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Energetisches und autarkes Eigenheim – Wunschtraum oder bald Realität?

Der Wunschtraum vieler Haushalte: Zu Hause geht das Licht an, der Stromzähler steht aber wie festgenagelt. In den letzten Jahren haben die Strompreise nur eine Richtung gekannt – steil nach oben. Und angesichts der Berichterstattung scheint sich daran auch nicht viel zu ändern. Mit der Jahresabrechnung des Energieversorgers stellen sich Haushalte jedes Jahr die Frage, ob nicht noch mehr Rotstift beim Verbrauch geht. Oder lässt sich vielleicht komplett auf eigene Energiequellen umstellen.

Foto: js-photo – 276460940 / Fotolia.com

Beispiel Heizung und Warmwasser: Wer als Immobilienbesitzer nicht auf Öl oder Gas, sondern einen Festbrennstoff-Kessel gesetzt hat, kann mit einem Stück Wald durchaus autark heizen. Wie sieht das Ganze aber beim Strom aus? Klar, Eigenheimbesitzer haben die Gelegenheit, eine Fotovoltaikanlage aufs Dach zu montieren. Mieter sind in ihren Möglichkeiten eingeschränkter. Aber auch hier ergeben sich mitunter überraschende Chance auf mehr Autarkie bei der Energieversorgung.

Energieträger Strom: So lässt sich Unabhängigkeit erreichen

Beim Thema Strom gibt es in Bezug auf Unabhängigkeit von Energieversorgern durchaus Möglichkeiten. Gerade in Karlsruhe ist diese Thematik besonders präsent, geht die Stadt doch als Vorbild in Sachen Energiewende voran, wie die Preisauszeichnung der Stadtwerke 2018 gezeigt hat. Wichtigste Technik ist in diesem Zusammenhang Sonnenlicht. Laut Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE trägt Solarstrom inzwischen zu knapp neun Prozent den bundesdeutschen Stromverbrauch – und steigt in seiner Bedeutung stark an.

Nicht nur Eigenheimbesitzer können ihren Strom mittlerweile selbst erzeugen und davon profitieren, auch Mieter. Durch Inkrafttreten der Vornorm DIN VDE V 0100-551-1 ist ein entsprechender Betrieb möglich. Wichtig ist, dass Eigentümer auf die Einhaltung hoher technischer Standards achten. Bei der Auswahl der Solarmodule muss es beispielsweise darum gehen, dass auch bei Bewölkung eine hohe Stromausbeute erreicht wird. Zweiter Punkt ist die Speicherung. Während im Sommer große Strommengen produziert werden können, sieht die Situation im Winter anders aus.

Problem Langzeitspeicher

Zu den Grundproblemen für Unabhängigkeit beim Strom gehört die Speicherung. Wird Solarstrom produziert, geht die unverbrauchte Strommenge ins öffentliche Stromnetz. Kurzzeitig kann über Batterien Strom gespeichert werden. Im Rahmen einer Nutzung für Kleinanlagen sind deren Kapazitäten allerdings begrenzt.

Wichtig ist daher, Möglichkeiten zur längerfristigen Speicherung zu schaffen. Heute lässt sich diese unter anderem durch Latentwärmespeicher mit PCM erreichen. PCM steht in diesem Zusammenhang für Phasenwechselmaterial.

Mit überschüssiger Energie werden diese Materialien zum Aggregatzustandswechsel angeregt. Bei der Rücktransformation erfolgt die Abgabe dieser Energie. Unter anderem kommt dieses Prinzip für:

  • Solar-Eis-Speicher
  • Paraffinspeicher
  • Salz-Thermo-Akkus

zum Einsatz. Reaktionsenergie machen sich auch Energiespeicher auf Wasserstoffbasis zunutze. Hier dient überschüssige Energie zur Erzeugung von Wasserstoff. Dieser kann wiederum mit einer Brennstoffzelle zu Energie transformiert werden. Bis Ende 2018 wurde die Anschaffung von Stromspeichern zudem staatlich gefördert. Aufgrund der sinkenden Preise für Speichertechnik kann sich eine Anschaffung jedoch auch 2019 lohnen.

Lohnt sich die Steigerung des Eigenverbrauchs?

Es ist durchaus sinnvoll, den selbst erzeugten Strom durch eine Photovolatikanlage selbst zu nutzen. Ein großer Vorteil ergibt sich immer dann, wenn der eigene Strom günstiger ist als der aus dem Stromnetz. Aktuelle Strompreise liegen heute je nach Anbieter bei deutlich über 25 Cent pro kWh. Da Strom aus der eigenen Photovolatikanlage bereits für ca. 10-14 Cent pro kWh erzeugt werden kann, ergibt sich eine satte Ersparnis.

Zusätzlich ergeben sich weitere Vorteile:

  • Nutzer erhalten garantiert echten Ökostrom
  • Unabhängigkeit vom Stromanbieter
  • Künftige Preiserhöhungen haben nur wenig Relevanz
  • Weniger Instabilität im Stromnetz (da weniger Strom eingespeist wird)

Wie sieht es bei der Heizenergie aus?

Unabhängig vom Energieversorger leben – gerade beim Thema Heizen durchaus machbar. Eingangs wurde bereits über die Festbrennstoff-Heizung gesprochen. Letztere kann heute mit Scheitholz oder Pellets betrieben werden und bleibt so weitgehend CO2-neutral.

Inzwischen gehen erste Bauherren auch soweit, dass sie sich durch eine Kombination verschiedener Energiequellen unabhängig machen wollen. Ein Beispiel wäre die Kombination aus Solaranlage und Wärmepumpenheizung. Hierdurch lässt sich an vielen Tagen – gerade, wenn die Fotovoltaikanlage leistungsfähig ist – der komplette Energiebedarf für ein Haus decken.

Bild: Wer beide Technologien miteinander kombiniert, kann die Effizienz beider Systeme erhöhen. Quelle: @ 4th Life Photography – #97928886 / Fotolia.com

Um immer auf der sicheren Seite zu sein, lässt sich eine solche Anlage mit weiteren technischen Möglichkeiten kombinieren. Wichtiger Aspekt ist der Aufbau geeigneter Langzeitspeicher. Hierfür kann auf die bereits genannten Anlagen gesetzt werden. Um eine hohe Ausfallsicherheit zu erreichen, ist zudem über die Verwendung einer Festbrennstoff-Heizung als letzte Reißleine nachzudenken.

Welche Maßnahmen sind noch wichtig?

Wer als Eigentümer autark in Bezug auf Strom und Heizenergie sein will, muss verschiedene Aspekte berücksichtigen. Generell gilt aber der Grundsatz: Ein hoher Energieverbrauch macht die praktische Umsetzung schwieriger. Bevor darüber nachgedacht wird, unabhängig vom Energieversorger zu werden, gehört der Verbrauch auf den Prüfstand.

Hierbei geht es nicht um den individuellen Verbrauch pro Kopf im Haushalt. Es dreht sich um die Verlustwärme (Transmission) nach außen. Letztere wird durch:

  • Dämmung der Fassade
  • Fenster
  • Dach
  • Türen

sowie die Belüftung der Immobilie beeinflusst. An genau diesen Punkten ist anzusetzen. Im Rahmen einer energetischen Grundsanierung für Bestandsimmobilien werden wahrscheinlich die Fassadendämmung und das Dach eingehend geprüft.

  • Fassadendämmung: Wird heute – ausgenommen im Denkmalschutz – allgemein auf die Außenfassade aufgebracht. Lange mit Styropor ausgeführt, sind mittlerweile andere Materialien im Einsatz.
  • Dachdämmung: Über das Dach bzw. die oberste Geschossdecke geht erheblich Wärme verloren. Die Dämmung kann unterschiedlich ausgeführt werden. Bewährt hat sich die Verwendung von Mineralwolle.
  • Fenster & Türen: Jede Öffnung um Mauerwerk trägt zu den Wärmeverlusten bei. Inzwischen bietet der Handel Fenster mit Isolierverglasung sowie Türen an, die in ihrer Bauweise auf geringe Wärmeverluste ausgelegt sind.

Alle Maßnahmen zusammen können eine erhebliche Reduzierung des Energieverbrauchs erreichen. Die Kosten hierfür können Eigentümer über Förderungen stemmen, wie sie etwa über die KfW angeboten wird. Letztere hat auch allgemeine Standards für einzelne Effizienzklassen festgelegt.

 


Achtung: Einfach loszulegen ist sicher die schlechteste Option. Immobilienbesitzern ist zu raten, das Potenzial einzelner Maßnahmen von professionellen Energieberatern prüfen zu lassen.


 

Bild: Für die energetische Unabhängigkeit ist es zudem wichtig, auch den Verbrauch durch energetische Maßnahmen zu senken. Quelle: @ Robert Kneschke – 190500273 / Fotolia.com

Fazit: 100% Autarkie ist schwer zu erreichen

Endlich zu 100 Prozent vom Energieversorger unabhängig: Ein Wunsch vieler Eigenheimbesitzer. Strom und Heizung sind wesentlich für die Betriebskosten einer Immobilie mitverantwortlich. Dank technischer Entwicklungen, wie der Solarthermie oder Fotovoltaik kann sich heute auch ein Ein-Familienhaus hochgradig unabhängig machen.

Aber: Die technischen Möglichkeiten dürfen nicht überschützt werden. Ab einem gewissen Effizienzgrad wird es schwierig, die Unabhängigkeit – etwa durch einen Minderverbrauch an Energie – noch weiter voranzutreiben. Gerade beim Strom wird die Speicherfähigkeit zum Problem. Das Ganze ist vergleichbar mit Wasser. 1 Liter H2O lässt sich nicht, wie beispielsweise viele andere Materialien, komprimieren und so leichter speicherbar machen. Allerdings bringt es heute schon sehr viel, wenigstens 60 Prozent bis 70 Prozent des bisherigen Verbrauchs einzusparen. Auf einen 4-Personen-Haushalt hochgerechnet geht es um mehrere hundert Euro und oft sogar mehr Ersparnis pro Jahr.