völkerrechtlich und die deutschen Kernkraftwerksbetreiber sind privatrechtlich dazu verpflichtet, die bei der Aufarbeitung entstandenen Abfälle aus den hiesigen Atomkraftwerken (AKW) zurückzunehmen. Darauf wies auch der VGH in seiner Entscheidung hin. «Die Rückführung gehört zu einem verantwortungsvollen Atomausstieg», betonte der Chef der EnBW-Kernkraftsparte, Jörg Michels, bei einem Termin Mitte Oktober.

Gibt es Risiken bei den Castoren?

Die Castor-Behälter HAW28M sind massive Konstruktionen aus Gusseisen und Edelstahl. Die Außenwände haben eine Stärke von rund 40 Zentimetern. Ein Deckelsystem aus massiven Stahl­deckeln als Schutz erfülle höchste Sicherheitsstandards, so dass der radioaktive Inhalt dauerhaft sicher umschlossen sein soll. Die von den Abfällen ausgehende Wärme wird unter anderem über sogenannte Kühlrippen nach außen abgeführt.

Die Behälter haben Fall- und Feuertests bestanden sowie die Explosion eines gefüllten Tank­wagens mit Flüssiggas direkt daneben. Der Behälter sei einige Meter vom Versuchsaufbau entfernt ins Erdreich eingeschlagen, aber dicht geblieben.

Wie sieht es mit radioaktiver Strahlung aus?

Aufsichtsbehörden und unabhängige Gutachtern messen während der Transporte die Strahlung und überwachen, dass Grenzwerte eingehalten werden. Klar definierte staatliche Sicherheitsanforderungen gebe es auch für die Transportmittel sowie für die Durchführung von Beladungen, Umladungen und Einlagerungen, heißt es bei den für den Castor-Transport zuständigen Kernkraftwerksbetreibern. «Die Einhaltung dieser Anforderungen werden ebenfalls von den zuständigen Behörden und ihren Gutachtern unabhängig überwacht.»

Warum werden sie ausgerechnet nach Philippsburg gebracht?

Philippsburg war ab 1979 vier Jahrzehnte Kernkraftstandort. Die beiden dortigen Reaktoren werden seit 2017 beziehungsweise 2020 zurückgebaut. Das Brennelemente-Zwischenlager befindet sich auf dem Betriebsgelände des AKW, das einen Schienenanschluss hat. Seit 2007 ist das Lager in Betrieb und hat Platz für 152 Behälterstellplätze. Zudem liege Philippsburg nahe an der französischen Grenze, erklärte Michels von der EnBW.

Wie viele Castoren sind schon in Philippsburg eingelagert?

102 Plätze sind belegt. Bis auf die vier neuen Behälter sollen aber keine weiteren folgen.

Wie geht es an dem Standort weiter?

Der Rückbau der AKW-Blöcke soll nach EnBW-Angaben jeweils 10 bis 15 Jahre dauern. Die Genehmigung nach dem Atomgesetz für die Aufbewahrung von Kernbrennstoffen im Brennelemente-Zwischenlager Philippsburg ist bis 2047 befristet – 40 Jahre nach der Einlagerung des ersten Behälters. Weil es bislang aber kein Endlager für deutschen hochradioaktiven Atommüll gibt, wird der Standort laut dem Hauptabteilungsleiter Betriebe Südwest bei der BGZ, Wolfgang Arnold, sicherlich noch länger betrieben werden. Eine konkrete Jahreszahl oder Prognose nannte er im Oktober aber nicht.

Ist Philippsburg der einzige Standort?

Atomabfälle aus England sollen auf die staatlichen Brennelemente-Zwischenlager in Biblis (Hessen), Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Isar (Bayern) verteilt werden. Darüber hinaus betreibt die BGZ mehrere Zwischenlager für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle an ehemaligen AKW-Standorten in Deutschland. In Baden-Württemberg zählen dazu Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) und Neckarwestheim (Landkreis Heilbronn).

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Sicherheitsdebatte vor geplantem Castor-Transport nach Philippsburg https://www.die-neue-welle.de/sicherheitsdebatte-vor-geplantem-castor-transport-nach-philippsburg-1146347/ Sat, 19 Oct 2024 07:12:46 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1146347

Philippsburg (dpa/tk) – Bis Ende des Jahres sollen vier Behälter mit radioaktivem Atommüll aus Frankreich nach Philippsburg kommen. Datum und Streckenverlauf sind geheim. Bürgermeister Stefan Martus sorgt sich um die Sicherheit des Zwischenlagers.

Sicherheitslage hat sich verändert

Die geopolitische Sicherheitslage habe sich in den vergangenen Jahren verändert, sagte Stefan Martus (parteilos) der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gehe es um die Sicherung gegen Einwirkungen von außen, sagte der Rathauschef und nannte neue panzerbrechende Waffen als Beispiel. Die EnBW wiederum betont die hohen Sicherheitsstandards bei dem Thema.

Kernkraftsparten-Chef Jörg Michels sagte, bei den Anträgen und der Genehmigung müssten auch neue Möglichkeiten berücksichtigt werden. Konkreter ging er nicht auf eine Frage nach dem Schutz gegen Drohnenangriffe oder moderne Waffen ein.

Bis Jahresende sollen die hochradioaktiven Abfälle von La Hague nach Philippsburg gebracht werden. Sie sind nach der Wiederaufarbeitung von Brennelementen aus deutschen Atomkraftwerken in Frankreich übrig geblieben.

Gerichtsentscheidung im November erwartet

Martus verwies auf einen Eilantrag beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (VGH) gegen Änderungsgenehmigungen zur Einlagerung der Castoren. Die veränderte weltweite Sicherheitslage hätte in Form einer Neugenehmigung stärker berücksichtigt werden müssen, argumentierte er. Änderungsgenehmigungen reichten da nicht aus.

Der VGH will einer Sprecherin zufolge im November über den Antrag entscheiden (Az. 10 S 1555/24). Sollte die Einlagerung in Philippsburg unrechtmäßig genehmigt worden sein, könnte das Folgen für den Transport haben.

Franz Wagner vom atomkritischen Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar geht allerdings davon aus, dass die Klage geringe Erfolgschancen hat. «Der VGH hat bisher fast immer atomfreundlich entschieden», erklärte er. Die Atomkraftgegner wollen am 9. November in Philippsburg und Karlsruhe demonstrieren.

Termin und Strecke bleiben geheim

Die vier Castoren kommen mit der Bahn. Das Datum, der konkrete Streckenverlauf und die Dauer des Transports seien aus Sicherheitsgründen geheim, sagte Michels. «Wir haben eine völkerrechtliche Verpflichtung, wir haben eine privatrechtliche Verpflichtung. Wir müssen die Abfälle zurücknehmen», betonte Michels. Dies sei Teil eines verantwortungsvollen Atomausstiegs.

Die Castor-Behälter seien vielfach getestet und für sicher befunden worden, erklärte der Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH. An deren Sicherheit – etwa dass Radioaktivität austritt – gebe es keinen Zweifel, betonte auch Bürgermeister Martus.

Der Schutz von Menschen und Umwelt stehe an erster Stelle, sagte Michels. Gutachter und Behörden kontrollierten mit Messungen, dass Grenzwerte eingehalten werden. Die Polizei sei für die Sicherung des Transports zuständig.

Bürgermeister mahnt Ende der Endlagersuche an

Der Betrieb des Brennelemente-Zwischenlagers in Philippsburg ist aktuell bis zum Jahr 2047 genehmigt. Da es noch kein Endlager gibt, geht die staatliche BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH laut dem Hauptabteilungsleiter Betriebe Südwest, Wolfgang Arnold, allerdings von einer Verlängerung aus – ohne konkrete Prognose.

Bürgermeister Martus appellierte, dass bald eine Lösung gefunden werden müsse. «Der Prozess darf nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag geschoben werden, wir müssen endlich ein Endlager finden», sagte er. «Das Ganze bis zum Tag X zwischenzulagern kann nicht der richtige Ansatz sein.»

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Es sollen wieder Castoren nach Philippsburg kommen https://www.die-neue-welle.de/es-sollen-wieder-castoren-nach-philippsburg-kommen-1142924/ Thu, 17 Oct 2024 05:57:39 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1142924

Philippsburg (dpa/tk) – Nach dem Atomausstieg geht es um die Frage: Wohin mit dem Abfall? Bis es ein Endlager gibt, wird der Müll zwischengelagert, unter anderem in Philippsburg. Doch noch ist dort nicht alles angekommen.

Neue Castoren für Philippsburg

In deutschen Atomkraftwerken verbrauchte Brennelemente sind über Jahre in England und Frankreich wiederaufbereitet worden. Bis Ende dieses Jahres sollen die letzten dabei nicht-verwertbaren radioaktiven Atomabfälle aus Frankreich im staatlichen Zwischenlager in Philippsburg bei Karlsruhe eingelagert werden. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum geplanten Castor-Transport:

Um welche Mengen geht es?

Vier mit hochradioaktiven Abfällen beladene Castor-Behälter vom Typ HAW28M (HAW = High Active Waste) sollen nach Philippsburg. Die Abfälle werden bei rund 1.100 Grad mit Silikatglas verschmolzen und in zylindrische Behälter aus Edelstahl gegossen, die man Kokillen nennt. Sie können je rund 400 Kilogramm Glasmasse aufnehmen. In einen Castor-Behälter passen 28 Kokillen. Diese sind an sich schon mehr als 100 Tonnen schwer, beladen 115 Tonnen. Das ist in etwa das Eineinhalbfache des Gewichts eines Flugzeugs vom Typ Airbus A300-600.

Wie werden diese transportiert?

Die Castoren sollen jeweils mit einem Eisenbahnwagen vom französischen La Hague in das Zwischenlager Philippsburg gebracht werden. Der Zeitpunkt des Transports wird aus Sicherheitsgründen geheim gehalten.

Kann er noch gestoppt werden?

Beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg liegt ein Eilantrag aus Philippsburg (Az. 10 S 1555/24). Dieser richtet sich laut Bürgermeister Stefan Martus (parteilos) gegen die Änderungsgenehmigungen zur Einlagerung der Castoren. Aus seiner Sicht hätte die in den vergangenen Jahren verschärfte geopolitische Sicherheitslage mehr berücksichtigt werden müssen – und zwar in Form einer Neugenehmigung.

Der VGH will im Laufe des Novembers entscheiden. Sollte die Einlagerung in Philippsburg unrechtmäßig genehmigt worden sein, könnte das Folgen für den Transport haben. Jedoch sieht Franz Wagner vom Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar wenig Erfolgschancen für die Klage. «Der VGH hat bisher fast immer atomfreundlich entschieden.»

Wird es Proteste geben?

Atomkraft-Gegner haben für den 9. November zu Kundgebungen in Karlsruhe und Philippsburg aufgerufen – samt Anti-Atom-Protestfahrt vom Karlsruher Hauptbahnhof nach Philippsburg. Sollte ein Termin für den Castor-Transport doch durchsickern, ist mit weiteren Demonstrationen zu rechnen.

Gibt es Risiken bei den Castoren?

Die Castor-Behälter HAW28M sind massive Konstruktionen aus Gusseisen und Edelstahl. Die Außenwände haben eine Stärke von rund 40 Zentimetern. Ein Deckelsystem aus massiven Stahl­deckeln als Schutz erfülle höchste Sicherheitsstandards, so dass der radioaktive Inhalt dauerhaft sicher umschlossen sein soll. Die von den Abfällen ausgehende Wärme wird unter anderem über sogenannte Kühlrippen nach außen abgeführt.

Die Behälter haben Fall- und Feuertests bestanden sowie die Explosion eines gefüllten Tank­wagens mit Flüssiggas direkt daneben. Der Behälter sei einige Meter vom Versuchsaufbau entfernt ins Erdreich eingeschlagen, aber dicht geblieben.

Wie sieht es mit radioaktiver Strahlung aus?

Aufsichtsbehörden und unabhängige Gutachtern messen während der Transporte die Strahlung und überwachen, dass Grenzwerte eingehalten werden. Klar definierte staatliche Sicherheitsanforderungen gebe es auch für die Transportmittel sowie für die Durchführung von Beladungen, Umladungen und Einlagerungen, heißt es bei den für den Castor-Transport zuständigen Kernkraftwerksbetreibern. «Die Einhaltung dieser Anforderungen werden ebenfalls von den zuständigen Behörden und ihren Gutachtern unabhängig überwacht.»

Warum ausgerechnet nach Philippsburg?

Philippsburg war ab 1979 vier Jahrzehnte Kernkraftstandort. Die beiden Reaktoren werden seit 2017 beziehungsweise 2020 zurückgebaut. Das Brennelemente-Zwischenlager befindet sich auf dem Betriebsgelände des AKW. Es ist seit 2007 in Betrieb und hat Platz für 152 Behälterstellplätze. Verantwortlich ist die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH. 102 Plätze sind schon belegt.

Ist Philippsburg der einzige Standort?

Atomabfälle aus England sollen auf die staatlichen Brennelemente-Zwischenlager in Biblis (Hessen), Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Isar (Bayern) verteilt werden. Darüber hinaus betreibt die BGZ mehrere Zwischenlager für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle an ehemaligen AKW-Standorten in Deutschland. In Baden-Württemberg zählen dazu Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) und Neckarwestheim (Landkreis Heilbronn).

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