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Wie geht digitale Selbstverteidigung?

Jens Glutsch

Karlsruhe (tra). Als Jens Glutsch 1972 in Karlsruhe geboren wurde, hatte noch niemand erahnen können, was er heute beruflich macht. Seinen Beruf und das gesamte Umfeld dazu gab es damals noch nicht.

Nur, was macht der 43-Jährige beruflich? „Ich helfe Menschen dabei, ihre persönlichen Daten zu schützen und ihre Privatsphäre zu stärken“, so beschreibt Glutsch selbst seine Tätigkeit. „Digitale Selbstverteidigung“ biete er an. Konkret heißt das, dass er Tipps gibt, wie man seine Privatsphäre schützen kann, wie man verhindern kann, das ein Profil von einem erstellt werden kann, wie man sicher per E-Mail kommunizieren, Facebook sicher nutzen oder Suchmaschinen nutzen kann ohne, dass man „getracked“ wird. Auch informiert er über Alternativen zu WhatsApp oder wie man Kinder im Internet schützen kann. Natürlich ist die Passwort-Sicherheit ebenfalls ein Thema zu dem er Aufklärung gibt.

Er fasst seine Arbeit so zusammen: „Durch meine Arbeit unterstütze ich Menschen dabei, zu erkennen, wo ihre Daten hinfließen.“

Den Schutz der Privatsphäre in die eigenen Hände nehmen

„Mir ist dabei wichtig, dass ich nicht auf den Einsatz weiterer Technologie abziele, sondern meine Klienten mittels einfacher Maßnahmen in die Lage versetze, den Schutz der Privatsphäre wieder in die eigenen Hände zu nehmen“, sagt der Experte, der am Liebsten vor Ort arbeitet. „Auf diese Weise kann ich mich am Besten auf meine Klienten einlassen. Am Telefon stimme ich mich initial ab, um festzulegen, welche Sicherheitsziele wir erreichen wollen. Aber die Arbeit Face-to-Face halte ich für besser, es ist einfach ein direkterer Kontakt“, sagt Glutsch. Neben der Beratung einzelner Kunden bietet er auch Seminare und Vorträge an.

Eine Herzensangelegenheit

Glutsch betrachtet seine Arbeit als eine Herzensangelegenheit: „Ich will nicht mehr tatenlos zusehen, wie von unterschiedlichster Seite die Privatsphäre und der Datenschutz immer stärker eingeschränkt werden.“

Seine Kenntnisse, die er in 15 Jahren Arbeit in der IT und während seines Informatik-Studiums gesammelt hat, möchte er weitergeben. „Ich halte es für wesentlich, Menschen einen gesunden Umgang mit digitaler Kommunikation und neuen Medien zu lehren“, lautet sein Credo.

Aus diesem Grund hat er sich vor kurzem selbstständig gemacht. Er ist fest davon überzeugt, dass seine Arbeit etwas Gutes in der Gesellschaft bewirken kann.

Die Zielgruppe

Zu seiner Zielgruppe zählen alle Privatpersonen, „die gerne gelassener digital kommunizieren wollen, ein Smartphone besitzen und irgendwie das Gefühl haben, dass flächendeckende Überwachung und Manipulation blöd sind“.

Darüber hinaus hilft er Handwerkern, Therapeuten, Anwälten, Coaches und kleinen und mittleren Betrieben, die keine eigene IT-Abteilung haben und für die die digitale Welt immer mehr eine Belastung wird.

Wie sieht eine Beratung bei ihm aus?

Zunächst erstellt Glutsch gemeinsam mit seinem Klienten eine Analyse der vorhandenen oder gefühlten Bedrohungslage. Damit wird gemeinsam festgelegt, an welchen Punkten gearbeitet wird. Neben Einzelberatungen gibt es übrigens auch Gruppenberatungen, diese sind zum Beispiel ideal für Familien.

Infos auf seinem Blog und Tipps

Wer regelmäßig Ideen und Ansatzpunkte zum Schutz der Privatsphäre sammeln möchte, kann diese auf seinem Blog (blog.data-detox.de) erhalten. Sein genereller Tipp lautet: „Kritisch sein. Nicht alles ungefragt hinnehmen!“ Neue Entwicklungen, wie etwa Dinge der Heim-Automatisierung ("smarte" Lichter, "smarte" Heizungssteuerungen, "smarte" Fernseher), die uns ein mehr an Bequemlichkeit bieten, kommen immer mit einer Einschränkung unserer Privatsphäre und digitaler Sicherheit daher“, so der Fachmann. Außerdem empfiehlt er Bücher zu dem Thema zu lesen. Für die regio-news.de-Leser hat er zwei Tipps: Max Schrems, "Kämpf um deine Daten", und Anitra Eggler, "Facebook macht blöd, blind und erfolglos".

„Bei diesen beiden Büchern zeigt sich besonders, dass die Literatur zum Thema ‚Schutz der Privatsphäre‘ kein trockener Stoff sein muss, sondern dass dieses gesamte Thema durchaus mit Spaß angegangen werden sollte“, sagt Glutsch, der das auch in seiner Arbeit vermitteln möchte.

Er selbst bildet sich ständig weiter, liest Blogs (Kuketz-Blog, https://www.kuketz-blog.de; Fefes Blog, http://blog.fefe.de) oder informiert sich auf Webseiten (Heise Security, http://www.heise.de/security; netzpolitik.org, https://netzpolitik.org) zu dem Thema. „Wer selbst ein Experte auf dem Gebiet werden möchte, kann bei Bruce Schneier (https://www.schneier.com/blog/) und bei Brian Krebs (http://krebsonsecurity.com) vorbeischauen“, so seine Empfehlung.