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Prostatauntersuchungen – die Methoden im Überblick

Der Prostatakrebs gilt bei Männern als die häufigste Krebsform. Er tritt jedoch in der Regel erst im fortgeschrittenen Lebensalter auf: Im Schnitt sind Patienten rund 70 Jahre alt. In der Altersgruppe unter 40 gibt es diesen Krebs eher selten. Ab 45 Jahren wird deshalb die Prostata-Vorsorgeuntersuchung als Leistung der Krankenkassen angeboten. Vor allem familiär vorbelastete Männer sollten diese unbedingt wahrnehmen. Welche Methoden zur Untersuchung der Prostata gibt es?

Symbolbild: Pixabay

Bluttest zur Prostatauntersuchung: Der PSA-Wert

PSA steht für prostataspezifisches Antigen. Dieser Test zählt zu den wichtigsten Prostatauntersuchungen im Rahmen der Krebsvorsorge. Der Wert des Antigens wird über das Blut ermittelt. Ist er erhöht, kann er auf einen Tumor oder eine Krebsvorstufe hinweisen. Doch ein erhöhter Wert hat möglicherweise auch andere Ursachen – etwa eine Entzündung (Prostatitis) oder gutartige Vergrößerung des Organs. Mehr über den PSA-Wert bei Prostatitis hier! 

Da der Test sehr zuverlässig Veränderungen der Vorsteherdrüse anzeigt, gehört diese Untersuchung der Prostata zu den Standardverfahren. Ärzte kombinieren ihn häufig mit der Tastuntersuchung, aber auch mit anderen Methoden.

Prostata-Vorsorgeuntersuchung: Tastuntersuchung

Ebenfalls zu den Standardverfahren der Prostatauntersuchung gehört die rektale Tastuntersuchung, die für viele Patienten sehr schambesetzt und deshalb oft unangenehm ist. Auf diesem Weg kann der Arzt zwar nur die dem Darm zugewandte Seite des Organs untersuchen. Hier entsteht aber auch das Gros der Krebserkrankungen. Ertasten kann der Urologe bei der in der Regel schmerzfreien Untersuchung schon recht kleine Zubildungen. Ob diese gut- oder bösartig sind, lässt sich mit dieser Prostatauntersuchung allein allerdings nicht sagen. Zudem sind sehr kleine Wucherungen meist noch nicht ertastbar. Auch ist die Methode nicht sehr genau, sodass sie immer mit weiteren Verfahren kombiniert werden sollte.

Sonographie: Prostatauntersuchung mit Ultraschall

Ein Ultraschall (Sonographie) zeigt bei der Untersuchung der Prostata hingegen schon Veränderungen, die noch nicht tastbar sind. Auch andere Veränderungen wie eine Verdickung der Organwand kann eine Sonographie darstellen. Der Arzt untersucht ebenso die Blase, um Restharnmengen zu ermitteln, wenn der Patient über Probleme beim Wasserlassen klagt.

Neben dem Ultraschall von außen dient auch der sogenannte transrektale Ultraschall zur Prostatauntersuchung. Hierbei wird ein Schallkopf in den Enddarm eingeführt und liefert je nach Gerät zwei- oder dreidimensionale Bilder, die schon kleine Veränderungen darstellen können.

Bildgebende Verfahren: Kernspintomographie

Die Kernspintomographie oder Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein strahlungsfreies Verfahren, das sich besonders gut für die Darstellung weicher Gewebestrukturen im Körper eignet. Damit liefert sie bei der Untersuchung der Prostata gute Bilder. Zur Aufnahme greifen Ärzte häufig auf eine sogenannte Endorektalspule zurück, die sie für die Aufnahmen in den Enddarm einführen. Inzwischen gibt es jedoch auch Gerätetypen, die ohne diese Spule auskommen. Erkennbar sind bei dieser Art der Prostatauntersuchung nicht nur morphologische Auffälligkeiten. Aus den Bildern lassen sich außerdem Informationen wie die Zelldichte oder die Durchblutung erkennen.

Bildgebende Verfahren: CT zu Prostatauntersuchung

Die Computertomographie erzeugt mithilfe von Röntgenstrahlen Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln, die der Computer zu Schnittbildern zusammensetzt. Eine übliche Methode ist das CT für eine normale Prostatauntersuchung nicht. Es wird bei einer Krebserkrankung jedoch eingesetzt, um befallene Lymphknoten im Beckenbereich zu finden und dient häufig der OP-Vorbereitung.

Außerdem greifen Mediziner auf diese Untersuchung der Prostata und des umliegenden Gewebes auch deshalb nur bei unbedingter Indikation zurück, weil die Strahlenbelastung hier deutlich höher ist als bei klassischen Röntgenaufnahmen.

Molekulargenetische Prostatauntersuchung: PCA3-Test

Das PCA3 ist ein Biomarker und somit ein Indikator für Prostatakrebs. Um den dazugehören PCA3-Wert zu ermitteln, wird die Prostata zunächst mit einer speziellen Massage angeregt. Für die eigentliche Untersuchung der Prostata fängt der Arzt die ersten Milliliter des Urins auf und gibt diese zur weiteren Bewertung ins Labor. Je höher der Wert im Ergebnis ist, umso höher erweist sich die Wahrscheinlichkeit auf ein Karzinom.

Trotz dieser Spezifität übernehmen die Krankenkassen diese Prostatauntersuchung derzeit noch nicht.

Prostata-Vorsorgeuntersuchungen des Harns

Nicht immer muss es eine direkte Untersuchung der Prostata sein, die Aufschluss über den Zustand des Organs gibt. Auch die Harnflussmessung, medizinisch Uroflowmetrie, und die Urinuntersuchung können im Rahmen der Vorsorge und Diagnose helfen.

Bei der Harnflussmessung muss der Patient urinieren. Dabei messen Mediziner sowohl die Geschwindigkeit als auch die Stärke des Harnstrahls. Die Werte werden dann mit Normalwerten verglichen. So lässt sich schnell und einfach erkennen, ob sich die Blase normal entleert oder ob sie eventuell von einer vergrößerten Prostata eingeschränkt wird.

Mit dem Urintest als Prostatauntersuchung kann der behandelnde Arzt Entzündungen der Prostata erkennen. Die Entzündungszeichen sind dann auch im Harn erhöht. Für die Tumorerkennung spielt dieser Test allerdings keine Rolle.

Weiterführende Prostatauntersuchung: Biopsie

Waren die Ergebnisse der vorherigen Untersuchungen der Prostata auffällig – etwa der PSA-Wert, der PCA3-Wert oder wurde eine Zubildung entdeckt – entnimmt der Arzt Gewebeproben zur weiteren Betrachtung. Dafür erhält der Patient eine lokale Betäubung. Anschließend führt der Mediziner Hohlnadeln ins Gewebe ein und entnimmt mehrere Gewebeproben.

Für die Platzierung der Nadeln gibt es zwei Möglichkeiten: Sie können rektal eingeführt werden. Dann wird der Darm an einer Stelle perforiert, durch welche die Nadel bis zur Prostata vordringt. Da dies immer die Gefahr der Verschleppung von Darmkeimen birgt, wird inzwischen eine zweite Version der Prostatauntersuchung immer häufiger eingesetzt: Die Biopsie durch die Bauchdecke.

Ein Ultraschall ermöglicht dem entnehmenden Arzt dabei eine sehr gezielte Platzierung der einzelnen Nadeln. Ein Labor untersucht dann die Proben mikroskopisch, um Entzündungen, gutartige und bösartige Veränderungen sicher differenzieren zu können.

Die Biopsie kommt im Zuge der Prostatauntersuchung also zur Eingrenzung des Befundes zum Einsatz.


(Quelle zu Häufigkeiten von Prostatakrebs: Kassenärztliche Bundesvereinigung KdöR: GESUNDHEITSVORSORGE (12.05.2020))