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Karlsruher Generalintendant: “Wir haben der Sache der Frauen einen guten Schubs geben können”

Karlsruhe (as) Das Badische Staatstheater in Karlsruhe hat ganz frisch Bilanz gezogen:  313.000 Besucher kamen in der zurückliegenden Spielzeit, die Sparte Ballett hat mit über 50.000 Zuschauern ein neuer Rekord geknackt. Das Haus hat rund 750 Mitarbeiter - und die Führungsspitze liegt jetzt hauptsächlich in Frauenhänden. Alle Sparten werden von Frauen geleitet. Für die Schauspiel-Inszenierungen wurden dieses Mal nur Regisseurinnen verpflichtet. Revolutionär! Der männliche Generalintendant Peter Spuhler ist quasi "Quotenmann" und meint in der "Martin Wacker Show" auf der neuen welle: Und das  ist gut so!

Foto: dnw / Julian Linder

Meist haben Männer im Theater das Sagen

Wenn man in die deutsche Theaterlandschaft schaut, steht hinter vielen Inszenierungen und Leitungs-Funktionen ein Männername. Frauen an der Spitze sind wie in vielen anderen Bereichen auch oft (noch) unterrepräsentiert. Karlsruhe macht das anders: Am Badischen Staatstheater haben seit dieser Spielzeit Frauen das Sagen. Nur der Oberboss ist ein Mann – und bleibt auch vorerst auf dem Posten. Der Vertrag vom langjährigen Generalintendant Peter Spuhler wurde jüngst bis 2026 verlängert. Regisseurinnen und Theatermacherinnen – ein ganz wichtiger Bestandteil der gesellschaftlichen Aufgabe von Theater, von Kunst, erklärte er in der “Martin Wacker Show” auf der neuen welle:

Eine Studie vom deutschen Kulturrat hat im Zeitraum von 1994 bis 2014 untersucht, wie die Geschlechterverhältnisse in der deutschen Theaterlandschaft sind:

  • Nur 22 Prozent der Intendanzen waren demnach weiblich besetzt
  • Inszenierungen wurden zu 70 Prozent von Männern verantwortet
  • In Führungspositionen waren Frauen völlig unterrepräsentiert.
  • Nur im Bereich Dramaturgie und Regieassistenz gab es ein etwa ausgeglichenes Verhältnis
  • Es gibt es mehr Souffleusen als Souffleure

Der Verein “Pro Quote Bühne” hatte 2015 eine öffentlichkeits-wirksame Kampagne für mehr Frauen an massgblichen Stellen in der Theaterlandschaft gestartet. Ob die patriarchalischen Strukturen (gegen die das Theater in den Stücken oft selbst Sturm läuft) auch in den eigenen Reihen weiter aufgeweicht werden, muss die Zeit zeigen. Sie scheint dafür mehr als reif zu sein.