Lasius neglectus – die neue welle https://www.die-neue-welle.de Immer deine Lieblingsmusik. Wed, 13 May 2026 13:57:27 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 So bekämpft die Stadt Karlsruhe die invasiven Ameisen https://www.die-neue-welle.de/so-bekaempft-die-stadt-karlsruhe-die-invasiven-ameisen-1899063/ Wed, 13 May 2026 13:57:27 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1899063 Karlsruhe (dk) – Sie sind klein, aber für viele Menschen in Karlsruhe längst ein großes Problem: invasive Ameisen. Vor allem in Neureut ist der Befall stark. Jetzt beginnt die Stadt intensiver mit der Bekämpfung – unter anderem mit einem Heißwasserdampfgerät, das die Ameisen direkt im Boden abtöten soll. Vorgeführt wurde das Gerät in Neureut, in der größten Ameisenkolonie, die es laut Stadt derzeit in Karlsruhe gibt.

Heißer Dampf gegen die Ameisen im Boden

Karen Eßrich ist städtische Koordinatorin zur Bekämpfung der Ameise. Sie erklärt, was bei der Vorführung in Neureut gemacht wurde:

„Dieses Heißwasser-Dampfgerät erzeugt sehr heißes Wasser bzw. Dampf. Ungefähr 130 Grad heiß. Und dieses Heißwasser wird dann in den Boden eingebracht zur Tötung der Ameise. Der Wasserdampf kann natürlich sehr weit auch in den Erdboden dringen und tatsächlich auch das gesamte Nest erfassen, sodass wir hoffen, dass dann die Ameise auch zumindest an dieser Stelle hier besiegt ist.“

Das Ziel ist also, die Nester möglichst tief und vollständig zu erreichen. Gerade bei großen Kolonien ist das wichtig, weil sich die Ameisen über größere Flächen ausbreiten können.

Erfahrungen aus Kehl haben überzeugt

Die Stadt Karlsruhe hat sich nach ersten Erfahrungen mit einem solchen Gerät für den Einsatz entschieden. Karen Eßrich berichtet, dass sie Eindrücke aus Kehl mitgenommen hat:

„Die ersten Erfahrungen mit diesem Gerät, was jetzt die Stadt Karlsruhe beschafft hat, konnten wir in Kehl sammeln. Da ist ein Heißwassergerät in Betrieb und bei einem Praxisworkshop wurden da verschiedene Geräte ausprobiert. Und da hat mich dieses Gerät sehr überzeugt.“

In Neureut wird die Bekämpfung mehrere Jahre dauern

Auch wenn das Gerät laut Eßrich bei der Tötung der Ameisen effizient ist, wird das Problem nicht sofort verschwinden. Besonders in Neureut ist der Befall groß.

„Also in der Tötung der Ameise ist dieses Gerät sehr effizient. Es dauert natürlich seine Zeit. Von daher sage ich auch hier in Neureut werden wir sicherlich mehrere Jahre brauchen, um einigermaßen Erfolg zu haben. Wir hoffen natürlich, dass nach einem Jahr die Bürgerinnen und Bürger schon erträglicher leben können mit den Ameisen. Aber von einer Auslöschung werden wir noch nicht sprechen können. Aber in den kleineren Gebieten schaffen wir es auf alle Fälle, an einem halben Tag dann auch die Fläche zu bekämpfen, die befallen ist. “

In Karlsruhe sind aktuell acht Stadtteile betroffen. Besonders stark ist die Lage in der Oststadt und in Neureut. Dort ist laut Eßrich von einer sogenannten Superkolonie die Rede.

Alltag für Anwohner stark belastet

Für die Menschen in den betroffenen Gebieten ist der Befall nicht nur lästig. Viele müssen im Alltag dauerhaft gegen die Ameisen vorgehen. Eßrich schildert die Situation so:

„Ja, die Anwohner, die jetzt hier wirklich schon seit Jahren unter der Ameise leiden, die berichten hier tatsächlich, dass sie mit den Nerven am Ende sind. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, einfach weil die Ameise in einer solchen Vielfalt auftritt, dass man auch während des Sommers und und Frühlings des Warmen wirklich tagtäglich bekämpfen muss, damit sie nicht ins Haus dringt. Und auch Gärten sind wenig nutzbar, weil sie da auch in einer Vielzahl auftritt, so dass man sich gar nicht in den Garten setzen mag, weil die Ameise einfach da präsent ist. Also das kann einem sehr auf die Nerven gehen, das kann ich sehr gut verstehen.“

Warum die invasiven Ameisen problematisch sind

In der Region breiten sich unter anderem die Arten Tapinoma magnum und Lasius neglectus aus. Sie vermehren sich schnell und bilden große zusammenhängende Kolonien. Anders als heimische Ameisen können in diesen Verbünden mehrere Königinnen leben. Dadurch wachsen die Kolonien weiter zusammen.

Die Tiere können außerdem Infrastruktur beschädigen. Sie nisten sich in Mauern ein, unterhöhlen Gehwege, Gleise und Bahnsteige. Auch Stromverteilerkästen können betroffen sein, weil die Ameisen warme Orte aufsuchen. Durch eingetragenes Material und Feuchtigkeit kann es dort zu Störungen kommen.

So könnt Ihr vorbeugen

Ein wichtiger Weg, die Ausbreitung zu bremsen, ist Aufmerksamkeit beim Pflanzenkauf. Karen Eßrich rät:

„Um sich die Ameise nicht ins Haus zu holen, reicht eigentlich ein ganz einfacher Tipp: Sie müssen einfach darauf achten, welche Pflanzen Sie sich in Ihren Garten einpflanzen. Sie sollten wirklich darauf achten, in Pflanzenverkaufsstellen, dass Pflanzen nicht befallen sind von Ameisen. Wenn das der Fall ist, kommt die Ameise auch nicht zu Ihnen ins Haus. Das ist die beste Prävention, die tatsächlich auch jeder machen kann.“

Auffällig sind bei den invasiven Ameisen vor allem große Mengen, lange Ameisenstraßen und eine hohe Aktivität über den Tag. Bei Tapinoma magnum kommt laut Eßrich noch ein besonderer Geruch dazu:

„Wenn man eine Ameise erwischt und in den Fingern zerreibt, dann hat sie einen sehr eigentümlichen Geruch. Sie riecht ein bisschen nach Eukalyptus, Pfefferminz, Gummibärchen. Also so ein Geruch kennt man nicht und dadurch weiß man relativ gut, dass es die Tapinoma Magnum ist“.

]]>
Invasive Ameisen in der Region: Problem wächst weiter https://www.die-neue-welle.de/invasive-ameisen-in-der-region-problem-waechst-weiter-1886679/ Wed, 22 Apr 2026 02:10:08 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1886679 Karlsruhe (dk) – Sie sind unscheinbar, aber können massive Schäden verursachen: In der Region breiten sich invasive Ameisenarten zunehmend aus. Besonders Tapinoma magnum und Lasius neglectus stellen Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen – auch in Karlsruhe ist die Lage bereits ernst.

Ganze Stadtteile betroffen

Aktuell gibt es in Karlsruhe acht betroffene Stadtteile, berichtet Karen Eßrich, die sich bei der Stadt um die Meldung, Bekämpfung und Prävention invasiver Arten kümmert. Besonders stark betroffen sind die Oststadt und Neureut.

Dort habe sich die Lage deutlich zugespitzt. „Da sprechen wir dann auch von einer Superkolonie.“ In solchen Fällen sind riesige zusammenhängende Ameisenpopulationen entstanden, die sich kaum noch klar voneinander trennen lassen.

In anderen Stadtteilen sei die Situation noch überschaubarer. Dort beschränke sich der Befall bislang auf einzelne Straßenzüge, was die Hoffnung lässt, die Ausbreitung noch eindämmen zu können.

Warum diese Ameisen so gefährlich sind

Die beiden Arten Tapinoma magnum und Lasius neglectus gelten als besonders problematisch, weil sie sich schnell vermehren und ungewöhnlich organisiert sind. Im Gegensatz zu heimischen Ameisen akzeptieren sie mehrere Königinnen innerhalb eines Verbundes.

Eßrich erklärt, dass genau das ihre Ausbreitung beschleunigt: Je mehr Königinnen und Arbeiterinnen vorhanden sind, desto stabiler und größer wird das Netzwerk. Klassische Revierkämpfe zwischen Ameisenvölkern bleiben aus – stattdessen wachsen die Kolonien immer weiter zusammen.

Schäden an Straßen, Gleisen und Stromkästen

Die Folgen sind im Alltag deutlich spürbar. Die Ameisen nisten sich unter anderem in Mauern ein und unterhöhlen wichtige Infrastruktur.

„Sie unterhöhlen Gehwege, sie unterhöhlen Gleise, sie unterhöhlen Bahnsteige.“

Das kann dazu führen, dass Wege absacken, Stolperfallen entstehen oder größere Schäden auftreten, die aufwendig repariert werden müssen. Auch technische Anlagen sind betroffen, da die Tiere gezielt warme Orte aufsuchen.

So gelangen sie häufig in Stromverteilerkästen. Durch eingetragenes Material und Feuchtigkeit kann es dort zu Störungen kommen – im schlimmsten Fall sogar zu Kurzschlüssen. Eßrich beschreibt, dass genau diese Kombination aus Nestbau und Feuchtigkeit problematisch ist.

In stark betroffenen Gebieten hat das auch Auswirkungen auf den Alltag der Menschen: Grünanlagen oder Spielplätze können zeitweise nicht mehr genutzt werden.

Erste Bekämpfungsmaßnahmen starten jetzt

Bisher hat die Stadt noch keine umfassenden Maßnahmen umgesetzt, doch das ändert sich nun. In Neureut soll zeitnah mit der Bekämpfung begonnen werden – zunächst in Innenräumen.

Geplant ist der Einsatz von Fraßgel, das von den Ameisen in ihre Nester getragen wird. „Dort werden wir Biozide, also Fraßgel, auslegen, dass die Ameisen in den Bau tragen und dann eben dort auch getötet werden.“

Zusätzlich sollen Nester mit Heißwasserdampf behandelt werden, um die Population weiter zu reduzieren.

Woran man die Ameisen erkennt

Die invasiven Arten treten häufig in sehr großen Mengen auf. Auffällig sind lange Ameisenstraßen und eine hohe Aktivität über den ganzen Tag hinweg. Außerdem breiten sie sich schnell über größere Flächen aus – oft über mehrere Grundstücke hinweg.

Ein wichtiges Erkennungszeichen ist auch die Größe – im Gegensatz zu unseren heimischen Ameisen sind die einzelnen Tiere in den Völkern unterschiedlich groß. Außerdem haben sie einen prägnanten Geruch: „Wenn man eine Ameise erwischt und in den Fingern zerreibt, dann hat sie einen sehr eigentümlichen Geruch. Sie riecht ein bisschen nach Eukalyptus, Pfefferminz, Gummibärchen. Also so ein Geruch kennt man nicht und dadurch weiß man relativ gut, dass es die Tapinoma Magnum ist“.

]]>
Tapinoma-Ameisen weiter verbreitet als gedacht – rund 50 Gemeinden im Südwesten betroffen https://www.die-neue-welle.de/tapinoma-ameisen-weiter-verbreitet-als-gedacht-rund-50-gemeinden-im-suedwesten-betroffen-1745722/ Tue, 07 Oct 2025 07:52:01 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1745722 Millionenfach breiten sich Ameisen der eingeschleppten Art Tapinoma magnum in Baden-Württemberg aus. Sie fressen sich durch Strom- und Internetkabel, und dringen in Autos, Spülmaschinen oder Kinderzimmer vor. Was tun?

Invasive Ameisenart

In bislang rund 50 Städten und Gemeinden im Südwesten sind teils auffallend große Kolonien nachgewiesen – das sind deutlich mehr als bislang bekannt waren, wie aus einer Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht. Und die Landesregierung rechnet fest damit, dass sich die Ameisenart noch stärker ausbreiten wird.

Besonders oft wurde die Ameise im Raum Stuttgart entdeckt – etwa in Hessigheim (Kreis Ludwigsburg), Remseck und Nürtingen. Laut Umweltministerium könnte dies auch an der verstärkten Öffentlichkeitsarbeit der vergangenen Monate liegen. Zahlreiche Betroffene berichteten, sie hätten die Tiere schon seit Jahren beobachtet.

Auch zweite Ameisenart breitet sich aus

Jüngst machte zudem eine weitere fremde Art Schlagzeilen: Im Karlsruher Stadtteil Knielingen wurden zahlreiche Exemplare der bisher dort nicht nachgewiesenen Lasius neglectus (Vergessene Wegameise) gefunden. Anwohner klagten seit Jahren über wiederkehrende Ameiseninvasionen auf Terrassen, Straßen, Bäumen und Mülleimern – ohne zu wissen, dass es sich um diese Art handelt.

Im Südwesten war die Wegameise erstmals 2017 in Ludwigsburg entdeckt worden, später auch in Bad Säckingen und Wehr (beide Kreis Waldshut). «Diese Art kann ähnlich große Superkolonien wie Tapinoma magnum bilden, ist ebenso lästig, belastend und schwer zu bekämpfen», teilte das Umweltministerium mit. Grundsätzlich könnten auch künftig weitere gebietsfremde Arten eingeschleppt werden, die ähnliche Probleme bereiten.

Die Naturkundemuseen in Stuttgart und Karlsruhe haben ein Forschungsprojekt zu Tapinoma magnum gestartet. Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, bei verdächtigen Funden die Projektwebsite zu besuchen. Dort finden sich Bestimmungshilfen – für Laien allerdings schwer nutzbar, da in Deutschland mehr als 120 Ameisenarten vorkommen. Alternativ kann ein Foto eingesandt werden.

So erkennt ihr Tapinoma

Auf Deutsch heißt die Tapinoma magnum Große Drüsenameise. Trotz ihres Namens ist diese schwarze Ameise klein, meist nur zwei bis vier Millimeter. Bei Bedrohung sondert sie einen intensiven Duftstoff ab. Typisch für diese Art sind breite Ameisenstraßen und auffällige Sand- oder Erdhügel um die Nesteingänge. Wird ein Nest gestört, erscheinen schlagartig Hunderte Tiere.

Schwierige Bekämpfung

Fachleute halten die Bekämpfung der eingeschleppten Arten für aufwendig. Die Superkolonien bestehen aus Hunderttausenden bis Millionen Tieren. Das Projekt rät Privatpersonen vom Einsatz von Insektiziden ab: Diese beseitigen meist keine vollständigen Kolonien und können in Innenräumen gesundheitsschädlich sein.

Betroffene sollten stattdessen ihre Gemeinde informieren. Manche Kommunen wie Kehl setzen bereits Heißwassergeräte zur Bekämpfung ein. In Zürich konnte eine neue Kolonie mit unterschiedlichen Insektiziden erfolgreich beseitigt werden.

Je früher, desto besser

Welche Methode geeignet ist, hängt laut Umweltministerium von Größe, Lage und Umgebung der Kolonie ab. Entscheidend ist schnelles Handeln: «Der frühzeitige Maßnahmenbeginn bestimmt maßgeblich die Erfolgsaussichten für die Auslöschung einer Kolonie», heißt es in der Drucksache. Dazu sei eine rasche Identifikation der Art notwendig.

Das Forschungsprojekt mahnt zugleich, Ameisen nicht pauschal als Schädlinge zu betrachten. «Ohne Ameisen würden sich viele unserer Ökosysteme stark verändern», betonen die Forschenden.

]]>
Ameisenplage in Karlsruhe – Stadt lädt zur Infoveranstaltung ein https://www.die-neue-welle.de/zwei-invasive-ameisenarten-breiten-sich-in-der-region-aus-das-muesst-ihr-wissen-2-1625272/ Wed, 30 Jul 2025 05:25:18 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1625272 Region (pm/dk) – In der Region breiten sich derzeit zwei invasive Ameisenarten rasant aus und sorgen bei vielen Menschen für Fragen und Sorgen. Gerade die Anwohner in Karlsruhe-Knielingen können ein Lied davon singen. Jetzt nimmt sich auch die Stadt dem Thema an – eine Informationsveranstaltung mit Ameisen-Experte Manfred Verhaagh soll helfen.

Informationsveranstaltung zur invasiven Ameisenart Tapinoma magnum

Am Mittwoch, 30. Juli 2025, um 18 Uhr lädt die Stadtverwaltung alle interessierten und betroffenen Bürgerinnen und Bürger zu einer Informationsveranstaltung zur invasiven Ameisenart Tapinoma magnum in den Bürgersaal des Rathauses am Marktplatz ein. Nach einer Begrüßung durch Bürgermeisterin Bettina Lisbach wird Diplom-Biologe Dr. Manfred Verhaagh, früherer Leiter der Insektenkunde und seit 2025 ehrenamtlicher Mitarbeiter des Naturkundemuseums Karlsruhe, über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Biologie und Ausbreitung von Tapinoma magnum berichten. Er wird zudem Methoden zur Bekämpfung und Prävention vorstellen sowie über das Forschungsprojekt zur Tapinoma magnum berichten.

Anschließend informiert die Stadtverwaltung über die rechtlichen Grundlagen sowie über geplante Maßnahmen gegen die Ameisenart. Im Anschluss haben die Anwesenden Gelegenheit, Fragen zu stellen und Anregungen einzubringen.

Um welche Ameisenarten geht es?

In Karlsruhe machen sich aktuell aber gleich zwei Arten breit. Laut Manfred Verhaag handelt es sich um zwei gebietsfremde Arten: die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) und die Vernachlässigte Wegameise (Lasius neglectus).

Woher stammen diese Ameisen und warum sind sie problematisch?

Beide Arten stammen ursprünglich aus südlicheren Regionen. Die Drüsenameise kommt aus dem westlichen Mittelmeerraum, die Wegameise aus dem Schwarzmeergebiet. Das Problem: „Sie stammen also nicht von hier. Das ist sowieso schon immer eine mögliche Problemstellung, weil sie dann eben aus anderen Ökosystemen kommen und hier also praktisch erst mal möglicherweise keine Feinde haben“, so Verhaagh. Diese Ameisen bilden große sogenannte Superkolonien, die sich über Jahre hinweg ausbreiten können.

Wie groß können diese Kolonien werden?

„Für Tapinoma magnum sind Ausbreitungsgrößen von mehreren Hektar. Das geht in der Literatur bis zu 20 Hektar“, sagt Verhaagh. Diese Kolonien können mehrere Millionen Tiere und Tausende Königinnen umfassen und sich über Straßenzüge hinweg ausbreiten.

Sind die Ameisen für den Menschen gefährlich?

„Das ist jetzt nicht so wie zum Beispiel die Asiatische Hornisse, dass die also stechen könnte und Menschen dann am allergischen Schock sterben. Das gibt es also bei diesen Ameisen nicht, die können beide nicht stechen“, beruhigt Verhaagh. Allerdings sind sie sehr bissig, was bei Massenauftreten durchaus unangenehm werden kann.

Wo in Karlsruhe sind sie besonders aktiv?

Besonders betroffen ist aktuell der Stadtteil Knielingen. „In Knielingen geht es nach meiner ersten Besichtigung schon über drei Straßenzüge, dass sich diese Kolonie ausgebreitet hat“, berichtet Verhaagh. Hier dringen die Ameisen auch in Privatgärten und Häuser ein.

Ist Karlsruhe ein Einzelfall?

Nein. „Inzwischen sind wir bei ungefähr 40 Kommunen angekommen“, so Verhaagh über die Verbreitung in Baden-Württemberg. Auch in Rheinland-Pfalz, Hessen, bis nach Hamburg und Dresden wurden bereits Vorkommen nachgewiesen.

Was kann man gegen die Ameisen tun?

Die Bekämpfung ist schwierig. „Es bieten sich eben zwei Möglichkeiten an derzeit: Das eine ist eben Bekämpfung mit heißem Wasser, wo also mit mobilen Heißwassererzeugern dann im Boden solche Nester aufgesucht werden… Oder die andere Möglichkeit ist, mit chemischen Substanzen […]. Und zusätzlich muss man dann noch mit sogenannten Fraßködern arbeiten“, erklärt Verhaagh. Entscheidend ist eine Zusammenarbeit von Kommunen und Privatleuten, da die Kolonien sich über Grundstücksgrenzen hinweg erstrecken.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

„Meines Erachtens eher eine etwas untergeordnete oder indirekte Rolle“, sagt Verhaagh. Die milden Winter helfen den Ameisen jedoch beim Überleben. Auch der Import mediterraner Pflanzen spielt eine große Rolle bei ihrer Verbreitung. „Beim Kauf von mediterranen Pflanzen ist darauf zu achten, ob da in den Töpfen sich irgendwelche Ameisen tummeln oder nicht“, rät Verhaagh. Sowohl Verkäufer als auch Käufer seien hier in der Verantwortung.

]]>
Zwei invasive Ameisenarten breiten sich in der Region aus: Das müsst ihr wissen! https://www.die-neue-welle.de/zwei-invasive-ameisenarten-breiten-sich-in-der-region-aus-das-muesst-ihr-wissen-1593511/ Fri, 18 Jul 2025 03:51:12 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1593511 Region (dk) – In der Region breiten sich derzeit zwei invasive Ameisenarten rasant aus und sorgen bei vielen Menschen für Fragen und Sorgen. Gerade die Anwohner in Karlsruhe-Knielingen können ein Lied davon singen. Der Ameisen-Experte Manfred Verhaagh vom Naturkundemuseum Karlsruhe erklärt, um welche Arten es geht, warum sie problematisch sind und was betroffene Anwohner tun können.

Um welche Ameisenarten geht es?

Laut Manfred Verhaagh, ehemaliger Leiter der Entomologie am Naturkundemuseum Karlsruhe und heute ehrenamtlicher Mitarbeiter, handelt es sich um zwei gebietsfremde Arten: die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) und die Vernachlässigte Wegameise (Lasius neglectus).

Woher stammen diese Ameisen und warum sind sie problematisch?

Beide Arten stammen ursprünglich aus südlicheren Regionen. Die Drüsenameise kommt aus dem westlichen Mittelmeerraum, die Wegameise aus dem Schwarzmeergebiet. Das Problem: „Sie stammen also nicht von hier. Das ist sowieso schon immer eine mögliche Problemstellung, weil sie dann eben aus anderen Ökosystemen kommen und hier also praktisch erst mal möglicherweise keine Feinde haben“, so Verhaagh. Diese Ameisen bilden große sogenannte Superkolonien, die sich über Jahre hinweg ausbreiten können.

Wie groß können diese Kolonien werden?

„Für Tapinoma magnum sind Ausbreitungsgrößen von mehreren Hektar. Das geht in der Literatur bis zu 20 Hektar“, sagt Verhaagh. Diese Kolonien können mehrere Millionen Tiere und Tausende Königinnen umfassen und sich über Straßenzüge hinweg ausbreiten.

Sind die Ameisen für den Menschen gefährlich?

„Das ist jetzt nicht so wie zum Beispiel die Asiatische Hornisse, dass die also stechen könnte und Menschen dann am allergischen Schock sterben. Das gibt es also bei diesen Ameisen nicht, die können beide nicht stechen“, beruhigt Verhaagh. Allerdings sind sie sehr bissig, was bei Massenauftreten durchaus unangenehm werden kann.

Wo in Karlsruhe sind sie besonders aktiv?

Besonders betroffen ist aktuell der Stadtteil Knielingen. „In Knielingen geht es nach meiner ersten Besichtigung schon über drei Straßenzüge, dass sich diese Kolonie ausgebreitet hat“, berichtet Verhaagh. Hier dringen die Ameisen auch in Privatgärten und Häuser ein.

Ist Karlsruhe ein Einzelfall?

Nein. „Inzwischen sind wir bei ungefähr 40 Kommunen angekommen“, so Verhaagh über die Verbreitung in Baden-Württemberg. Auch in Rheinland-Pfalz, Hessen, bis nach Hamburg und Dresden wurden bereits Vorkommen nachgewiesen.

Was kann man gegen die Ameisen tun?

Die Bekämpfung ist schwierig. „Es bieten sich eben zwei Möglichkeiten an derzeit: Das eine ist eben Bekämpfung mit heißem Wasser, wo also mit mobilen Heißwassererzeugern dann im Boden solche Nester aufgesucht werden… Oder die andere Möglichkeit ist, mit chemischen Substanzen […]. Und zusätzlich muss man dann noch mit sogenannten Fraßködern arbeiten“, erklärt Verhaagh. Entscheidend ist eine Zusammenarbeit von Kommunen und Privatleuten, da die Kolonien sich über Grundstücksgrenzen hinweg erstrecken.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

„Meines Erachtens eher eine etwas untergeordnete oder indirekte Rolle“, sagt Verhaagh. Die milden Winter helfen den Ameisen jedoch beim Überleben. Auch der Import mediterraner Pflanzen spielt eine große Rolle bei ihrer Verbreitung. „Beim Kauf von mediterranen Pflanzen ist darauf zu achten, ob da in den Töpfen sich irgendwelche Ameisen tummeln oder nicht“, rät Verhaagh. Sowohl Verkäufer als auch Käufer seien hier in der Verantwortung.

]]>
Weitere invasive Ameisenart auch in Karlsruhe unterwegs https://www.die-neue-welle.de/weitere-invasive-ameisenart-auch-in-karlsruhe-unterwegs-1587226/ Sat, 12 Jul 2025 09:30:08 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1587226

Ameiseninvasion in Knielingen

Die Stadt Karlsruhe wird von einer Ameisenplage heimgesucht. Im Stadtteil Knielingen sind zahllose Exemplare der bisher dort noch nie festgestellten invasiven Art Lasius negelctus (Vergessene Wegameise) unterwegs.

Anwohner klagten zwar seit Jahren über wiederkehrende Ameiseninvasionen auf Terrassen, Straßen, Bäumen und Mülleimern – dass es sich dabei um die Vergessene Wegameise handelte, sei aber nicht bekannt gewesen, erläuterte Ameisenforscher Manfred Verhaagh. Die Kommune hatte ihn zu Rate gezogen, als die Plage in diesem Jahr besonders schlimm wurde. Zuvor hatte der SWR berichtet.

Ist diese Ameise völlig unbekannt?

Unbekannt sind die Vergessenen Wegameisen in Deutschland nicht. Seit Ende der 90er Jahre seien sie bundesweit bereits in rund 15 Kommunen nachgewiesen worden; erstmals in Jena im Botanischen Garten. Im Südwesten wurde sie im Jahr 2017 in Ludwigsburg nachgewiesen, dann folgten Bad Säckingen und Wehr (beide Kreis Waldshut) im Jahr 2018 beziehungsweise 2023 – und nun in Karlsruhe.

Der Ameisenexperte Verhaagh war zunächst davon ausgegangen, es handele sich in Karlsruhe-Knielingen um die Ameisenart Tapinoma magnum, die im Südwesten seit 2009 an verschiedenen Orten dokumentiert ist und zuletzt die Stadt Kehl in Verzweiflung versetzt hatte. Dort waren die schwarzen Insekten in Häuser eingefallen, lösten Ausfälle von Strom und Internet aus und zerstörten Fugen einer Gartenmauer.

Superkolonien können bedrohlich werden

Tapinoma magnum gibt es zwar auch in Karlsruhe in beträchtlicher Zahl, sagte Verhaagh. Aktuell mache aber der Befall von Gärten und Wohnung durch Lasius neglectus den Bürgerinnen und Bürgern ganz besonders zu schaffen. Die Stadt Karlsruhe steht nach Worten eines Sprechers in ständigem Kontakt mit Experten und anderen betroffenen Kommunen.

Die Kolonien der Wegameise seien im Laufe der Jahre in Karlsruhe offensichtlich immer größer geworden. „Irgendwann ist dann die schiere Menge der Tiere bedenklich“, sagte der Experte. Sie kletterten jeden Baum auf und ab und bewanderten Straßen und Terrassen in dem Stadtteil. Auch sie können – ähnlich wie Tapinoma – Gehweg- oder Terrassenplatten mit ihren Gängen unterhöhlen. Wie groß die Karlsruher Kolonien seien, könne er noch nicht abschätzen.

Invasive Ameisen schwer zu bekämpfen

Die Wegameise sei ähnlich schwer zu bekämpfen wie Tapinoma magnum: „Ameisenköder können helfen, heißes Wasser auch“, sagte Verhaagh. So werden in Kehl gegen Tapinoma magnum schon spezielle Heißwassergeräte eingesetzt. Auch wir haben bereits letztes Jahr über die Ameisensituation in Kehl auf unserer Website berichtet.

Letztlich aber sei den Tieren nur mit großem personellem Einsatz beizukommen. Die Wegameise sei aber zumindest weniger bissig und etwas frostempfindlicher als ihre „Konkurrentin“ Tapinoma magnum.

„Nur ein gemeinsames Vorgehen führt zum Ziel“, sagte ein Karlsruher Stadtsprecher. Wichtig sei eine enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Stellen und privaten Grundstücksbesitzern. „Ziel ist es, die Ausbreitung der gebietsfremden Ameisenart einzudämmen, vorhandene Kolonien zu vertreiben und dauerhaft zu bekämpfen.“

]]>