Betreuungsplätze – die neue welle https://www.die-neue-welle.de Immer deine Lieblingsmusik. Fri, 27 Feb 2026 15:38:08 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 Nach Insolvenz: Arbeitsplätze und Kita-Plätze in Karlsruhe gesichert https://www.die-neue-welle.de/nach-insolvenz-arbeitsplaetze-und-kita-plaetze-in-karlsruhe-gesichert-1862196/ Fri, 27 Feb 2026 13:47:55 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1862196 Karlsruhe (pm/dk) – Im vorläufigen Insolvenzverfahren der Karlsruher Kita-Betreiber Pro-Liberis gGmbH und Lenitas gGmbH gibt es erste positive Entwicklungen. Nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwalter laufen bereits Gespräche mit potenziellen Partnern.

Gesamtlösung angestrebt

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, einen passenden Partner für Pro-Liberis und Lenitas zu finden, um die Unternehmen langfristig und nachhaltig wieder in die wirtschaftliche Balance zu bringen“, sagen die vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Jürgen Erbe und Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun.

Bereits früh im Verfahren lägen mehrere Interessensbekundungen vor. „Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir eine Gesamtlösung anstreben und es keine Pläne gibt, Pro-Liberis und Lenitas in Einzelteile zu zerschlagen.“ Die Suche nach einem Partner erfolgt in enger Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss und den Kommunen.

Insolvenzverfahren soll zum 1. April eröffnet werden

Die Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens ist für den 1. April geplant. Das bedeutet laut den Insolvenzverwaltern jedoch nicht das Ende des Betriebs.

„Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist vielmehr ein wichtiger Schritt, um die Neuaufstellung in die Tat umsetzen zu können. Wir werden auch nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens an der Neuaufstellung arbeiten und den Kita-Betrieb normal weiterführen.“

Mit einer endgültigen Lösung sei realistischerweise erst in mehreren Monaten zu rechnen.

Betreuung und Arbeitsplätze gesichert

Der Betrieb in allen Einrichtungen läuft nach Angaben der Verantwortlichen wie gewohnt weiter. Es gebe keine Einschnitte bei Qualität oder Umfang der Betreuung.

„Die Kinderbetreuung und die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden sind auch über den 1. April hinaus gesichert – etwa mit dem Blick auf den Sommer und den Abschluss von Neuverträgen“, so Erbe und Blümle.

Gehälter werden regulär ausgezahlt

Ein weiterer wichtiger Punkt: Gehaltsrückstände bestehen nicht mehr. Die Februar-Gehälter wurden in dieser Woche wie gewohnt ausgezahlt. Auch die Zahlungen für März sind gesichert.

Die Auszahlung erfolgt über das sogenannte Insolvenzgeld in gewohnter Höhe und zum üblichen Zeitpunkt. Ab April sollen Pro-Liberis und Lenitas die Löhne und Gehälter wieder selbst tragen.

„Die pünktliche Auszahlung von Löhnen und Gehältern ist uns besonders wichtig, da sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pro-Liberis und Lenitas mit so viel Herzblut und Hingabe ihren Aufgaben widmen“, erklären die Insolvenzverwalter.

Stadt Karlsruhe begrüßt die Fortführung des Betriebs

Yvette Melchien, Sozialbürgermeisterin der Stadt Karlsruhe, nimmt zum bisherigen Verlauf des vorläufigen Insolvenzverfahrens wie folgt Stellung: „Ich sehe die Kitaträger im vorläufigen Insolvenzverfahren auf einem guten Weg, sich neu auszurichten. Die Angebote von Pro Liberis und Lenitas sind wichtig für die Betreuung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in der Stadt und in der Region Karlsruhe. Der Einsatz der Mitarbeitenden gerade jetzt während des vorläufigen Insolvenzverfahrens verdient große Anerkennung. Der enge Austausch mit ihnen, den Eltern und den vorläufigen Insolvenzverwaltern Dr. Jürgen Erbe (Pro-Liberis) und Holger Blümle (Lenitas) der Kanzlei Schultze & Braun ist besonders wichtig“, so die Bürgermeisterin weiter.

Über 1.300 Kita-Plätze in der Region

Pro-Liberis betreibt in der Region 20 Kindertagesstätten mit insgesamt 907 genehmigten Betreuungsplätzen, davon 440 für Kinder unter drei Jahren. 447 Mitarbeitende sind dort beschäftigt.

Lenitas führt neun Kindertageseinrichtungen für Kinder mit und ohne Behinderung mit insgesamt 452 Kita-Plätzen. Zusätzlich bietet die Gesellschaft verschiedene Angebote der Kinder- und Jugendhilfe an. Aktuell sind dort 170 Mitarbeitende beschäftigt.

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Städte im Südwesten kürzen Kita-Zeiten – und ringen um Alternativen https://www.die-neue-welle.de/staedte-im-suedwesten-kuerzen-kita-zeiten-und-ringen-um-alternativen-1027971/ Mon, 26 Aug 2024 02:36:23 +0000 https://www.die-neue-welle.de/?p=1027971 Das Kind früher abholen müssen – oder im schlechtesten Fall gar nicht erst bringen dürfen: Der bundesweite Mangel an Erzieherinnen hat auch in Kitas im Südwesten zu teilweise deutlichen Einschränkungen geführt, u.a. in Mannheim. Familien hätten häufig spontan umplanen müssen und «schon lange nicht mehr mit zuverlässigen Betreuungszeiten planen» können, schreiben Elternvertreter.

Öffnungszeiten gekürzt

Die Stadt Mannheim hat sich aufgrund der instabilen Betreuungssituation entschlossen, zum 1. September die Öffnungszeiten zu kürzen – um eine Stunde pro Tag auf maximal 16.30 Uhr. Damit sollen auch Hunderte Kinder mehr Kita-Plätze angeboten bekommen.

Mannheim steht mit der Maßnahme nicht alleine dar. Tübingen hat vor einem Jahr die Öffnungszeiten gekürzt. Stuttgart plant in den kommenden Jahren eine schrittweise Verringerung seiner Ganztagesplätze. Offenburg hat bereits im Mai 2023 damit begonnen, in besonders belasteten Einrichtungen die Öffnungszeiten einzuschränken und ein alternatives Angebot aufzubauen. Der Städtetag hält es bereits für denkbar, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz auf eine bestimmte Stundenzahl zu begrenzen.

60.000 fehlende Kitaplätze im Südwesten

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung fehlen im Südwesten rund 60.000 Kitaplätze, um den Bedarf der Eltern abzudecken. Um die Nachfrage nach Plätzen erfüllen zu können, braucht es nach Berechnungen der Stiftung bis ins Jahr 2025 zusätzlich 14.800 Fachkräfte.

«Der Fachkräftemangel in Baden-Württemberg ist enorm, zumal in den großen Städten», teilt der Deutsche Kitaverband mit. «Aufgrund der Fachkraftsituation ist ein Dilemma zwischen Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Sicherung der Qualität in den Kitas entstanden.» Dabei gehe es auch um die Frage der Bildungsgerechtigkeit: «Gerade Kinder aus bildungsfernen Haushalten profitieren am stärksten vom Kita-Besuch.»

Kinder in Offenburg fühlen sich wohl bei Betreuung durch Malteser

Die Stadt Offenburg hat trotz teilweise gekürzter Öffnungszeiten ein stabiles Ganztagesangebot geschaffen, wie auch die Elternschaft bestätigt: Mittlerweile werden in sechs städtischen Kitas Kinder ab drei Jahren nur noch von 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr von Erzieherinnen betreut. Danach bietet der Malteser Hilfsdienst zwei weitere Stunden «Spiel- und Betreuungszeit» bis 16.30 Uhr in den Räumen der Kita an.

«Ich bin sehr dankbar für dieses Modell, stehe komplett dahinter und empfinde es als sehr gute Lösung», sagt Jana Lunkenbein, Elternbeiratsvorsitzende einer der Kitas. «Ich habe in den letzten 15 Monaten nicht einmal mein Kind früher holen müssen – es ist die absolute Zuverlässigkeit, auf die wir Eltern uns bei den Maltesern verlassen können.» Die Kinder würden sich zudem wohlfühlen.

Bei dem Personal handelt es sich laut Stadt etwa um pädagogische Fachkräfte im Ruhestand, aber auch Menschen aus Vereinen mit Erfahrung in der Arbeit mit Kindern sowie Eltern und Großeltern. Sie erhalten eine Schulung durch die Malteser und müssen ein Führungszeugnis vorlegen.

Die Kürzung der Öffnungszeiten hat laut Stadt Offenburg zu einer Entspannung der Betreuungssituation geführt. «Wir haben derzeit ausreichend Fachkräfte», sagt ein Sprecher. Es gebe aktuell auch noch freie Betreuungsplätze.

Tübingen findet keinen Anbieter für Betreuung am Nachmittag

In Tübingen gehen die Meinungen darüber auseinander, ob die Kürzung der Öffnungszeiten zu einer Stabilisierung des Angebots geführt hat: Die Stadt sagt ja, die Eltern sagen nein. Der Großteil der städtischen Kita-Plätze bietet Betreuung bis maximal 14.30 Uhr, ein kleinerer Teil bis 16.30 Uhr.

Das Angebot von zwei Gruppen bis 17.30 Uhr musste laut Stadt wegen Personalmangels gestrichen werden – überdurchschnittlich viele Erzieherinnen hätten in dieser Einrichtung gekündigt. Es stünden immer noch mehr als 180 Kinder auf der Warteliste – obwohl aufgrund der Kürzung der Zeiten rund 90 gesperrte Plätze freigegeben werden konnten.

Tübingen hat nach eigenen Angaben versucht, einen Anbieter wie beim «Offenburger Modell» zu finden – erfolglos. Das Angebot «Tübinger Spielzeit» biete derzeit etwa Vereinen, Tagesmüttern oder Eltern die Möglichkeit, in Kita-Räumen Kinder nach den offiziellen Öffnungszeiten zu betreuen. Doch hier gibt es nach Auskunft des Gesamtelternbeirates teilweise massiven Widerstand durch das Fachpersonal, das «andere Personen nicht in der Einrichtung haben» will, wie Vorsitzende Doganay Bayrak sagt.

Mannheim sieht geringen Bedarf für zusätzliche Betreuung

In Mannheim versucht die Stadt nun ebenfalls, ein alternatives Betreuungsangebot aufzubauen. Eine erste Umfrage hat laut Verwaltung allerdings ergeben, dass nur maximal rund sechs Prozent der Eltern ein zusätzliches Angebot benötigen. Und: Trotz frei werdender Plätze stehen laut Stadt aktuell immer noch rund 1.800 Kinder ohne Kita-Platz da.

Auch die Stadt Stuttgart plant, in den kommenden Jahren schrittweise ihr Angebot an Ganztagesplätzen in den Kitas einzuschränken. Statt 90 Prozent der Krippen-Plätze und rund 70 Prozent der Plätze für Kinder ab drei Jahren sollen nur noch 60 Prozent acht Stunden und mehr tägliche Betreuung bieten. Die Stadt geht davon aus, dass rund 3.000 Kinder auf einen Betreuungsplatz warten.

Julia Fischer von der Landeselternvertretung der Kitas im Südwesten bezeichnet die Lage im Land als «schwierig, aber nicht hoffnungslos». Sie lehnt pauschale Kürzungen der Kita-Zeiten ab. Stattdessen fordert sie vor einem solchen Schritt, die Eltern detailliert nach ihrem Bedarf zu fragen – in welcher Kita braucht es für wie viele Kinder wann genau Betreuung?

Dies sei beispielsweise in Herrenberg bei Stuttgart gelungen. Am Ende des Umfrageprozesses seien nur noch zwei Kinder von zeitlichen Einschränkungen in der Betreuung betroffen gewesen.

 

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Studie: Im Südwesten fehlen nächstes Jahr 57 600 Kitaplätze https://www.die-neue-welle.de/studie-im-suedwesten-fehlen-naechstes-jahr-57-600-kitaplaetze-377370/ Wed, 19 Oct 2022 18:40:06 +0000 https://dieneuewelle.prod.welocal.cloud/studie-im-suedwesten-fehlen-naechstes-jahr-57-600-kitaplaetze-377370/ Erst vor kurzem schlugen die Kommunen Alarm: Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz könne wegen massiven Personalmangels nicht erfüllt werden. Eine neue Studie zeigt: Das dürfte ein Dauerzustand werden. In Baden-Württemberg fehlen nach einer neuen Studie im kommenden Jahr 57 600 Kitaplätze.

Viel zu wenige Plätze, um Betreuungsbedarf  zu decken

Trotz des massiven Ausbaus in den vergangenen Jahren gebe es noch immer viel zu wenige Plätze, um den Betreuungsbedarf der Eltern zu decken, heißt es in einer Analyse der Bertelsmann Stiftung vom Donnerstag. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten die Kommunen als Kita-Träger zusätzlich 16 800 Fachkräfte einstellen. Die Stiftung schätzt die Kosten dafür auf über 700 Millionen Euro jährlich – weitere Betriebs- und Baukosten noch nicht eingerechnet.

„Das ist in doppelter Hinsicht untragbar“

Die Zahlen belegen laut den Experten der Bertelsmann Stiftung, dass Baden-Württemberg den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz auch bis 2023 nicht für jedes Kind, dessen Eltern einen Bedarf haben, einlösen könne. «Das ist in doppelter Hinsicht untragbar: Die Eltern werden bei der Betreuung ihrer Kinder nicht unterstützt, während Kindern ihr Recht auf professionelle Begleitung in ihrer frühen Bildung vorenthalten wird», sagte Kathrin Bock-Famulla, Expertin für frühkindliche Bildung bei der Stiftung.

Kommunen schlagen Alarm

Die Kommunen im Südwesten hatten zuletzt im Sommer Alarm geschlagen, weil der Rechtsanspruch wegen des dramatischen Fachkräftemangels faktisch nicht mehr erfüllt werden könne. Sie forderten das Land auf, die Sonderregeln für den Personalschlüssel und die Gruppengröße aus der Corona-Zeit zu verlängern. «Die Reduzierung von Öffnungszeiten, Schließung von Gruppen und der Abbau von Plätzen ist in weiten Teilen Baden-Württembergs bereits heute bittere Realität», erklärten Gemeinde-, Städte- und Landkreistag damals. Für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern ist das Land zuständig

 

 

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