Förderung nachhaltiger und klimafreundlicher Projekte in und um Karlsruhe

Wenn es um die Themenkomplexe Umwelt- und Klimaschutz geht, rangiert Karlsruhe bei den meisten Rankings immer ganz vorn – brandaktuell beispielsweise beim Projekt "Die klimafreundlichsten Städte Deutschlands" eines großen Heizungs- und Klimaunternehmens. Kein Wunder, muss man sagen, denn nicht zuletzt die 38 Millionen Euro, die der Regierungsbezirk jüngst vom Land zum Ausbau klimafreundlicher und nachhaltiger Verkehrsprojekte bekam, zeigen, dass hier nicht nur mit Plan, sondern vor allem auch Elan gearbeitet wird.

Foto: Symbolbild/Adobe Stock/parallel_dream

Ein wichtiger Grund, warum Karlsruhe als Stadt und Regierungsbezirk ebenfalls in Sachen Klima ganz oben mitmischt, ist, dass man hier schon 2008 zu handeln begann und nur fünf Jahre später ein umfassendes Strategiepapier veröffentlichte – zu einem Zeitpunkt also, an dem der Klimawandel noch längst nicht in allen Köpfen denjenigen Stellenwert hatte, den er heute besitzt.

Die Folge: Karlsruhe hat sprichwörtlich „die Nase vorn“ und gegenüber vielen anderen Ecken Deutschlands einen ziemlichen Zeitvorsprung. Dabei sind die hiesigen Projekte allein aus dem Karlsruher Klimaschutzkonzept 2030 jedoch wirklich mannigfaltiger Natur. Grund genug, einige von ihnen genauer zu betrachten.

Der Themenkomplex Stadtgrün

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Die Regel ist ganz simpel: Je grüner eine Stadt ist, desto besser ist es für alle Beteiligten, nicht zuletzt unter den heißen Eindrücken des Klimawandels. (Foto: Symbolbild/Adobe Stock/marcelheinzmann)

Karlsruhe findet sich zwar nicht unter den zehn grünsten Städten Deutschlands, wohl aber denjenigen des Landes Baden-Württemberg – genauer gesagt an der Spitze mit 27,2 Quadratmetern Grünfläche pro Einwohner. Im Landesschnitt sind es ganze zehn Quadratmeter weniger.

Dieser Titel ist jedoch nicht nur angenehm, sondern eine echte Notwendigkeit: Durch seine Lage gehört Karlsruhe zu denjenigen Städten Mitteleuropas, die besonders von den heißen Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind und noch betroffen sein werden -  das Bundesumweltministerium geht etwa davon aus, dass es hier zum Ende des Jahrhunderts mehr als 70 zusätzliche Hitzetage jährlich geben wird (= Tage mit Höchsttemperaturen =/> 30°C).

Stadtbegrünung stellt hiergegen die mit Abstand schlagkräftigste Waffe dar. Nicht nur, dass sie einer Stadt ihren groben urbanen Charakter nimmt und somit die Lebensqualität verbessert. Das Grün fungiert als wichtiger Filter für Abgase und Feinstaub, verbessert das Mikroklima, bindet CO2 und stellt natürlich auch einen wichtigen Beitrag für die lokale Artenvielfalt dar.

Allerdings ist die Stadt als urbaner, dicht besiedelter und -versiegelter Raum ein schwieriges Terrain für das Grün; vor allem hinsichtlich der Bodenversiegelung und somit dem Zugang zu Regen- und Grundwasser, zudem Wurzelraum und -belüftung; speziell für Bäume, die besonders viel von allem benötigen. Wichtige Arbeitspositionen in Karlsruhe sind deshalb unter anderem:

  • Die generelle Verbesserung der Standortbedingungen; vor allem denen von Bäumen.
  • Verstärkte Nutzung von Arten, die auch gegenüber dem künftigen (heißeren, trockeneren) Stadtklima robust sind.
  • Umfassendes Einbeziehen von Begrünungsmaßnahmen bei städtebaulichen Projekten.

Die „Streuobstinitiative“ beispielsweise ist ein lebendes Zeugnis für diese Arbeiten. Der Ende 2017 beschlossene „Freiraumentwicklungsplan“ ein anderes – in der Summe sind es sehr viele Projekte, zu viele, um sie hier alle aufzuzählen. Insgesamt soll so sichergestellt werden, dass die Region von Jahr zu Jahr nicht nur insgesamt grüner wird, sondern vor allem gezielt und mit Blick auf den Klimawandel robust grüner.

Der Themenkomplex Wärme und Strom

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Deutlich mehr als die Hälfte aller Karlsruher Dachflächen könnten theoretisch Fotovoltaik tragen. Eines der Ziele ist, dies zu möglichst hundert Prozent auszureizen. (Foto: Symbolbild/Adobe Stock/GDMproductions)

Wärme und Strom, ferner auch Kälte, gehören zu den wichtigsten menschlichen Grundbedürfnissen. Gleichsam gehören sie jedoch auch zu den bedeutsamsten Gründen, warum es überhaupt einen menschgemachten Klimawandel gibt: 2019 entfielen beispielsweise 72,6 Prozent des gesamtdeutschen Energieverbrauchs auf Wärme und Kälte (50,9 %) und Strom (21,7 %).

Hiergegen lautet die Karlsruher Strategie vor allem, die sogenannte "Defossilisierung", speziell bei der Wärmeversorgung, voranzutreiben; also möglichst unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Zudem konzentriert sich das städtische Vorgehen auch auf:

  • Eine weiter gesteigerte Nutzung der Fernwärme, auch gestützt auf Tiefengeothermie. Hier soll zudem künftig auch stärker das Thema Kälte behandelt werden; dafür betreiben die Stadtwerke im SYNUS-Gebäude (Gartenstraße) eines von ganz wenigen bundesweiten Musterprojekten.
  • Die Dezentralisierung der Wärmeversorgung durch deutlichen Ausbau von Wärmespeichern sowie der Nutzung von Abwärme aus verschiedensten Quellen – darunter sogar Abwasserwärme.
  • Vergrößerung der Solarstromkapazität unter anderem durch noch mehr Solarparks und die Nutzung von Fotovoltaik auf gewerblichen Dächern. Zudem sollen auch städtische Dachflächen gezielt in dieser Hinsicht ausgebaut werden. Zusätzlich zur ab 2022 landesweit gültigen Pflicht, bei Neubauten von Nichtwohngebäuden-PV-Anlagen zu installieren, wurde jüngst zudem der Wille bekundet, in der Stadt möglichst alle Dachflächen damit zu versehen. Und Projekte wie das schwimmende PV-Kraftwerk könnten künftig ebenfalls ein gewohnter Anblick werden.

Letztendlich gehört zu diesem Themenkomplex auch der Wunsch, zumindest sämtliche städtischen Gebäude langfristig mit Fokus auf maximale Energieeffizienz zu sanieren, besser jedoch alle Gebäude – für Letzteres steht deshalb auch eine Sanierungsoffensive auf der Agenda, die bei möglichst vielen Immobilien dafür sorgen soll, dass sie sehr bald sehr viel weniger Energie verbrauchen als bislang.

Der Themenkomplex Mobilität

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Eine Stadt, in der das Fahrrad auch in Sachen Transport die "erste Geige" spielt – mit diesem Ziel dürfte Karlsruhe deutlich weiter sein als jede andere deutsche Stadt dieser Größenordnung. (Foto: Symbolbild/Adobe Stock/schulzfoto)

Für viele stellt sich das Thema Mobilitätswende so dar, dass der motorisierte Individualverkehr möglichst rasch von Benzin, Diesel und auch Erdgas wegkommen soll – hin zu einer elektrisch angetriebenen Mobilität. Allerdings ist dies jedoch nicht gänzlich richtig. Denn, obschon der Verkehr tatsächlich möglichst rasch und umfassend elektrifiziert werden soll, so bedeutet diese Wende doch, dass auch das generelle Konzept von persönlicher Automobilität auf den Prüfstand gestellt – und geändert wird.

Das heißt, eine 1:1-Umstellung ist nicht das Ziel des Ganzen, sondern viel mehr die Nutzung möglichst vieler Alternativkonzepte, die sich nicht auf das Auto als persönliches Fortbewegungsmittel stützen. Der Grund dafür ist einfach, dass der Pkw in seiner typischen Nutzung zu viele Nachteile hat – und gleichzeitig zu viele andere Mobilitätsformen benachteiligt.

In diesem Sinne hat Karlsruhe dieselben Probleme wie ein Großteil aller anderen deutschen Städte bis weit hinab unter die Schwelle von 100.000 Einwohnern: Die Zerstörungen des Krieges waren für praktisch alle Stadtväter der Nachkriegsjahrzehnte Anlass, ihre Kommunen in Sachen Verkehrsinfrastruktur komplett auf das Auto zuzuschneiden. Das Ergebnis: Fahrräder, ja teilweise sogar Fußgänger wurden regelrecht ausgesperrt. Das macht es vielerorts enorm schwierig und teuer, eine Rückgestaltung einzuleiten, bei der Pkw nur ein Teil der Mobilität sind – und nicht mehr tonangebend.

In Karlsruhe ist das wichtigste Projekt dafür "ÖRMI" – "Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt". Mit diesem Leitprojekt soll in den kommenden Jahren die Innenstadt zu einer für alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen lebenswerten Zone gemacht und die City weitgehend unabhängig vom Auto werden. In diesem Segment hat Karlsruhe sich nicht weniger vorgenommen, als eine Modellkommune für eine nachhaltige Mobilitätswende zu werden. In diesem Sinne kann die Stadt durch die zahlreichen Maßnahmen der „Kombilösung“ jetzt schon bemerkenswerte Erfolge vorweisen und wird als Leitstern für die ganze Bundesrepublik angesehen. Weitere Schwerpunkte dieses Themenkomplexes sind:

  • Der Abbau von (Pkw-)Stellplätzen, um dadurch einen lenkenden Druck aufzubauen, der nach und nach weitgehend autofreie Quartiere erschaffen soll. Dazu gehört es auch, im privaten Bereich Stellplätze zu reduzieren.
  • Im gleichen Zug ein Ausbau von Alternativen. Dazu gehört zwar auch eine elektrifizierte Pkw-Mobilität durch den Ausbau der öffentlichen und privaten Ladeinfrastruktur; noch wichtiger ist allerdings, dass der öffentliche Personennahverkehr ausgeweitet und die Stadt auch jenseits ihrer unmittelbaren Grenzen attraktiver für Fahrräder wird – noch attraktiver, wohlgemerkt, denn schon jetzt darf sich die Stadt mit gleich mehreren Titeln schmücken, die ihr eine enorme Fahrradfreundlichkeit attestieren. Zuletzt der sehr begehrte erste Platz im Fahrradklima-Test des ADFC bei den Städten zwischen 200- und 500.000 Einwohnern.

Letzten Endes zeugen die zahlreichen Baustellen schon heute davon, wie stark sich Karlsruhe bereits gewandelt hat und es auch in den kommenden Jahren noch tun wird. Ganz ähnlich wie bei den anderen skizzierten Themenkomplexen ist sowohl aufseiten der Stadtväter wie der Bürger der Wille vorhanden, wirklich „die Extrameile“ zu gehen, um die Stadt zumindest in Deutschland nach vorn zu katapultieren; dorthin, wo zwar alle Kommunen durch den Zwang des Klimawandels gehen müssen, wo jedoch eine Stadt, die vormacht, dass und wie es geht, einen extrem wichtigen Vorbildcharakter hat – und warum sollte es nicht eine Stadt sein, die sowieso durch ihren Charakter des Fächers absolut einzigartig ist?


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