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Facts aus erster Hand zum legendären Woodstock-Festival: Fotograf Elliott Landy erzählt

Karlsruhe (as) Man nennt es auch die "Mutter aller open air-Festivals", das legendäre Woodstock-Event von 1969 mit Flower Power, Love an Peace, aber auch Sex, Drugs and Rock'n'Roll - und einem totalen Chaos. Es wurde zum Synonym für ein Jahrhundertereignis. Zum Statement der damaligen Jugend einerseits, aber auch zur Hölle auf Erden andererseits. Die Bilder vom offiziellen Woodstock-Fotografen  Elliott Landy gingen um die Welt und Woodstock ist bis heute eine legendäre Marke.  Jetzt, zum 50-jährigen Jubiläum, war der Zeitzeuge und langjährige Rock-Fotograf in Karlsruhe zu Gast in der Martin Wacker Show auf der neuen welle.

Foto: Elliott Landy

Nichts lief wie geplant

Es war ein Musik-Festival, das einfach nur als legendär gelten kann. Woodstock. Das Stichwort reicht, und Generationen von Musikfans wissen, was gemeint ist. Ein besonderes Lebensgefühl und gigantische Pop- und Rockmusik einerseits, eine Schlammschlacht und unhaltbare Zustände andererseits. Nichts lief wie geplant. Eine wahre Menschenmasse sorgte für ungeahnte Probleme – dennoch blieb es friedlich.  Das alles vor der US-Kulisse von Vietnamkrieg, Krawallen, Rassenunruhen und politischen Morden wie an Martin Luther Kind und Kennedy. Auf dem Festival kreisten Joints und LSD, und die Besucher sprachen von Frieden und Liebe. Nicht alle, aber unzählig viele. Es war ein Aufbegehren, eine Gegenkultur gegen brave Bürger, die weder die Musik noch die Frisur noch den Modegeschmack der Hippie-Jugend mochten. Die balancierte zwischen individueller Freiheit und individueller Verantwortung.

Aus Szene-Fotograf wird Rock-Fotograf

Elliott Landy war in den 60ern Szenenfotograf beim Film und warf das hin, um sich der Dokumentation der Protestkultur zu Zeiten des Vietnamkriegs zu widmen. Er begleitete Janis Joplin auf Tournee, hielt Jimi Hendrix, The Doors, Bob Dylan und The Band aus nächster Nähe im Bild fest und gehörte während des Woodstock-Festivals zu den Wenigen, die auf der Bühne fotografieren durften. In der Martin Wacker Show auf der neuen welle erzählt Landy, wie es dazu kam:

Das ganze Interview mit Elliott Landy in der Martin Wacker Show-Spezial auf der neuen welle am Mittwoch, 14. August zwischen 20 und 22 Uhr, das Video sehen Sie hier

Drei Facts über Woodstock, die jeder wissen sollte

  • Mythos

“Woodstock” fand gar nicht in Woodstock, New York statt. In der “Künstler-Kolonie” lebten damals Bob Dylan, The Band und Van Morrison. Viel mehr mussten die Veranstalter in das Dorf White Lake bei der Kleinstadt Bethel, etwa 75 Kilometer entfernt ausweichen. In Woodstock selbst hatte man Angst, dass der Ort von zu vielen Festival-Besuchern überrannt werden könnte. Weil “Woodstock” aber schon überall aufgedruckt war, blieb der Name und wurde zur Legende. Kritiker sprechen teils auch von einer völligen Verklärung des Festivals, leichtsinnige Lebensgefahr statt friedliches Paradies. Ein Mythos, der nicht der Realität entspreche. Wer dabei war, weiß wie es war – zumindest in der Erinnerung. Andere müssen sich selbst eine Meinung bilden. Sicher ist, dass sich Woodstock mit all seinen Facetten nicht wiederholen lässt, auch wenn es versucht wurde. 

  • Chaos

Vier junge Leute waren Veranstalter, darunter die (profitorientierten) Hippies Artie Kornfeld und Michael Lang. Die hatten sich 50.000 Besucher erhofft – gekommen waren über eine halbe Million. Mehr als eine Million weitere Musikfans standen im Stau oder wurden zurück geschickt. Die Folge: von allem zu wenig, dazu schlechte Drogen und viel zu viel schlechtes Wetter. Das Gelände wurde zum Katastrophengebiet. Lebensmittel wurde von Militärhubschraubern abgeworfen, ein Mega-Gewitter sorgte nicht nur für ein durchweichtes Publikum. In einem Wort: ein Riesenchaos mitten in einer Riesenparty mit magischem “Spirit”. Übrigens auch finanziell ein Desaster: Kurz nach Eröffnung wurden die Zäune niedergerissen, die Menschen kamen mit und ohne Eintrittskarte. Die Organisatoren standen vor dem finanziellen Ruin. Erst Veröffentlichungen über das Festival später, der Doku-Film und die Marke warfen Geld ab. Die Filmrechte verkauften die Veranstalter an Warner für angeblich eine Million Dollar . Eingespielt haben soll die Doku 120 Millionen.

  • Musik

Es war ein Who is who der Musik. Die ganz Großen der Szene, Bob Dylan, die Beatles und die Rolling Stones fehlten zwar, aber The Who, Grateful Dead und Gitarrengott Jimi Hendrix waren da, oder die hochschwangere Joan Baez. “Freedom”, Richie Havens’ Spontan-Version des Spirituals “Motherless Child”, war absolut improvisiert. Es sollte die Zeit bis zum nächsten Auftritt überbrücken und wurde zur wahren Woodstock-Hymne. Beinahe so, wie “With a little Help from my friends”, der Beatles-Song in der Version vom damals noch unbekannten Joe Cocker. Auch die Stunde von Santana sollte erst später kommen. So verzerrt hat die Nationalhymne vermutlich kaum wieder jemand wie Jimi Hendrix. Ob Mythos oder Wahrheit, eines bleibt Woodstock immer: Ein Jahrhundert-Ereignis. Bilder von Elliott Landy sind zu Ehren des 50-Jährigen Festival-Jubiläums dieses Jahr Teil der Schlosslichtspiele Karlsruhe.  Allein am ersten Eröffnungswochenende haben sie schon 65.000 Besucher gesehen.