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Hier ist die Müll-Polizei an Hotspots der Region in und um Karlsruhe unterwegs

Karlsruhe / Bretten/ Pforzheim (as) Zigarettenkippen, Kaffeebecher, Bäckertüten, Pizzakartons  oder weggespuckte Kaugummis: Viele Städte in der Region haben ein Riesen-Müllproblem in Grünanlagen, auf Plätzen oder in Einkaufsstraßen.  Obwohl der Bußgeldkatalog für Müllsünder vom Land verschärft und mit groß angelegten Kampagnen gegengesteuert wurde, zeigt das vielerorts auch mangels Kontrollen wenig Wirkung. Spezielle städtische Müll-Sheriffs sollen in immer mehr Kommunen durchgreifen.

Foto: Matton Images

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Müllsünder gezielt ausfindig machen

Es ist eine negative Folge der “to go”-Mentalität: Wo Einwohner oder Besucher gehen und stehen, wird einfach achtlos etwas vom Essen, Trinken oder Rauchen fallen oder liegen gelassen, auch wenn Mülleimer in der Nähe sind. Die Folge:  Das Stadtbild wirkt ungepflegt, die städtischen Mitarbeiter kommen kaum gegen die Abfälle an, Müllgebühren werden immer teurer. Um die wahren Urheber zur Kasse zu bitten, greifen nach Großstädten wie Hamburg oder Mannheim auch im Kreis Karlsruhe oder im Enzkreis immer mehr Kommunen hart durch: Sie richten extra Stellen für sogenannte Müll-Polizisten ein. Die sollen auf Streife gehen, um gezielt solche Dreckspatzen aufzuspüren und zur Vernunft zu bringen.

Müll-Sheriffs in Bretten und Pforzheim

Und das wird für den Ertappten dann nicht billig: In Bretten beispielsweise kostet es 100 Euro Geldbuße plus Gebühren, wenn die Zigarettenkippe einfach auf die Straße geschnipst wird. Dort sind seit diesem Monat Müll-Streifen unterwegs an den Müll-Hot-Spots. Die Stadt Pforzheim hat für die Müll-Polizei drei neue Stellen im Haushalt eingeplant, die noch in diesem Jahr besetzt werden sollen. Außerdem wurden auch die Geldbußen drastisch erhöht. Kostete eine weggeworfene Zigarette vorher 20 Euro, sind es jetzt 75, für einen weggeworfenen Pappbecher und andere Kleinabfälle werden 50 Euro fällig, wer die Hinterlassenschaft seines Hundes nicht wegräumt, löhnt 150 Euro. Über 100 mal wurden von der Stadt Pforzheim in 2018 Müllsünder erwischt und Knöllchen verteilt. 

Karlsruhe setzt auf Dreck-weg-Wochen

In Karlsruhe ist das Ordnungsamt zuständig, wenn es um die Kippen- und Kaugummi-Sünder geht. Auch hier wurde der Bußgeld-Katalog verschärft. Spezielle Müll-Sheriffs, die nur dazu auf Streife gehen, gibt es aber nicht. Vielmehr geht der Kommunale Ordnungsdienst bei seinen Touren auch auf diejenigen zu, die ihren Ab-fall im wahrsten Sinne des Wortes fallen lassen. Immer im Frühjahr sind die sog. “Dreck-weg-Wochen”, bei denen Freiwillige im Stadtgebiet ihre Umgebung müllfrei machen. Die Bereitschaft der Karlsruher dazu wächst von Jahr zu Jahr. Dieses Mal waren weit über 13.000 Privatleute, Gruppen, Vereine und Institutionen dabei. Einige haben sich auch bereit erklärt, über die Dreck-Weg-Aktion hinaus das ganze Jahr über die Hinterlassenschaften anderer an bestimmten Plätzen aufzusammeln. Das zeigt, wie störend und unhygienisch Müll im Stadtbild empfunden wird. Ein großes Problem ist das zum Beispiel auch im Schlossgarten. 150.000 Euro Steuergelder kostet das Aufsammeln jährlich. Neue Hinweisschilder machen darauf aufmerksam, respektvoll mit der Natur umzugehen und mitgebrachte Flaschen, Verpackungen und Essensreste bitte zu Hause zu entsorgen. 

Baden-Baden hat anderes Müllkonzept

Die Stadt Baden-Baden hat keine speziellen Müll-Sheriffs, die gezielt Dreckspatzen zum Umdenken bewegen wollen. Aber kürzlich wurde ein Müllkonzept im Gemeinderat verabschiedet, dass störende Mülltonnen im Stadtbild den Kampf angesagt hat. Nicht nur der Anblick selbst ist unschön, auch herausgewehter oder mutwillig verteilter Unrat sollen so vermieden werden. Problematisch ist auch, dass an Altglas-Container-Standorten, Feldwegen oder Waldparkplätzen einfach illegal Müll abgeladen wird. Hier gibt es eine neue Stelle für die Abfallberatung im Haushalt, bei der jemand auch darauf achtet, dass die Ablade-Plätze noch häufiger angefahren werden und dass nicht schon Tage vor der Abholung die Abfall-Behälter auf der Straße stehen.  In hartnäckigen Wiederholungsfällen soll dann ein Bußgeld von 100 Euro erhoben werden können. Gegen lästigen Kleinmüll durch Disziplinlosigkeit wie Zigarettenkippen und Co setzt die Kurstadt auf größere Papierkörbe und Reinigungskräfte, die sogar am Wochenende aktiv sind. Außerdem will man mit einer “Coffee to stay” statt “Coffe to go” – Kampagne erreichen, Baden-Baden als Ort zum Flanieren und  Verweilen mehr in den Vordergrund zu rücken.