Lehrkräfte – die neue welle https://www.die-neue-welle.de Immer deine Lieblingsmusik. Fri, 05 Dec 2025 15:04:26 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Schüler und Eltern demonstrieren in Karlsruhe gegen neuen Wehrdienst https://www.die-neue-welle.de/schueler-und-eltern-demonstrieren-in-karlsruhe-gegen-neuen-wehrdienst-1822685/ Fri, 05 Dec 2025 15:04:44 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1822685 Karlsruhe (dk) – In ganz Deutschland sind heute Kinder und Jugendliche für einen „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ auf die Straße gegangen – auch in Karlsruhe. Rund um das Bundesverfassungsgericht haben sich viele Schülerinnen und Schüler versammelt, um gegen die Wehrdienst-Pläne der schwarz-roten Koalition zu protestieren. Im Fokus ihrer Kritik stehen die geplante Musterung aller 18-jährigen Männer und die Sorge, selbst betroffen zu sein.

„Die Jugend hat keine Lust, im Krieg zu sterben“

Viele der jungen Leute kamen direkt aus der Schule oder sind bewusst nicht zum Unterricht gegangen. Ein Jugendlicher sagt: „Mir ist es wichtig, hier zu sein, weil wir einfach zeigen können, mit den ganzen anderen Jugendlichen oder Heranwachsenden, die hier sind, dass wir viele sind und dass die Jugend keine Lust hat, im Krieg zu sterben.“ Er spricht offen über ihre Angst: „Ich würde sagen, ich habe schon Angst. Ich finde das schlimm, vor allem, weil diese Kriege, die dann geführt werden, sind nicht unsere Kriege.“

Angst vor Musterung – auch Jahrgang 2008 schaut genau hin

Viele Demonstrierende in Karlsruhe gehören genau zu den Jahrgängen, die von den Plänen betroffen wären. Ein Schüler, der sich nach eigenen Worten auch privat betroffen fühlt, sagt: „Ich bin selber 2008-Jahrgang und dementsprechend besteht für mich auch womöglich die Option, dass ich den Wehrdienst eingezogen werde nach der Musterung.“ Er sieht sich auch als Stimme der Karlsruher Schülerschaft: „In erster Rolle vertrete ich hier die ganzen Schülerinnen und Schüler aus Karlsruhe. Ja, und da ist es wichtig, dass wir auch Haltung und Stellung zeigen.“

Eine anderer Demo-Teilnehmer, der schon volljährig ist, will sich mit den Jüngeren solidarisieren: „Ich bin persönlich über 18, aber ich bin trotzdem gegen die Wehrpflicht und ich finde das trotzdem nicht gut, dass unsere Regierung dafür plädiert, Leute ab Jahrgang 2008 zu mustern. Ich finde, das ist nicht okay. (…) Ich will nicht in den Krieg gehen. Ich will nicht. Ich will nicht sterben. Also, ich will auch nicht, dass andere Leute aus meiner Generation sterben müssen.“

Eltern: „Mein Kind soll nicht an der Waffe dienen müssen“

Nicht nur Jugendliche, auch Eltern waren am Vormittag vor Ort. Eine Mutter mit 15-jährigen Zwillingen formuliert ihre Sorge sehr deutlich: „Mir ist es wichtig, dabei zu sein, um Farbe zu bekennen, gegen Krieg, gegen Gewalt. Und ich bin dagegen, dass junge Menschen ihr Leben verwirken an der Front, womit sie überhaupt nichts zu tun haben, und zwar gegen ihren Willen. Ich finde es total scheiße.“

Lehrkräfte zwischen Sorge und Unterstützung

Unter den Teilnehmenden in Karlsruhe sind auch Lehrerinnen und Lehrer. Eine Lehrkraft berichtet, dass sogar eigene Schülerinnen und Schüler mitdemonstrieren: „Also erstens ist eines der Leitbilder unserer Schule in Frieden leben und das möchte ich auch weiterhin vertreten.“ Sie sorgt sich um die Jugendlichen, die sie unterrichtet: „Wir haben sehr viele Geflüchtete bei uns in der Schule, die sind vor Krieg und Grausamkeit geflüchtet. Ich will sie da nicht wieder reinzwingen. Ich habe letztendlich auch Angst um ihre Moral, um das, was wir ihnen die ganze Zeit beibringen.“

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Immer mehr Lehrkräfte quittieren in Baden-Württemberg ihren Dienst https://www.die-neue-welle.de/immer-mehr-lehrkraefte-quittieren-in-baden-wuerttemberg-ihren-dienst-1175333/ Thu, 31 Oct 2024 06:59:09 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1175333

Stuttgart (dpa/tk) – «Vormittags Recht, nachmittags frei» – so lautet ein Vorurteil über Lehrer, die in Wahrheit oft einen stressigen Job haben. Den haben in den vergangenen Jahren immer mehr gekündigt. Das geht aus einer Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Landtag hervor.

Immer mehr Lehrer kündigen

Demnach kündigten im vergangenen Jahr 470 Lehrerinnen und Lehrer ihren Arbeitsvertrag oder baten um die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis – rund 20 Prozent mehr als noch 2022. Damals kündigten dem Kultusministerium zufolge 391 Lehrkräfte. In diesem Jahr reichten demnach bis Anfang Oktober 434 Lehrerinnen und Lehrer eine Kündigung ein.

Zahl fast vervierfacht

Im Vergleich zu vor zehn Jahren hat sich die Zahl der Kündigungen sogar fast vervierfacht: 2013 baten der Auswertung zufolge 123 Lehrkräfte um ein Ende ihres Vertrags. Insgesamt unterrichteten an den Schulen in Baden-Württemberg im Schuljahr 2023/2024 laut Statistischem Landesamt rund 100.000 Lehrerinnen und Lehrer.

Einen Grund für die Kündigung müssen Lehrkräfte dem Ministerium zufolge nicht angeben. Eine systematische Erhebung der Ursachen gebe es deswegen nicht. «Die Gründe können vielfältig sein», schreibt das Ministerium in seiner Antwort auf die FDP-Anfrage. So käme neben einer beruflichen Umorientierung auch ein Umzug infrage, etwa wenn die Tätigkeit des Partners oder der Partnerin nicht in Baden-Württemberg liege.

Grund ist Überlastung

Der FDP-Bildungsexperte Timm Kern, der die Zahlen beim Kultusministerium abgefragt hatte, sprach von einem «Alarmsignal». Die Gründe für den Anstieg der Kündigungen lägen auf der Hand, so Kern: immer mehr Bürokratie, neue Bildungsprojekte, immer weniger Wertschätzung und immer weniger Lehrer auf immer mehr Schüler.

«Dabei höre ich häufig von Fällen, in welchen Lehrkräfte ihren so wertvollen Dienst trotz aller Umstände mit ganzem Herzen weiter leisten. Und das eben zu oft so lange, bis es nicht mehr geht – bis die Mehrbelastungen zu viele Lehrkräfte an den Rand des psychisch Leistbaren bringen», sagte Kern. Immer häufiger erkrankten Lehrkräfte psychisch und sähen dann keinen anderen Ausweg als ihre Entlassung zu beantragen.

FDP fordert Präventionskonzept

Aus Sicht von Kern nimmt das Kultusministerium die Probleme nicht ernst genug. «Trotz der Kenntnis des Kultusministeriums über die steigenden Entlassungszahlen sieht dieses keinen Handlungsbedarf», sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion. Dabei könne Ministerin Theresa Schopper (Grüne) durchaus handeln und unter anderem ein Konzept zur Prävention von und zum Umgang bei psychischen Erkrankungen von Lehrkräften vorlegen, forderte Kern.

Vor einer Kündigung gebe es immer auch Bemühungen, die Lehrkräfte zu halten, betonte das Ministerium. So versuchten etwa Schulleitungen oder Personalvertretungen vor Ort Lösungen zu finden, um den Lehrkräften zu ermöglichen, weiterhin im Dienst zu bleiben.

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