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Heuschnupfen: Tipps vom Karlsruher Allergologen, was wirklich hilft

Karlsruhe (as) So geniales Wetter zu Ostern gab es in Baden seit Jahrzehnten nicht mehr - klarer, blauer Himmel, Sonne von früh bis spät, dazu leichter bis böiger Wind, frühsommerliche Temperaturen.... genial sagen die einen - andere hingegen haben die Feiertage drinnen verbracht oder konnten nur vollgepumpt mit Medikamenten die Sonne im Freien genießen: Es war die Hölle für Allergiker und ein Fest für Pollen. Der Karlsruher Dermatologe Dr. Dirk Meyer-Rogge erklärt im Gespräch mit der neuen welle, was wirklich bei Heuschnupfen hilft.

Foto: Cenczi / pixabay

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Baumpollen machen gerade das Leben schwer

Birkenkätzchen sind zwar hübsch anzusehen, lösen aber bei Allergikern schwere Reaktionen aus. Foto: Innviertlerin / pixabay

Besonders Birkenpollen sind im Moment so hochkonzentriert in der Luft, dass Heuschnupfen-Betroffene es kaum abwarten können, bis der nächste Regen kommt. Der senkt aber die Pollen in der Luft nach unten – und deswegen verstärken sich Beschwerden erst mal. Erst, wenn die Luft quasi reingewaschen ist, können Allergiker wieder einigermaßen frei durchatmen.

Draußen nur mit Doping 

Um diese Jahreszeit sind besonders Baumpollen unterwegs und verleiden Heuschnupfen-Patienten die erblühende Natur. Ab Mai/Juni sind dann die Gräser-Allergiker mit laufenden Nasen, Rachen-Kratzen und geschwollenen, juckenden Augen unterwegs. Da geht es nur noch “gedopt” mit Tabletten, Tropfen, Saft oder Sprays ins Freie. “Das einzige, was wirklich dauerhaft Linderung bringt, ist eine Hyposensibilisierung”, so der Allergologe und Dermatologe  Dr. Dirk Meyer-Rogge. In 80 bis 90 Prozent der Fälle werden die Beschwerden gelindert oder verschwinden sogar ganz. Alle Medikamente dagegen unterdrücken die Beschwerden lediglich – und das auch nur so lange, wie die Sprays, Tropfen und Tabletten auch im Körper wirken.

So funktioniert Hyposensibilisierung

Bei der Hyposensibilisierung wird der Körper in steigenden Konzentrationen an Allergene gewöhnt und Betroffene reagieren immer weniger auf die Pollen. Wichtig bei der etwa dreijährigen Therapie ist erst mal eine Blutuntersuchung. Je nachdem, wie viel Antikörper der Patient hat, gibt es entweder acht mal pro Jahr eine Spritze oder durchgehend einmal im Monat. Befürchtungen, dass es erst mal eine Verschlimmerung zu Anfang der Therapie kommt, bewahrheiten sich nicht – die Hyposensibilisierung beginnt erst nach einer Heuschnupfen-Saison. Patienten, die durch die Pollen sogar Atem- und Bronchialbeschwerden haben, wird Hyposensibilisierung dringend empfohlen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Anti-Allergie-Ernährung 

Histaminreiche Kost wie in Fisch besser meiden als Allergiker. Foto: DesigNPrint / pixabay

Auch bei der Ernährung kann ein Betroffener darauf achten, dass er nicht unbeabsichtigt seine Beschwerden noch verstärkt. Auch Lebensmittel enthalten Histamine, auf die der Körper mit Jucken, Schleimhautsekreten und Niesen reagiert. Meiden sollte man deswegen zum Beispiel Tomaten, Bohnen, Schokolade, bestimmte Käsesorten,  geräucherter und eingelegter Fisch wie Hering, Sardinen, Thunfisch und Makrele. Aber auch bei Fleisch sind Wurst, getrocknete Salami, geräucherter und gepökelter Schinken sind dazu geeignet, Heuschnupfen-Anzeichen zu verstärken. Anti-Histaminika (Wirkstoffe gegen allergische Reaktionen)  blockieren im Körper die Andockstellen des Botenstoffes Histamin, der die Beschwerden auslöst. 

Kleine Unterstützer

Nicht nur die richtige Ernährung trägt dazu bei, die Allergie-Jahreszeiten besser zu überstehen. Betroffene sollten außerdem noch viel Wasser trinken und so das Austrocknen der Schleimhäute verhindern. Bei geschlossenem Fenster zu schlafen, sorgt dafür, dass sich die Pollen nicht weiter im Raum verteilen. Wichtig sei auch, die Pollen abends aus den Haaren waschen, damit man sie nicht über Nacht einatme, empfiehlt Meyer-Rogge.