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Zuhörer-Umfrage: Auf diesen Urlaubstrips gabs neben Entspannung noch richtig cooles Wissen

Wer in Urlaub fährt, will meistens nur eines: abschalten vom Alltag. Und bei vielen unserer Zuhörer geht das so weit, jeden Tag am Hotelpool oder Strand zu chillen. Frei nach Rüdiger Hoffmann „Ich hab jetzt erst mal Urlaub, ich mach jetzt erst mal gar nix“. Doch es gibt auch Urlaube, da springt einen das Wissen unvermittelt an – obwohl man nicht danach sucht. Nach solchen Überraschungen haben wir uns mal auf der Straße umgetan und gefragt „Haben Sie im Urlaub schon mal ungeplant so eine richtige Dosis Wissen abbekommen?“ und dabei Erstaunliches herausgefunden – Nachmachen im Urlaubssommer 2019 ausdrücklich erwünscht.

fotolia.com © Jenny Sturm

Max (24) Rhein-Radtour mit Kernkraft

Definitiv mein Trip nach dem Abi. Meine damalige Freundin und ich hatten uns vorgenommen, mal in aller Ruhe per Fahrrad dem Rhein bis nach Holland zu folgen.

Zwischendurch wollten wir zelten. Ich weiß nicht, wie wir darauf kamen, aber als die Philippsburg-Kühltürme in Sicht kamen, meinte meine Freundin, dass es irgendwie schon cool wäre, so ein Ding mal zu besichtigen.

Eigentlich bin ich Kernkraftgegner. Aber wir machten Halt und googelten. Siehe da, Führungen nach Voranmeldung möglich. Der Rest war ein Anruf und die Fahrt rüber zum Kraftwerk. Ich sags mal so: Besser und anschaulicher als in Physik war es definitiv.

Kernkraftgegner bin ich zwar immer noch, aber allein die Technik dahinter finde ich dank dieses Besuchs verdammt imposant. Ich bin Maschinenbaustudent, da findet man sowas einfach richtig genial.

Agneta (39) Bangkok aus Einheimischensicht

Hm, was heißt gelernt? Sagen wir mal so, ich hab Einblick in eine ganz andere Welt bekommen. Das war als wir in Bangkok auf Hochzeitsreise waren, ist schon ewig her.

Im Hotel bediente uns immer ein sehr freundlicher junger Kerl, der ziemlich gut Englisch sprach und den wir schon deshalb putzig fanden, weil er immer so riesige Skater-Schuhe zu seinem Dienstanzug trug.

Abends waren wir mal auf Kneipenbummel, saßen vor einem Laden und tranken was, da kam plötzlich „unser“ Kerlchen vorbei. Er erkannte uns – wir ihn zunächst aber nicht, weil er in Käppie, Unterhemd und kurzen Tarnhosen steckte. Nur als ich seine Treter sah, erkannte ich ihn und wir luden ihn zum Bier ein.

Da frage er, ob wir mitkommen wollten zu einer Party. Jung und abenteuerlustig sagten wir zu – und nach einer ewig langen Fahrt spuckte uns das Taxi vor einem Freiluft-Skatepark aus. Da war die Hölle los, bestimmt fünfhundert Skater-Kids.

Wir verbrachten den Abend mit ihnen, sahen bei ihren irrwitzigen Tricks zu und hatten eine großartige Zeit – und die Jugendlichen wohl auch mit uns, denn wir mussten andauernd über Deutschland erzählen.

Nguyen (29) Plötzlich Wein

Puh, das war wohl damals, als ich mit einem Kumpel in Bordeaux war. Das war, bevor die Roaming-Gebühren abgeschafft worden waren, denn damit hing das zusammen.

Wir hatten uns eine französische Prepaidkarte gekauft, fürs Handy zum Navigieren. Wir wollten das nicht über unsere deutschen Anbieter machen, wäre damals ja noch unheimlich teuer gewesen. 

Mein Kumpel wollte die ländliche Route nehmen, deshalb fuhren wir bei Saintes von der A10 runter. Klasse Idee, nach einer halben Stunde war das Prepaid-Datenvolumen erschöpft. Wollten wir uns zurück zur Autobahn durchboxen, stellten dann aber irgendwann fest, dass wir uns vollkommen verfranzt hatten.

Plötzlich tauchte dann rechts an der Straße so ein richtig pittoreskes Landgut auf. Wir angehalten, reingegangen und einfach jemanden angesprochen. Stellte sich heraus, dass wir da auf einem ganz berühmten Gut gelandet waren, dem Chateau Monconseil.

Statt der Wegbeschreibung bekamen wir dann auch erst mal was Hauseigenes eingeschenkt, anschließend eine Führung nebst Wein-Erklärung und einer verdammt üppigen Verköstigung. Ich war damals absoluter Wein-Noob, als wir das Gut verließen, ausgerüstet mit einer Landkarte samt eingezeichnetem Weg zur Autobahn, fühlte ich mich wie der Oberboss.

Fahrtauglich danach? Kein Kommentar (grinst)

Elisa (19) Vom Strandurlaub zur D-Jane

Au, das war, als ich mit 16 nochmal mit den Eltern so nen richtigen Familienurlaub gemacht hab. Der Chef meines Papas hat ein Urlaubshaus auf Mallorca. Damals waren wir auf dem Rückweg vom Strand und sahen am Straßenrand einen liegengebliebenen VW-Bus.

Ich weiß noch wie mein Papa anhielt und mit seinen drei Brocken Spanisch versuchte, den Kerl, der da vor der offenen Motorhaube stand, irgendwie so zu fragen, ob wir helfen könnten.

Der Lacher war, dass der Typ auf einmal so meinte „Schon oke Meesta, ick bin aus Berlin“. Der war DJ und für den Abend gebucht. Sein Kumpel, der auf der Insel wohnte, konnte ihm irgendwie nicht weiterhelfen.

Die Sache endete damit, dass wir erst die Plattensammlung, dann Mischpult und den DJ bei uns in den Kofferraum packten. Wir fuhren in den Club, halfen reintragen. Zum Dank zeigte er mir nicht nur, wie die ganze Technik angeschlossen wurde und wie man sie bedient, sondern ich durfte auch aus seiner Sammlung einen Track aussuchen, den er als Opener spielte.

Koorallen gehören zu den am stärksten vom Klimawanden betroffenen Lebewesen. Experten versuchen deshalb, sie zu retten. fotolia.com © Galyna Andrushko

David (47) Umweltschutz unter Wasser

Im Urlaub gelernt? Nur eines, Umweltschutz. Das war auf den Malediven.

Lange Rede, kurzer Sinn, ich hab da im Hotel nen Tauchkurs mitgemacht, gehörte zur Buchung mit dazu. Da haben sie uns auch erklärt, wie da die Unterwasserwelt aufgebaut ist und wie vor allem Korallen leiden.

Die hatten da Kontakt zu einem Meeresbiologen. Der betrieb so ne Art Baumschule für Korallen. Der nahm abgebrochene Korallen an, pflanzte sie, zog sie wieder groß und setzte sie dann wieder in die Wildbahn. Wir Tauchschüler haben dann alle fleißig Korallen unter Wasser gesucht und abgebrochene Stücke zu ihm gebracht.

Fand ich schon sehr eindrucksvoll, zumal ich bis dahin auch keine Ahnung hatte, dass man die einfach anpflanzen kann wie einen Setzling im Garten.

Jenny (25) Whisky-Meisterin

Eigentlich nichts Wildes. Ich hab ein Semester in Irland studiert und da einen Kurs zum Whiskey-Brennen mitgemacht. Also so richtig über einige Wochen. Nicht wirklich ungeplant also.

Das war 2017. Letztes Jahr kam ich nachhause und hatte noch im Hinterkopf, dass man hier in Deutschland ganz legal mit ner Mini-Brennblase selbst Schnaps brennen darf, ohne Ärger mit dem Zoll zu kriegen. Da kam dann die Überraschung.

Der Plan wäre gewesen, echt irischen „O Jenny“ zu machen für wenn man mal was zu verschenken hat. Hab dann leider erfahren, dass der Zoll das mit der Freigrenze eingestampft hat. Ich müsste also alles bei ner lizensierten Brennerei machen lassen, aber das hat ja dann nix mehr mit Selbermachen zu tun.

Finde ich ehrlich gesagt ziemlich blöd, ich hätte ja nie vorgehabt, daraus ein Geschäft zu machen. Man kann es mit den Gesetzen auch übertreiben. 

Laura (11)

Ich hab in Amerika gelernt, dass Bären ganz viel Angst vor Menschen haben. Wir waren mit dem Auto in einem Wildpark und da meinte die Mama, dass dahinten Schwarzbären wären. Aber die sind dann direkt weggerannt und einer ist ganz fix auf einen Baum hochgeklettert.

Das war doof, weil ich wollte die genauer sehen.

Pietro (25)

Ha! schaut mich an, schwarze Haare, dunkler Teint, mein Name, was denkt Ihr? Klar, Italiener. Tatsächlich bin ich in Karlsruhe geboren und aufgewachsen – wie auch meine Eltern. Nur die Großeltern väterlicherseits waren waschechte Toskana-Italos, die kamen als Gastarbeiter hierher.

Vor drei Jahren bin ich mal bewusst runter, um einige noch dort lebende Verwandte zu besuchen. Und weil ich für mein Leben mal richtig italienisch kochen lernen wollte, da gibt’s bei keinem in meiner hiesigen Familie auch nur kleinste Ansätze für.

Ich war dann bei einer Großtante und meine Herrn, die hat mir gezeigt, wie man echte Spaghetti alle vongole kocht. Ich habs daheim dann gleich für meine WG nachgekocht. Mein Pech, jetzt darf ich mindestens alle zwei Wochen an den Herd. Aber es ist ja auch einfach geil, so mit den Muscheln.