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So soll die Karlsruher Innenstadt wieder Fußgänger-freundlicher werden

Karlsruhe (as) Von hinten kommt ein Auto, von der einen Seite und von vorn nahen Fahrräder, von der anderen Seite rollt ein E-Scooter und mittendrin: Der Fußgänger. Der muss aufpassen, dass er nicht unter die Räder gerät. Es gibt Straßenabschnitte in der Karlsruher Innenstadt, auf denen sich Fußgänger bedrängt und unwohl fühlen. Die Stadt will das ändern und mit der Fertigstellung von Kombilösung und Kriegsstraße auch ein neues Verkehrskonzept auf den Weg bringen. Helfen dabei sollen die Ergebnisse aus dem "Reallabor GO Karlsruhe".

Stadt Karlsruhe

Verbesserungsmöglichkeiten real testen

Wie kann die Situation für Fußgänger in der Karlsruher Innenstadt verbessert werden? Drei Jahre wurde daran von der Hochschule Karlsruhe geforscht mit dem Projekt “Go Karlsruhe” – und zwar unter realen Bedingungen direkt im Verkehr, mit einem sog. „Reallabor“.  Dafür hat das Wissenschaftsministerium einen Millionenbetrag zur Verfügung gestellt.  Das Reallabor ermöglichte den Verkehrsexperten in Zusammenarbeit mit der Stadt und weiteren Partnern, mit verschiedenen Maßnahmen zu testen, ob Fußgänger davon profitieren oder nicht.  

“Wenns keiner macht, braucht man das nicht umzusetzen”

Karlsruhes OB Frank Mentrup erklärt: “Mit dem Reallabor haben wir die Möglichkeit, Veränderungen einfach mal auszuprobieren und dann zu messen, wie das ankommt. Zum Beispiel Fahrradfahrer auffordern: Die Fußgängerzone ist ziemlich dicht, fahr doch an der Erbprinzenstraße lieber links rum und nicht geradeaus, dann kommst du schneller voran. Wenn wir dann aber die Erfahrung machen, dass es keiner tut und trotzdem alle mittendurch fahren, brauchen wir so eine Maßnahme nicht fest umzusetzen.”

Experimente waren keine endgültige Lösung

Schwierig dabei war wohl, den Bürgern zu vermitteln, dass eine Maßnahme im Experimentier-Status war. Das die Schilder, Displays oder Sperrungen nach einiger Zeit wieder vorbei sind und keine endgültige Lösung darstellten. Toll daran war laut Mentrup, “dass wir ein größeres Repertoire an möglichen Instrumenten an die Hand bekommen haben. Man kann Verkehr umleiten, die Teilnehmer zu mehr Rücksicht aufeinander anhalten, man kann einen Teil der Mobilität aus der Gleichung nehmen” – also viele Dingen ausprobieren und sehen, was sinnvoll sein könnte. 

Karlsruhe wird wohl nicht komplett autofrei

Eine komplett autofreie Innenstadt kann sich Mentrup nicht vorstellen. Dafür gebe es zu viele Parkhäuser, die erreichbar sein müssten. Darin könnte man allerdings auch Abschnitte für Fahrräder zur Verfügung stellen – den Bedarf gebe es. Dass noch mehr Straßen für Autos gesperrt und im Gegenzug attraktive Angebote für andere Mobilitätsmöglichkeiten geschaffen werden, hält der OB in den nächsten Jahren aber für möglich. Das müsse auf die unterschiedlichen Zielgruppen zugeschnitten werden – und eine davon müsse auch mit dem Auto in die Stadt kommen können, wenn sie es sonst nicht dorthin schaffen. 

Forschung wird prämiert

Projektleiter Professor Christoph Hupfer erklärte: “Die Ergebnisse des Reallabors zeigen, dass es möglich ist, mehr für Fußgänger in Karlsruhe zu tun – indem man die Veränderungen ausprobiert und für Fußgänger erlebbar macht.” Drei Jahre lang haben Wissenschaftler der Hochschule Karlsruhe die Maßnahmen begleitet, Daten gesammelt, Feedback der Nutzer erfragt und Schlussfolgerungen gezogen. Mit Erfolg: Das Projekt “Go Karlsruhe” ist für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie “Forschung” nominiert. Außerdem bekommt “Go Karlsruhe” den Deutschen Ingenieurpreis Straße und Verkehr.