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Schneiderin Kerstin Brand hat ihrer Puppe immer etwas Passendes mitgenäht

Karlsruhe (lk) - Jeden Sonntag trifft Martin Wacker prominente Persönlichkeiten aus der Region in der Martin Wacker Show. Diesmal ist die Schneiderin Kerstin Brandt zu Gast gewesen. Sie ist Schneiderin und macht unter anderem auch die roten Roben für die Richter im Bundesverfassungsgericht. Seit Jahren kümmert sich Kerstin Brandt um die Ausstattung der Richter. In ihrer Schneiderei im Alten Schlachthof in Karlsruhe designt sie aber auch noch viel mehr. Was sie angefangen hat zu schneidern, als Corona kam, das hat Kerstin Brand in der Martin-Wacker-Show erzählt.

Foto: dnw

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Als Kind von Knöpfen und Borten fasziniert

Kerstin Brand ist Designerin, Maßschneiderin und dafür zuständig, dass die roten Roben der Verfassungsrichter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe richtig sitzen. Zum Schneidern ist sie bereits als kleines Kind gekommen, als ihre Mutter sie mehrfach mit zu einer Schneiderin genommen hat. "Das war damals ein riesen Highlight für mich. Ich hab in diesen alten Knöpfen, Borten und Pailletten gewühlt - das waren für mich Schatzkisten. Und immer wenn ich einen Rock oder ein Kleid bekommen habe, hat meine Puppe Steffi was Passendes bekommen", lacht Kerstin Brand im Interview mit der neuen welle. Mit 12 Jahren hat sie sich dann die erste eigene Nähmaschine gekauft. "Mindestens ein bis eineinhalb Jahre habe ich mir dann jeden Nachmittag von der Schneiderin die ersten Tricks und Kniffe zeigen lassen."

Mode in der DDR und in Baden

Das Hobby hat Kerstin Brand schließlich zum Beruf gemacht. Früh hat sie sich in ihrer Heimat in der DDR für ein Modedesign-Studium in Thüringen entschieden. Nach 3,5 Jahren Wartezeit durfte sie schließlich mit ihrer Familie aus der DDR ausreisen. Sie hat die Schneiderlehre mit 17 Jahren abgebrochen und kam in den Westen. "Ich hab damals den Boden unter den Füßen verloren. Neue Welt, neue Eindrücke, keine Freunde mehr. Und ich habe in Rastatt, wo wir angekommen sind, nichts verstanden", erinnert sich Kerstin Brand. In der neuen badischen Heimat hat sie sich dann auf eigene Faust eine neue Lehrstelle als Schneiderin gesucht. "Die Mode in der DDR war aber eine ganz andere als hier. Von den Tricks der alten Schneiderin kann ich aber noch heute profitieren, das hat mir hier niemand zeigen können."

"Gerichtsdienerin war streng und resolut"

1999 stand dann auf einmal eine Gerichtsdienerin in Kerstin Brands Atelier. "Ich wusste ja erst gar nicht wer das ist. Aber die Frau war streng, resolut, sehr groß, sehr schlank und hatte kurze Haare", so Brand. Zunächst hätte die Frau nur Reparaturen an den Roben in Auftrag gegeben, um zu sehen "ob sie das hier überhaupt könnten". Damals war Kerstin Brand durch das bestimmte Auftreten der Frau verunsichert. "Ich hatte damals ja noch gar nicht das Selbstbewusstsein von heute." Trotzdem habe Brand einfach mal "Ja" gesagt und so nahm die Geschichte ihren Lauf. Dass die Gerichtsdienerin damals in das Atelier in der Amalienstraße geschneit kam, sei damals wohl nur Zufall gewesen, vermutet Brand. Inzwischen ist Kerstin Brand exklusiv zuständig für die Roben und Baretts der Verfassungsrichter am Verfassungsgericht und der Richter am Bundesgerichtshof zuständig.

Roben aus altem Vorhangstoff

Rund um Karlsruhe hält sich das Gerücht, dass die ersten Roben der Verfassungsrichter aus alten Vorhängen des Badischen Staatstheaters geschneidert worden sind. Und Kerstin Brand weiß, dass diese Geschichte auch stimmt: "Man hatte einfach nicht so viel Stoff. Und das einzige, wo so viel Soff hergab waren die Vorhänge. So kam auch die Farbe zustande. Aber man hat vermutlich auch explizit nach einer erhabenen Farbe wie rot gesucht." Heute schneidert Kerstin Brand die Roben aber nicht mehr aus altem Vorhangstoff. "Die Roben sind inzwischen viel leichter und komfortabler geworden. Aber eine gewisse Schwere müssen sie haben, um richtig zu fallen." Eine Original-Robe aus altem Vorhangstoff ist aber noch im Verfassungsgericht ausgestellt.