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Das brachte die erste Kaffee-Ernte im Botanischen Garten Karlsruhe

Karlsruhe (pm/as) "Mild mit leicht nussigem Geschmack" - dieses Aroma hat der erste Karlsruher Kaffee vom Strauch im Botanischen Garten beim Schloss. Das sagte Finanz-Staatssekretärin Gisela Splett beim Verkosten der ersten Kaffee-Ernte in Karlsruhe. Der Strauch kam als kleiner Setzling aus der Stuttgarter Wilhelma und gedieh hier so prächtig, dass jetzt seine Kaffeekirschen verarbeitet werden konnten. Ganze 260 Gramm Kaffeepulver war die Ausbeute. Die eigene Karlsruher Kaffee-Produktion bleibt künftig ein schöner Traum.

Foto: dnw

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Kaffeesträucher “bei Hofe” üblich

Kaffeestrauch im Botanischen Garten Karlsruhe Foto: dnw / Andrea Schindler

Schon im 18. Jahrhundert wurden in vielen Schlossgärten wie zum Beispiel in Schwetzingen Nutzpflanzen wie Kaffee für den Hofbetrieb gezogen. An diese Tradition knüpft der Botanische Garten Karlsruhe zwar nicht ganz an, zeigt aber doch, was zu “Herrschaftszeiten” in den Gewächshäusern üblicherweise vorhanden war. Der jetzige Kaffeestrauch in Karlsruhe ist etwa 2,50 Meter hoch und hat jede Menge kleine, orangefarbene Kirschen getragen.

Kaffeeröster haben experimentiert

Zusammen mit der Karlsruher Kaffeerösterei “tostino” wurde daraus ein Kaffeegenuss für eine kleine Runde – immerhin 260 Gramm wurden geernet. Der Weg von der Bohne, die aufwändig  per Hand aus der Kirsche gepuhlt und von einem Schutzhäutchen befreit werden musste bis zum fertigen Aufbrüh-Produkt war auch für die Kaffee-Experten teilweise Neuland. Normalerweise kaufen sie die Bohnen ein und machen dann ihre eigenen Spezial-Röstungen.

Handarbeit gefragt

Für die kleine Kaffee-Ausbeute mussten die Kirschen von den Garten-Mitarbeitern erst von Hand geerntet, vom Fruchtfleisch befreit und dann langsam getrocknet werden. Dabei ist es gelungen, dass sich kein Schimmel  gebildet hat. Die Röstung erfolgte dann bei “testino” in zwei Schritten, eine etwas mildere und eine etwas kräftigere Sorte waren das Ergebnis. Bei der Verkostung wurde dann fachmännisch gezeigt, wie der frisch aufgegossene Kaffee durch lautes Schlürfen sein ganzes Aroma entfaltet.  Und das war immer noch sehr mild – aber “der richtige Kaffee, um bei einer Besprechung anregend zu sein und kein Herzklopfen zu verursachen”, freute sich Michael Hörrmann von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg über die erste Kaffee-Ernte in Karlsruhe. 

Warum der Aufwand? 

Dass sich der Aufwand für den geringen Ertrag nicht lohnt, war von vornherein klar. Weil die Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG) aber die Aufgabe haben,  breite Teilhabe am kulturellen Erbe zu ermöglichen, wurde der gern in Kauf genommen. “Schließlich muss man Besucher immer wieder neu dafür interessieren. Die Kaffeestrauch-Kultur hat im höfischen Garten seit dem 18. Jahrhundert eine enorm wichtige Bedeutung.  Das können wir mit diesem kleinen Kaffeebaum deutlich machen”, erklärt Hörrmann die Absicht hinter der Kaffee-Ernte. Es gibt jetzt zwar keinen Karlsruher Kaffee für alle Besucher, aber in einigen SSG-Shops kann fair gehandelter Kaffee aus dem baden-württembergischen Partnerland Burundi gekauft werden. 

Badisch-Schwäbischer Re-Import

Unterdessen steht der Kaffeestrauch aus Stuttgart im Botanischen Garten Karlsruhe wie eine Eins, wird von den Gärtnern gehegt und gepflegt – und hat über die Aufgabe als “Mini-Kaffeelieferant” noch eine wichtige Funktion: Aus seinem Samen werden neue Kaffeesträucher – und zwar auch für die Wilhelma in Stuttgart – der Strauch dort war eingegangen…