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Pilotprojekt für weniger Plastikmüll in Karlsruhe: “Kraneberger” statt Flaschenwasser

Karlsruhe (as) Alle Welt redet im Moment vom Klimaschutz - und dennoch werden täglich weiter Millionen von Litern Wasser in Plastikflaschen verkauft. Dabei kommt Wasser auch bequem zuhause direkt aus dem Hahn. In der Karlsruher Oststadt entsteht jetzt eines der ersten von bundesweit 12 "Wasserquartieren", die Vorteile von Trinkwasser aus dem Wasserhahn anstelle von Flaschenwasser mehr ins Bewußtsein rücken sollen.

Foto: PublicDomainPictures / pixabay

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Hahnen-Wasser contra Flaschenwasser

“Trinkwasser ist Lebensmittel Nummer eins” heißt es zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen und das wird in Deutschland durch die Trinkwasserverordnung extrem streng kontrolliert. Dennoch haben viele Deutsche Hemmungen, das Leitungswasser direkt aus dem Hahn dauerhaft zu trinken und auch sog. Wassersprudler sind noch längst nicht überall angekommen. Themen wie Nitrat oder PFC im Grundwasser oder Blei in den Rohren trägt auch nicht gerade zur Vertrauensbildung bei. Wie vertrauenswürdig demgegenüber Plastikflaschen sind, sei dahingestellt. 

Verein empfiehlt Leitungswasser

Sicher ist aber, dass der Plastikmüll durch Wasserflaschen Riesenberge verursacht. Der Flaschenwasserkonsum hat sich seit den 70er Jahren mehr als verzehnfacht und die CO2-Emission durch Betrieb und Vertrieb ist dementsprechend hoch. Die Mineralwasserindustrie hat es offenbar gut verstanden, ihre Produkte erfolgreich an den Mann und die Frau zu bringen. Der Verein “a tip: tap” (zu deutsch: “Ein Tip: Leitungswasser”) organisiert das Projekt “Wasserwende” des Bundesumweltministeriums, bei dem durch Aufklärung zum Umstieg von Flaschenwasser auf Trinkwasser angeregt werden soll – auch im Sinne des Klimaschutzes. 

Karlsruher bauen immensen Müllturm aus Plastikflaschen

14.000 Kilometer – so hoch würde ein Turm aus übereinander gestapelten Wasserflaschen, der jährlich in Karlsruhe anfällt, sagt Matthias Maier von den Karlsruher Stadtwerken. Er plädiert für das “Kraneberger”, also Wasser aus dem Hahn statt aus der Flasche.  Das Karlsruher Trinkwasser genüge den höchsten Qualitätsansprüchen, sei von Schadstoffen völlig unbelastet, reich an gesunden Mineralien und habe einwandfreie mikrobiologische Qualität. Zum Durstlöschen gebe es keinen Grund, Mineralwasser in Flaschen zu kaufen.

Auch Verbraucherschützer empfehlen Leitungswasser

Auch die Verbraucherzentralen halten Leitungswasser für eine bedenkenlose und ökologisch sinnvolle Alternative zu Mineralwasser und empfehlen: 

  • Leitungswasser ist der ideale Durstlöscher. Es ist in Deutschland überall von sehr guter Qualität. Sofern keine Bleileitungen im Haus sind, kann es problemlos getrunken werden. 
  • Leitungswasser ist circa 100 mal preiswerter als Mineralwasser aus Flaschen und wird direkt frei Haus geliefert.
  • Die Klimabelastung durch Mineralwasser in Deutschland im Durchschnitt 600 mal höher als bei Leitungswasser.
  • Lassen sie das Wasser vor der Benutzung zum Trinken immer so lange laufen, bis es kühl aus dem Hahn kommt. Dann ist es frisch.

Wasserbelastungen verunsichern Nutzer

Das Verbraucher dennoch verunsichert sind – zum Beispiel durch die PFC-Problematik im Bereich Baden-Baden/Rastatt – ist nicht unverständlich. Aber auch Ökotest geht davon aus, dass der Anteil der Schadstoffe in unserem Leitungswasser dank der strengen Trinkwasserkontrollen (noch) so gering ist, dass er keinen Effekt mehr auf unsere Gesundheit hat. Allerdings kann sich das durch die Nitratbelastung unserer Böden oder Arzneimittelrückstände ändern. So wird der Filterungsaufwand immer größer – und damit das Trinkwasser möglicherweise demnächst auch teurer. 

Alte Rohre sind ein Knackpunkt

Auch wenn die Stadtwerke einwandfreies Trinkwasser bis zum Hausanschluss zur Verfügung stellt – wenn es danach durch veraltete Rohre wie beispielsweise noch in einigen Altbauten aus dem Hahn kommt, könnten Spuren von Blei, Kupfer, Cadmium oder Nickel enthalten sein. Rost oder Kalk hingegen sind meist gesundheitlich unbedenklich.