Fischadler – die neue welle https://www.die-neue-welle.de Immer deine Lieblingsmusik. Fri, 15 Aug 2025 02:24:33 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9 Rückschlag für Fischadler – Eierdieb in 30 Metern Höhe https://www.die-neue-welle.de/rueckschlag-fuer-fischadler-eierdieb-in-30-metern-hoehe-1656397/ Fri, 15 Aug 2025 02:24:33 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1656397

Rastatt (dpa/tk) – Mitten in der Nacht verliert das Fischadler-Paar Chronos und Kepler seine Brut. Was die Wildkamera im entscheidenden Moment festhielt – und was nicht.

Nabu vermutet Baummarder

Ein Eierdieb hat die diesjährige Brut des einzigen Fischadler-Paars im Südwesten zunichtegemacht. Projektleiter Daniel Schmidt-Rothmund vom Nabu Baden-Württemberg geht davon aus, dass wahrscheinlich ein Baummarder den Horst auf 30 Metern Höhe geplündert hat.
Ende April sei die Fischadler-Welt von Weibchen Chronos und Männchen Kepler noch in Ordnung gewesen, sagte er laut Mitteilung. Ein Foto einer Wildkamera zeige vier Eier im Nest. «Doch mitten in der Nacht ändert sich alles», beschrieb Schmidt-Rothmund. «Das letzte Bild zeigt eine aufgebrachte Vogelmutter über ihren Eiern in Abwehrhaltung. Das erkennt man an ihrem weit aufgestellten Gefieder, dem drohend zum Horst-Rand gerichteten Schnabel.» Im entscheidenden Augenblick habe die Kamera leider kein Foto geschossen.

Projekt zur Wiederansiedlung um ein ganzes Jahr zurückgeworfen

Der Eierdieb müsse das Nest erklommen, den Vogel vertrieben und die Eier angefressen haben, erklärte der Ornithologe und Leiter des Nabu-Vogelschutzzentrums Mössingen. Er war Ende Juli mit einem kleinen Team am Horstbaum in der badischen Oberrheinebene bei Rastatt, um nach Schalenresten und Eiern zu suchen. Doch dort fand sich keine Spur des nächtlichen Raubes mehr. Nach dem Vorfall sei das Paar noch einige Zeit auf dem Nest geblieben – aber die Eier seien dahin gewesen.

«Dass Nester geplündert werden, ist Teil der Natur – wirft das Projekt zur Wiederansiedlung des Fischadlers im Land aber um ein ganzes Jahr zurück», teilte der Nabu mit.

Der rund 60 Zentimeter große Greifvogel mit weiß gefiedertem Kopf samt dunklem Band um die Augenpartie galt seit 1907 in Baden-Württemberg als ausgerottet. Noch heute ist die Art gefährdet – ebenso wie die in Deutschland lebenden See-, Schrei- und Steinadler.

Wo brüten sie nächstes Jahr?

2023 brüteten Chronos und das Kepler als erstes Fischadler-Paar nach mehr als 115 Jahren erfolgreich im Südwesten. Sie stammen aus Sachsen-Anhalt. Im ersten Jahr flogen Balbü und Kju aus, im zweiten Fuchur, Artax und Luna.

Schmidt-Rothmund hat inzwischen viele Nisthilfen im Südwesten installiert und kletternd Nistmaterial in schwindelerregende Höhen geschafft. Vielleicht versucht das Fischadler-Paar 2026 an einer der Plattformen sein Glück.

Mitte Juni kehrten Chronos und Kepler laut Nabu zu dem geplünderten Nest zurück und besserten es aus. Kurz darauf seien sie an zwei anderen Horsten aufgetaucht: erst in 7 Kilometern Entfernung, dann 20 Kilometer weiter im Elsass. Im Juli hätten sie gemeinsam in der Nähe des Horstes eine zweite Nisthilfe in Baden-Württemberg mehrfach und über viele Stunden inspiziert.

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Seltene Fischadler brüten wieder am Oberrhein https://www.die-neue-welle.de/seltene-fischadler-brueten-wieder-am-oberrhein-1408525/ Tue, 15 Apr 2025 02:23:22 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1408525

Rastatt (dpa/tk) – Seit 1907 galten die Greifvögel im Südwesten als ausgerottet. Vor ein paar Jahren kehrten sie zurück, ein Paar bei Rastatt vermehrte sich auch. Damit es nicht das einzige bleibt, klettern Naturschützer hoch hinauf.

Weibchen wieder im Nest

Das einzige Fischadler-Paar in Baden-Württemberg brütet wieder. Seit knapp einer Woche sitzt Weibchen Chronos tief im Nest, wie Projektleiter Daniel Schmidt-Rothmund vom Nabu Baden-Württemberg erklärte. «Zuvor hat sie mit ihrem Körper darin eine Nistmulde geformt, damit die Eier gut geschützt und voll bedeckt sind. Ein erstes Ei ließ sich aber kurz auf einem Bild der Überwachungskamera erkennen.»

Wie viele Eier genau im Nest sind, könne der Nabu bisher nicht sagen, da das Weibchen sie tief versteckt ins Nest gelegt habe. «Das wird vielleicht eine Osterüberraschung.» Geht alles gut, könnte der Nachwuchs in der zweiten Maihälfte schlüpfen.

Nisthilfe in schwindelerregender Höhe

Schmidt-Rothmund hatte vor vier Jahren in der badischen Oberrheinebene bei Rastatt eine künstliche Nisthilfe in 25 Metern Höhe auf einem Baumriesen montiert. Auf solchen alles überragenden Bäumen in Wäldern könnten die Greifvögel alles überblicken, Nesträuber früh erspähen und verjagen.

2023 brüteten Chronos und das Männchen Kepler als erstes Fischadlerpaar nach mehr als 115 Jahren wieder erfolgreich in Baden-Württemberg. Dieses Jahr sei Kepler am 19. März zum Horst zurückgekehrt. Er habe diesen mit Nistmaterial wie Stöcken, Zweigen und trockenen Grasbüscheln hergerichtet. Chronos habe fünf Tage später und nach rund 5.000 Kilometern Rückflug aus dem Winterquartier südlich der Sahara das Nest erreicht, berichtete der Ornithologe und Leiter des Nabu-Vogelschutzzentrums Mössingen.

Vor über 100 Jahren ausgerottet

Die Tiere werden den Angaben zufolge rund 60 Zentimeter groß. Ihre Unterseite ist bis auf ein dunkles Brustband weiß, die Oberseite dunkelgraubraun. Ihr Kopf ist weiß mit einem dunklen Band um die Augenpartie. Sie fressen Fische und stürzen dafür manchmal einen Meter tief ins Gewässer.

Fischadler waren den Angaben zufolge im 19. Jahrhundert in Baden-Württemberg entlang von Donau, Rhein, Neckar sowie an Kocher und Jagst beheimatet. Doch Menschen jagten die Tiere, sodass der Greifvogel seit 1907 im Südwesten als ausgerottet galt. Noch heute ist die Art gefährdet – ebenso wie die in Deutschland lebenden See-, Schrei- und Steinadler.

Wächst die Population?

Nach Einschätzung des Nabu stehen die Chancen gut, dass sich bald ein oder zwei weitere Fischadler-Paare am Oberrhein, Bodensee oder an der Donau ansiedeln. Die Jungvögel aus 2023, Balbü oder Kju, könnten sesshaft werden. Mehr als 30 Plattformen habe Schmidt-Rothmund dafür im Südwesten installiert und kletternd Nistmaterial in schwindelerregende Höhen geschafft.

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Fischadler-Familie vom Oberrhein wohl ausgeflogen https://www.die-neue-welle.de/fischadler-familie-vom-oberrhein-wohl-ausgeflogen-1068756/ Sun, 15 Sep 2024 12:51:28 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1068756 Rastatt (dpa/jb) – Die seltenen Fischadler galten hierzulande lange als ausgerottet, bis es 2023 eine erfolgreiche Fischadlerbrut in der Region Rastatt gab. Nun sind sie auf ihrem gefährlichen Weg in Richtung Afrika.

Vögeln sind zum Überwintern ausgeflattert

Die seltenen Fischadler aus Baden haben aller Wahrscheinlichkeit nach die Flatter gemacht. Zumindest sind auf Bildern einer Kamera am Nest in der Region Rastatt schon seit einigen Tagen keine der Vögel mehr zu sehen, wie Ornithologe Daniel Schmidt-Rothmund vom Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg sagte. Die Eltern Chronos und Kepler sowie der diesjährige Nachwuchs – Fuchur, Artax und Luna – dürften also wie erwartet etwa Ende August in Richtung Afrika aufgebrochen sein, wo die Vögel überwintern.

Niedrige Überlebenswahrscheinlichkeit

Dass der Nachwuchs dieses Jahres sowie die beiden Jungtiere im vergangenen Jahr überlebt haben, ist nach Einschätzung von Schmidt-Rothmund etwas Besonderes. Im ersten Jahr liege die Überlebenswahrscheinlichkeit bei etwa 50 Prozent. Vor allem Uhus, die auch in Baden-Württemberg heimisch sind, plünderten gerne Fischadler-Nester.

Viele Gefahren

Doch damit ist der Fortbestand nicht automatisch gesichert. Sommer und Winter hätten jeweils ihre Tücken, sagte der Leiter des Nabu-Vogelschutzzentrums Mössingen. „Es gibt eine ganze Reihe an Unwägbarkeiten.“ Auf dem Weg über die Straße von Gibraltar könnten die Vögel gegen Windkraftanlagen stoßen. Häufig ertrinken Fischadler den Angaben zufolge, wenn sie sich in Netzen verheddern, die zum Schutz über Fischteiche gespannt werden.

Vor über 100 Jahren ausgerottet

Fischadler (Pandion haliaetus) sind als gefährdet eingestuft. 1907 waren die Greifvögel hierzulande als vermeintliche Nahrungskonkurrenten ausgerottet worden. Nach 116-jähriger Pause gab es 2023 die erste nachweislich erfolgreiche Fischadler-Brut im Landkreis Rastatt.

Population im Aufbau

Schon davor lebten Weibchen Chronos und Männchen Kepler zwei Jahre als Paar zusammen, wie Schmidt-Rothmund sagte. Daher sei damit zu rechnen, dass sie auch im kommenden Frühjahr wieder die rund 5.000 Kilometer zurücklegen und in die Oberrheinebene kommen.

Junge Fischadler sind auf sich gestellt

Ob die jungen Fischadler des Jahrgangs 2023, Balbü und Kju, nächstes oder übernächstes Jahr zurückkehren, bleibt abzuwarten. Der Nabu beringt alle Jungtiere. Aber wenn diese nicht zufällig fotografiert und die Bilder dann den Fachleuten geschickt werden, bleibt der Verbleib der Tiere unklar. Mit Sendern sei noch kein badischer Fischadler ausgestattet.

Ein weiteres Paar in Frankreich

In der Regel kommen die Männchen bis auf einige Kilometer in die Nähe des Schlupfortes zurück, wie Schmidt-Rothmund erklärte. Die Weibchen siedelten sich hingegen häufig weiter entfernt an. So werde in der Natur Inzucht vermieden. Von einer gesicherten Population in einer Region kann man laut Nabu ab ungefähr zehn Fischadler-Paaren sprechen. Am Oberrhein lebe ein zweites Paar auf französischer Seite.

Hilfe bei der Wiederansiedlung

Jenes aus Rastatt stammt aus Sachsen-Anhalt. Damit sich die Tiere auch woanders ansiedeln, hat der Nabu mit Partnern in ganz Deutschland ein Netzwerk aufgebaut und Horste installiert. So hat auch Schmidt-Rothmund neue Nisthilfen bei Offenburg organisiert.

Nicht mit Möwen verwechseln

Fischadler werden rund 60 Zentimeter groß und können wegen schmaler Flügel mit großen Möwen verwechselt werden. Ihre Unterseite ist bis auf ein dunkles Brustband weiß, die Oberseite dunkelgraubraun. Der Kopf ist weiß mit einem dunklen Band um die Augenpartie. Der Greifvogel frisst den Angaben zufolge ausschließlich Fische und stürzt dafür ins Gewässer. „Seine Jagdtechnik hat er perfektioniert, so kann er sie in bis zu einem Meter Wassertiefe noch erbeuten.“ Damit ihr Gefieder beim Tauchen nicht durchnässt, pflegen die Tiere es akribisch mit Fett aus einer vergrößerten Bürzeldrüse am Schwanz.

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Gefiedertes Glück am Oberrhein: Drei junge Fischadler beringt https://www.die-neue-welle.de/gefiedertes-glueck-am-oberrhein-drei-junge-fischadler-beringt-877353/ Fri, 21 Jun 2024 07:54:28 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=877353 Mössingen (pm/tk) – Der NABU hat am Donnerstag drei junge Fischadler im Landkreis Rastatt beringt. Es ist die zweite Brut in Baden-Württemberg, seit die Greifvögel 1907 hierzulande ausgerottet wurden. Mit dem diesjährigen Nachwuchs steigt die Chance, dass Fischadler wieder langfristig im Südwesten heimisch werden.

Abseilen, wiegen, vermessen, beringen

Zum Beringen hat Daniel Schmidt-Rothmund, Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums Mössingen, wie vor einem Jahr Profi-Kletterer Georg Bürk dabei. Dieser seilt die Jungtiere vorsichtig aus 25 Metern Höhe sicher in einem Sack ab. Unten angekommen, fallen die Jungen in eine Schreckstarre und erhalten einen ersten Gesundheitscheck, werden gewogen und vermessen. Ergebnis: „Die drei – vermutlich ein Weibchen und zwei Männchen – sind proper, etwa vier bis fünf Wochen alt und haben ein gut entwickeltes Gefieder. Und sie duften ganz typisch nach Fisch. Ihre Eltern, Weibchen Chronos und Männchen Kepler, haben einen super Job gemacht und die Jungen im Dauerregen an Pfingsten trocken und warm gehalten“, erklärt der NABU-Fachmann.

Dann werden die Tiere beringt, mit einem etwa fünf Gramm leichten Ring an jedem Bein. Damit sind sie eindeutig identifizierbar. Nach wenigen Minuten geht es mit dem Seillift wieder sicher nach oben, zurück in die Kinderstube über den Baumwipfeln. Im Horst, den Schmidt-Rothmund vor drei Jahren installiert hatte, kehrt binnen weniger Minuten wieder Familien-Normalität ein. In rund drei Wochen, Mitte Juli, werden die Jungvögel ihre ersten Flugübungen machen. Im August verlassen sie die badische Oberrheinebene und legen rund 5.000 Kilometer bis ins westliche Afrika zurück, wo sie überwintern.

Wie sollen die Jungadler heißen?

Eigentlich wollte der NABU den Jungen mit der Beringung auch einen Namen geben. „Auf den Bildern ließ sich das Geschlecht nicht erkennen. Wir nutzen daher die Beringung dazu, die Tiere genauer zu bestimmen. Im Nachgang rufen wir jetzt alle Fischadler-Fans im Land auf, uns ihre Namensvorschläge zu schicken. Aus den Besten erstellen wir eine Top-5-Liste und dann können alle abstimmen“, erklärt Schmidt-Rothmund. Namensvorschläge können über den Instagram-Kanal nabu_bw oder auf der Webseite unter www.NABU-BW.de/fischadler eingereicht werden.

Die jungen Fischadler des Jahrgangs 2023 heißen Balbü und Kju. Balbü steht für das französische Wort für Fischadler (Balbuzard). Kju nimmt Bezug auf den charakteristischen „kju-kju-kju“-Warnruf der Tiere.

Nette Nachbarn gesucht

Das Fischadlerpaar aus Rastatt stammt ursprünglich aus Sachsen-Anhalt, wo nach 30 Jahren intensiver Arbeit bereits wieder 30 Paare brüten. „Fischadler nisten gerne in netter Nachbarschaft – wo bereits andere Paare ihrer Art brüten. Bis eine kleine lokale Population im Fischadler-Niemandsland neu entsteht, vergehen daher oft Jahre“, so Schmidt-Rothmund. Um die Chancen zu erhöhen, hat der NABU erfolgreich mit vielen Partnern in ganz Deutschland ein Netzwerk aufgebaut und Horste installiert. Das südlichste Paar hat sich am bayrischen Ammersee angesiedelt, das nördlichste brütet nahe der Ostseeküste in Mecklenburg.

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NABU in guter Hoffnung: Fischadler brütet wieder im Rheintal https://www.die-neue-welle.de/nabu-in-guter-hoffnung-fischadler-bruetet-wieder-im-rheintal-765870/ Wed, 17 Apr 2024 08:09:30 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=765870 Mössingen (pm/tk) – Auf dieses Foto hat sich NABU-Ornithologe Daniel Schmidt-Rothmund lange gefreut: „Sie brüten wieder. Es ist der Wahnsinn, ich bin froh und dankbar, dass das Weibchen Chronos und ihr Gatte wohlbehalten zurück am Nest in Baden-Württemberg sind.“ Chronos liegt nun ausdauernd flach im Nest. Laut dem NABU-Experten ein sicheres Zeichen für das erste Ei.

Bald wieder kleine Fischadler?

„Jetzt hoffen wir jeden Tag auf ein Foto, das zeigt, wie viele Eier im Horst liegen“, erklärt Schmidt-Rothmund, der Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums Mössingen im Kreis Rastatt. Sollte die Brut erneut erfolgreich sein, wäre es erst die zweite in Baden-Württemberg seit mehr als 115 Jahren.

Jungvögel schlüpfen Mitte Mai

Das Rastatter Paar hat 2023 erstmals zwei Küken erfolgreich aufgezogen. Baden-Württembergs einzige Fischadler-Familie war im September zum Langstreckenflug gen Süden aufgebrochen, das Männchen kehrte am 21. März als erstes zum Horst zurück und richtete diesen her, das Weibchen folgte acht Tage später. Bei ihrem gut und gerne 5.000 Kilometer langen Rückflug überqueren sie die Sahara, das Mittelmeer und die Pyrenäen und sind dabei vielen Gefahren ausgesetzt, wie Wilderern, Unwettern oder Plastikmüll, indem sie sich verfangen können. Am oberrheinischen Brutplatz gilt jetzt umso mehr: Daumen drücken und hoffen, dass alles gut geht und die Fischadler-Jungen Mitte Mai schlüpfen.

Vielleicht mehr Fischadler

Die Jungvögel vom letzten Jahr, Balbü und Kju, vagabundieren noch zwei bis drei Jahre umher, bevor sie sesshaft werden. Dann stehen die Chancen gut, dass sich das junge Männchen Kju in der Nähe seines Geburtsortes am Oberrhein ansiedelt, denn Fischadler sind heimattreu und nisten gerne in der Nähe anderer Paare ihrer Art. Zur Wahl stehen dort mehrere weitere Plattformen auf hohen Bäumen.

Glücksgriff am Oberrhein

Die künstliche Nisthilfe bei Rastatt hatte NABU-Ornithologe Schmidt-Rothmund erst vor drei Jahren in der badischen Oberrheinebene montiert: „Offenbar ist dieser Standort ein echter Glücksgriff. Fischadler sind wählerisch, sie lieben Wälder mit einzelnen, alles überragenden Baumriesen. Doch die sind selten. Von hoch oben können sie alles überblicken und Nesträuber rechtzeitig erspähen.“ Dass ein solcher Baumriese gefunden wurde, das Fischadler-Paar den Platz entdeckt und akzeptiert hat, war kein Zufall: Mehr als 30 Fischadler-Plattformen hat Schmidt-Rothmund bereits auf hohen Bäumen im Land installiert, Nistmaterial hochgeschafft und die Standorte regelmäßig besucht – mit Hilfe eines großen Netzes aus Ehrenamtlichen sowie vogelbegeisterten Spenderinnen und Spendern und mit Unterstützung von Forst BW, Gemeinden und Privatwaldbesitzenden, die ihre Flächen zur Verfügung stellen.

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Balbü und Kju – Die Fischadler-Küken von Mössingen https://www.die-neue-welle.de/balbue-und-kju-die-fischadler-kueken-von-moessingen-393264/ Mon, 26 Jun 2023 03:07:54 +0000 https://dieneuewelle.prod.welocal.cloud/balbue-und-kju-die-fischadler-kueken-von-moessingen-393264/ Mössingen (pm/tk) – Eine kleine Sensation in der Südwest-Vogelwelt: Am Wochenende hat der NABU in Mössingen im Kreis Rastatt zwei junge Fischadler beringt. Seit 1907 sind es die ersten Fischadler-Küken, die in freier Wildbahn geschlüpft sind. Die Vogelforscher haben ihnen die Namen „Balbü“ und „Kju“ gegeben.

Bruterfolg nach 116 Jahren

„Die Spannung war groß, wir wussten nicht, wie viele Jungvögel uns oben im Horst erwarten. Umso größer ist die Erleichterung darüber, dass sich Balbü und Kju bester Gesundheit erfreuen“, berichtet Daniel Schmidt-Rothmund. Der Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums setzt sich seit Jahrzehnten für die Rückkehr der Greifvögel ein.

Wiegen, vermessen, beringen

Kreis Rastatt, 14 Uhr: Profi-Kletterer Georg Bürk holt die Jungvögel aus ihrem Nest in luftigen 25 Metern Höhe und lässt sie vorsichtig in einem Sack an einem Seil herunter. Dabei fallen die knapp fünf Wochen alten Adler in eine natürliche Schreckstarre. Die Elterntiere kreisen über dem Horstbaum und beobachten aufmerksam.

Am Waldboden nimmt der Ornithologe die Jungvögel Schmidt-Rothmund behutsam in Empfang. Als erstes steht der Gesundheitscheck auf dem Programm: untersuchen, wiegen und vermessen. „Wir haben hier ein 1.458 Gramm schweres Weibchen und ein 1.178 Gramm schweres Männchen – sehr guter Durchschnitt für die Altersklasse“, erklärt der NABU-Fachmann. Anschließend werden die Jungadler doppelt beringt, mit je einem etwa fünf Gramm leichten Ring an jedem Bein. Damit kann man sie eindeutig identifizieren.

Die Namen…?

Mit der Beringung erhalten die kleinen Fischadler ihre Namen: „Balbü ist eine Kurzform des französischen Worts für Fischadler, Balbuzard. Kju nimmt Bezug auf den charakteristischen ‚kju-kju-kju‘-Warnruf“, so Schmidt-Rothmund.

Fliegen lernen

Nach wenigen Minuten geht es mit dem Seillift wieder sicher nach oben. Kletterer Bürk setzt die beiden Jungadler wohlbehalten in ihrer Kinderstube über den Baumwipfeln mit Rundblick ab. Im Horst, den Schmidt-Rothmund vor zwei Jahren dort im Landkreis Rastatt installiert hatte, kehrt binnen weniger Minuten wieder Familien-Normalität ein. In rund drei Wochen, etwa Mitte Juli, werden Balbü und Kju ihre ersten Flugübungen machen. Im August verlassen sie die badische Oberrheinebene und legen rund 5.000 Kilometer bis ins westliche Afrika zurück, wo sie überwintern.

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Rastatt: Erster Fischadler-Nachwuchs seit 115 Jahren im Südwesten https://www.die-neue-welle.de/rastatt-erster-fischadler-nachwuchs-seit-115-jahren-im-suedwesten-391176/ Fri, 02 Jun 2023 08:01:33 +0000 https://dieneuewelle.prod.welocal.cloud/rastatt-erster-fischadler-nachwuchs-seit-115-jahren-im-suedwesten-391176/

Gesehen hat ihn noch niemand, aber Vogelfachleute vom Nabu feiern den ersten Fischadler-Nachwuchs in Baden-Württemberg nach 115 Jahren Pause. Um die Tiere bei Mössingen im Landkreis Rastatt nicht zu stören, habe Ornithologe Daniel Schmidt-Rothmund sie aus rund 300 Metern Entfernung vom Boden aus mit dem Fernglas beobachtet, teilte der Verein mit.

Küken geschlüpft

«Das Männchen hat dem am Nestrand stehenden Weibchen einen Fisch gebracht, den das Weibchen an den Nachwuchs verteilt hat, das erkennt man eindeutig an den charakteristischen Kopfbewegungen», berichtete der Leiter des Nabu-Vogelschutzzentrums laut Mitteilung. Danach sei die Vogelmutter wieder nah an ihre Küken herangerückt und habe die Flügel ganz typisch etwas hängen lassen, um für Schatten zu sorgen.

Ende Juni will Schmidt-Rothmund zum Horst in einem etwa 25 Meter hohen Baum klettern, um die Jungadler zu beringen, bevor sie flügge werden. Dann wird er wissen, wie viele es sind. Eine dort oben installierte Wildkamera ist den Angaben zufolge ausgefallen.

Drei Eier im Nest

Der Nabu hatte es schon als Erfolg gewertet, dass Mitte April das erste von drei Eiern im Nest lag. Zum ersten Mal seit mehr als 110 Jahren brüteten Fischadler nachweislich wieder in Baden-Württemberg. 1907 waren sie hierzulande ausgerottet. Naturschützer installieren seit über 30 Jahren im Südwesten Nisthilfen für die Greifvögel.

Für die Entwicklung des Nachwuchses brauche es möglichst trockenes und warmes Wetter: 20 bis 25 Grad seien ideal, damit es im Nest nicht zu feucht wird. Habichte und Uhus müssen das Nest verschonen. «Und drittens ist der jungen Familie zu wünschen, dass das Männchen keinen Unfall hat», erklärte Schmidt-Rothmund. Dieses schaffe die Nahrung herbei, während das Weibchen nahezu durchgehend am Nest bleibe.

Schön und selten

Fischadler werden nach Nabu-Angaben rund 60 Zentimeter groß und können wegen schmaler Flügel mit großen Möwen verwechselt werden. Ihre Unterseite ist bis auf ein dunkles Brustband weiß, die Oberseite dunkelgraubraun. Der Kopf ist weiß mit einem markanten, dunklen Band um die Augenpartie. Der Greifvogel frisst ausschließlich Fische. «Seine Jagdtechnik hat er perfektioniert, so kann er sie in bis zu einem Meter Wassertiefe noch erbeuten.» Den Winter verbringen die Tiere in Afrika und kommen ab Ende März in die Brutgebiete zurück.

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Sensation: In Rastatt brüten nach über 100 Jahren wieder Fischadler https://www.die-neue-welle.de/sensation-in-rastatt-brueten-nach-ueber-100-jahren-wieder-fischadler-388797/ Tue, 02 May 2023 13:31:56 +0000 https://dieneuewelle.prod.welocal.cloud/sensation-in-rastatt-brueten-nach-ueber-100-jahren-wieder-fischadler-388797/ Zum ersten Mal seit mehr als 110 Jahren brüten Fischadler nachweislich wieder in Baden-Württemberg. Das erste von drei Eiern lag Mitte April in einem Nest der Greifvogeleltern im Landkreis Rastatt, wie der Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg mitteilte. Jetzt müssten die Vogelfans im Land kräftig die Daumen drücken, damit nach 38 Tagen Ende Mai die drei Küken schlüpfen, sagte Ornithologe Daniel Schmidt-Rothmund.

Männchen aus Sachsen-Anhalt in den Südwesten gezogen

Das Männchen ist demnach neun Jahre alt und aus Sachsen-Anhalt in den Südwesten gezogen, das verrieten seine Fußringe. Auch das Weibchen sei beringt, seine Herkunft aber noch unbekannt. «Am ersten Brutplatz des Paares im Elsass wurden gleich beide Bruten in den Vorjahren komplett von einem Habicht oder Uhu geräubert», so Schmidt-Rothmund.

Fischadler im Südwesten 1907 ausgerottet

Fischadler wurden im Südwesten laut Nabu 1907 ausgerottet. Seit über 30 Jahren installieren Naturschützer in Baden-Württemberg Nisthilfen für die Greifvögel. Dass es lange dauerte, bis sich das erste Paar dort niederließ, hat laut Nabu mehrere Gründe. «Fischadler sind heimattreu und nisten gerne in der Nähe anderer Paare ihrer Art», sagte Schmidt-Rothmund, der das Nabu-Vogelschutzzentrum Mössingen (Landkreis Tübingen) leitet. «Weil wir Menschen die Fischjäger als unerwünschte Konkurrenten weitflächig ausgerottet haben, ist es schwer, sie ins Fischadler-Niemandsland zurück zu locken.»

Greifvogel frisst ausschließlich Fische

Fischadler werden nach Nabu-Angaben rund 60 Zentimeter groß und könnten wegen schmaler Flügel mit großen Möwen verwechselt werden. Ihre Unterseite ist bis auf ein dunkles Brustband weiß, die Oberseite dunkelgraubraun. Der Kopf ist weiß mit einem markanten, dunklen Band um die Augenpartie. Der Greifvogel frisst ausschließlich Fische. «Seine Jagdtechnik hat er perfektioniert, so kann er sie in bis zu einem Meter Wassertiefe noch erbeuten.» Den Winter verbringen die Tiere in Afrika und kommen ab Ende März in die Brutgebiete zurück.

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