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Foto: Gaul

Auf Schliemanns Spuren: Löwentor und Goldmaske aus Mykene in Karlsruhe

Karlsruhe (dpa/as) Nach dem überwältigenden Erfolg der “Ramses”-Ausstellung mit weit über 90.000 Besuchern 2016/17 hat das Badische Landesmuseum in Karlsruhe eine neue spektakuläre Sonderausstellung vorbereitet. Statt der antiken Welt vom Nil steht dieses Mal das frühe Griechenland im Fokus. Dabei haben die Ausstellungsmacher es geschafft, Exponate zu beschaffen, die teils noch nie außerhalb von Griechenland zu sehen waren – wie die “Goldmaske des Agamemnon”, die Heinrich Schliemann  1876 bei Ausgrabungen im griechischen Mykene entdeckte.

Europas erste Festland- Hochkultur

Mykene – benannt nach einer der bedeutendsten Städte Griechenlands in vorklassischer Zeit – brachte zwischen 1600 und 1200 v. Chr. die erste Hochkultur auf dem europäischen Festland hervor. Etwa 400 spektakuläre Funde aus der Zeit sind ab Samstag, 1. Dezember im Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss zu sehen. 

16. Jh. v. Chr., Mykene, Grabfund Archäologisches Nationalmuseum Athen © Hellenic Ministry of Culture and Sports, Foto: S. Mavrommatis

Originale aus Schliemann-Ausgrabung 

Heinrich Schliemann stieß bei seinen Ausgrabungen 1876 auf einen Leichnam. Auf dem Gesicht eine goldene mondförmige Maske, auf der Brust eine goldene Platte, um den Toten herum Bronzeschwerter, goldene und silberne Kelche sowie Alabastervasen. So hat sich der Homer-Fan Agamemnon vorgestellt, den Anführer der Griechen im Trojanischen Krieg. Auch wenn die Einordnung nicht korrekt war, ging der Fund als “Goldmaske des Agamemnon” in die Geschichtsbücher ein. Sie stammt tatsächlich aus der Zeit um 1600 vor Christus und ist erstmals in Deutschland zu sehen. Sie ist ein Highlight der großen Mykene-Schau “Die sagenhafte Welt des Agamemnon”.

 

Löwentor ebenfalls Ausstellungs-Glanzstück

Besucher sehen auch den historischen Abguss des gewaltigen Löwentors, das schon  30 Jahre vor Schliemanns Grabungen von einem griechischen Archäologen entdeckt wurde. Mit riesigen Fotos wird man in die Zeit von Schliemann  zurückversetzt. Homers Angaben zum goldreichen Mykene scheinen dadurch bestätigt. 

 

Grabbeigaben von Troja-Held

Von der typischen mykenischen Bügelkanne über reich verzierte Palastvasen, Amphoren, Fresken schöner Damen mit Doppelzopf und Elfenbeinkämmen bis hin zu Schwertern und Geschmeide aus Gold und Edelsteinen – Beigaben aus dem “Grab des Agamemnon” in Mykene sind ebenso zu sehen wie Kostbarkeiten von Kriegern aus den Kuppelgräbern von Kakovatos. Ein in Originalgröße nachgebauter Thronraum nach dem Palast des Nestor in Pylos lädt zur Zeitreise. Fotos dokumentieren die berühmten Kyklopenmauern um die Paläste, die aus so großen Brocken bestanden, dass nach Ansicht von Zeitgenossen nur Riesen sie bauen konnten.

Noch nie öffentlich Gezeigtes

Erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird die “Krone von Routsi”,  die vielleicht einzige vollständig erhaltene Priesterinnenkrone aus mykenischer Zeit. Zu den spektakulärsten Objekten gehören die Beigaben aus dem”Grab des Greifenkriegers” von Pylos – darunter Goldsiegelringe, eine Goldkette mit Achat- und Lapislazuli-Perlen sowie ein fein gravierter Achatsiegelstein namens “Combat Agate”. Auf dem Miniatur-Kunstwerk macht ein durchtrainierter Kämpfer mit langem Wallehaar seinen Feinden den Garaus. Helden legten auch Wert auf Körperpflege: Neben Waffen, Schmuck und Geschirr fanden sich Rasiermesser und Bronze-Spiegel in ihren Gräbern.