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Fußballfachmann Dietmar Blicker: "Manchmal kann es helfen, eine Taktiktafel herumzuwerfen"

Karlsruhe (msch) - Jeden Sonntag trifft Martin Wacker prominente Persönlichkeiten aus der Region. Diesmal war Dietmar Blicker zu Gast. Der Sportwissenschaftler arbeitet am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Neben seiner Tätigkeit trainiert er aber auch die Verbandsliga Mannschaft des ATSV Mutschelbach. Außerdem schult er die Trainer des Jugendbereichs beim KSC und hat nebenbei auch noch ein Buch veröffentlicht. Mit Martin Wacker hat er sich ein Fußballfachgespräch geliefert und ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert.

Foto: dnw

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Mittelstürmer für SVK Beiertheim

Der Fußballprofessor spricht nicht nur über Fußball, er hat auch lange selbst aktiv gespielt. Als Mittelstürmer ist er für die SVK Beiertheim auf Torejagd gegangen. Seine Stärken sah er vor allem in seinem guten Schuss und seine Schnelligkeit. "Über die vierte Liga hinaus hat es aber nicht gereicht", erzählt Blicker. Dem Fußball ist er trotzdem treu geblieben: als trockener Analytiker und als emotionaler Fan des KSC. Durch seine Tätigkeit am KIT erlebt Blicker, wie Fußball und die Datenanalyse immer mehr miteinander verschmelzen. "Im Fußball ist Big Data ein großes Thema", erklärt er. Big Data beschreibt all die Daten, die während eines Fußballspiels über die Fußballspieler erhoben werden. Die Kunst liege aber insbesondere darin, aus all den erhobenen Daten die richtigen Daten herauszufiltern. Da seien dann Informatiker gefragt. "Die müssen nicht gegen den Ball treten können", so Blicker. Als Fußballfan wird der Fußballprofessor aber auch mal unanalytisch. Vor allem wenn es um seinen Herzensverein geht. "1981 habe ich mein erstes Spiel gesehen. Der KSC hat 4:1 gegen Bayern gewonnen." Nach vielen durchwachsenen Jahren stellt der Fußballfan nun eine große Aufbruchsstimmung  beim KSC fest. "Das neue Stadion gibt allen Auftrieb", freut er sich.

Geschockt vom Länderspiel-Debakel gegen Spanien

Auch der promovierte Sportwissenschaftler hat vergangenen Dienstag das Deutschland-Debakel gegen die spanische Nationalelf live im TV angeschaut. Er war negativ vom Spielstil der deutschen Elf beeindruckt: "Das deutsche Team hat sich vor dem Gegner ergeben." Ein besonderes Auge hatte der Fußballprofessor, der selbst eine Verbandsligamannschaft trainiert, dabei auf den deutschen Trainer Joachim Löw: "Ich glaube bei so einem Spielstand muss man in der Pause etwas extremes machen", erklärt Blicker. Hin und wieder sei es auch mal nötig, total auszuflippen. "Manchmal kann es helfen, eine Taktiktafel herumzuwerfen." Als Trainer des ATSV Mutschelbachs sei er selbst eher der emotionale Trainertyp: "Meine Spieler fordern das aber auch ein. Sie freuen sich über die Energie vom Spielfeldrand. Man kann doch nicht als Trainer während des Spiels wie versteinert auf der Bank sitzen, aber die Spieler in der Halbzeitpause zu mehr Engagement aufrufen."

Das Spiel in der Endzone

Der Fußballfachmann ist jüngst auch als Autor in Erscheinung getreten. Gemeinsam mit Michael Bischoff, dem sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und Lukas Kwasniok, aktuell Trainer vom FC Saarbrücken, hat er das interaktive Football-Playbook "Offensive - Mit dem Ball in der Endzone" veröffentlicht. Die drei Autoren haben sich während ihrer gemeinsamen Zeit bei dem KSC kennengelernt. "Wir sind alle drei fußballverrückt", erklärt Blicker. Das Spiel vor dem gegnerischen Tor sei das schwierigste Thema im Fußball: "Wenig Zeit, viele Gegner, viel Druck." Das wichtigste sei daher Entschlossenheit: "Man muss das Tor machen wollen und nicht wie im Handball um das Tor herumspielen." Als Vorzeigebeispiele nennt Blicker Christiano Ronaldo und Robert Lewandowski. "Beide Spieler suchen ihren Gegenspieler und bleiben bei ihnen, bis ein Pass auf sie gespielt wird. Erst dann lösen sie sich", analysiert der Sportwissenschaftler. Das hätten sie vielen anderen Stürmern voraus.


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