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Meinung: Der König-Fußball in der Krise?

Karlsruhe (jl) Samstagnachmittag 15:30 Uhr, Klaus und sein Sohn Max sitzen vor dem Fernseher. Normalerweise würde jetzt die Bundesliga angepfiffen werden – doch heute nicht. Durch das Coronavirus pausiert die Liga noch mindestens bis zum 30.04.2020. Wie es dann weitergeht? Darüber streiten sich gerade die Geister. Eine Meinung von neue welle-Sportreporter Julian Linder.

Symbolbild: Pixabay

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Hauptsache das Geld fließt

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will den Ligabetrieb unbedingt bis zum 30. Juni durchbringen – Millionen an TV-Geldern würden ansonsten nicht ausbezahlt werden. Wenn nicht mit Publikum, dann eben ohne – Hauptsache das Geld fließt. Für so eine Krise ist der Fußball nicht gemacht, obwohl in den letzten Jahren Rekordsummen an die DFL geflossen sind. Hier wird von Milliarden gesprochen. Seit über 14 Jahren sprintet die Bundesliga und die 2. Bundesliga von einer Bestmarke zur Nächsten. Waren es 2003/2004 noch 1,28 Milliarden an Umsatz konnten in der Saison 2017/2018 schon 4,42 Milliarden umgesetzt werden. Für diese Saison sind sogar die 5 Milliarden im Gespräch. Für viele Experten eine riesige Blase, die irgendwann zu platzen droht. Anscheinend ist das Coronavirus nun die Nadel.

Doch was passiert mit den Milliarden an Umsatz? Hat die DFL keine Rücklagen für schlechte Zeiten?  Viele Versicherungen hat die DFL abgeschlossen, falls der Spielbetrieb mal nicht beendet werden kann. Eine Pandemie-Versicherung ist da allerdings nicht dabei. Daher muss auch niemand bezahlen, wenn die Saison 2019/2020 nicht fertig gespielt wird. Kann das das Schiff Bundesliga aber dann schon zum Sinken bringen?

Viele Sportarten leiden

Es wird viel über den Fußball geredet, aber den anderen Sportarten geht es nicht anders. Die Eishockeyliga DEL leidet genauso unter dem Virus wie beispielsweise die Handballer. Flächendeckend ist momentan nicht an Sportveranstaltungen zu denken. Die Eishockeyvereine leben mehr von den Zuschauereinnahmen, als von den TV-Geldern. Gerade jetzt zur Play-Off-Zeit fallen dort Millionen weg. Trotzdem war für die DEL klar: Wir brechen ab, das Wohl aller steht im Mittelpunkt und nicht das Vergnügen. Auch die Handballer haben sofort den Spielbetrieb unterbrochen. Eventuell kann hier doch noch zu Ende gespielt werden, aber wer weiß das schon zur aktuellen Zeit. 

Insolvenzen drohen

Die DFL hält an einer Beendigung der Liga fest. Auch die Vereine sprechen sich dafür aus, selbt wenn die Ränge in den Stadien leer bleiben müssen. Hauptsache die TV-Gelder werden bezahlt, ansonsten droht einigen kleineren Vereinen die Insolvenz. Seit Jahren profitieren eben nur die besten Vereine von dem DFL-Ausschüttungssystem. Da hilft das Rettungspaket von Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen auch nicht weiter – 20 Millionen haben die vier Vereine für insolvenzbedrohte Clubs zur Verfügung gestellt. Ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Was macht die DFL?

Sie hat eine „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ ins Leben gerufen. Diese soll nun prüfen, wie der Spielbetrieb zu Ende gebracht werden kann. Sogar von Sonderregelungen für Fußballer während einer Quarantäne ist hier die Rede.

Fazit

Die Milliarden retten die DFL momentan anscheinend nicht – doch wer macht es dann? Eines ist sicher: Nach Corona rollt der Ball wieder, denn der Fußball wird nie aussterben. Wie das mit der DFL aussieht, bleibt offen.