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Echtgeld-Casinos: Ist bald Schluss mit der rechtlichen Grauzone?

Für Online-Glücksspieler wirkte ihr Hobby teils wie aus einer anderen Realität. Im Internet sind Online-Casinos unglaublich gefragt, doch im hiesigen Recht und in der Wirtschaft existierte das Angebot praktisch nicht. Das offenbarte auch der letzte Glücksspielstaatsvertrag, der dem Online-Glücksspiel schlichtweg Lotto zuordnete. Glücklicherweise hat sich seit 2012 viel getan und nach vielen Diskussionen kam Schwung in die Angelegenheit. Das Online-Glücksspiel und somit die Casinos im Internet sollen reguliert werden. Aber wie sieht dieser Prozess aus?

Foto: @ Kay / Unsplash.com

Worauf hatten sich die Länder geeinigt?

Um die aktuelle Diskussion zu verstehen, muss bewusst sein, wie es um den Onlinebereich des Glücksspiels eigentlich steht:

  • Nach deutschem Recht – aus deutscher Sicht sind Glücksspielangebote im Internet illegal, sofern sie nicht von den staatlichen Lottogesellschaften angeboten werden. Das illegale Angebot wurde jedoch größtenteils nicht beachtet, wodurch sich die Industrie aufbauen konnte.
  • Ausnahme – Schleswig-Holstein vergab 2012 einige Online-Lizenzen für Casinos und verlängerte diese. Durch diese Maßgabe rutschte das Glücksspiel in die geduldete Grauzone. Die Anbieter mit einer Lizenz aus Schleswig-Holstein hätten ihre Casinos jedoch nur für Schleswig-Holsteiner öffnen dürfen.
  • EU-Recht – nun kommt die EU ins Spiel, die im Internet vollkommen offene Grenzen vorschreibt. Das wiederum ermöglichte es Online-Anbietern eine EU-Lizenz, die meist von Malta ausgegeben wurde, zu beantragen. Das Online-Glücksspiel basiert also auf korrekten Lizenzen, die sich auf das EU-Recht stützen.

Da der Glücksspielstaatsvertrag ohnehin im nächsten Jahr ausläuft und somit erneuert werden muss, lag es nahe, endlich das Online-Glücksspiel soweit zu regulieren, dass endlich gesamtdeutsche Lizenzen vergeben werden können. Dies mag, mutmaßlich, durchaus monetäre Gründe haben, denn ein Online-Casino mit Firmensitz in Deutschland würde hier die Steuern abführen – und nicht auf Malta.

Bislang hat sich die Politik auf spezielle Punkte geeinigt:

  • Aufsichtsbehörde – es gibt eine Glücksspielbehörde, die für die Vergabe von Lizenzen, die Kontrolle aller Glücksspieleinrichtungen, Sperrlisten und andere Aufgaben zuständig ist. Die Behörde geht nun nach Sachsen-Anhalt.
  • Einzahlungslimit – Glücksspieler dürfen monatlich nur noch 1.000 Euro einzahlen. Diesbezüglich gibt es offene Fragen, denn noch ist nicht bekannt, ob das Limit je Casino gilt, ob alle Einzahlungen zusammengerechnet werden und ob auch andere Glücksspielversionen – Sportwetten oder Lotto – mit berücksichtigt werden.
  • Einschränkungen/Verbote – sie betreffen den Sportwettenbereich und sollen zum Verbot oder der massiven Einschränkung von Live-Wetten führen.
  • Sperrdatei – zum Spielerschutz wird eine Sperrdatei erschaffen, in die sich jeder Spieler eintragen kann. Gleichzeitig kann das Casino auffällige Spieler melden.
  • Mehrere Accounts – sie sollen verboten werden, wobei auch hier unklar ist, worauf sich das Verbot bezieht: Gleichzeitige Nutzung mehrerer Accounts oder die allgemeine Registrierung in verschiedenen Casinos? Im letzteren Fall wäre ein echter Vergleich gar nicht mehr möglich. Alternativ steht ein „Masterkonto“ auf der Agenda, unter welchem der Spieler andere Accounts nutzen könnte.

Dies sind nur Auszüge und obwohl die Ministerpräsidenten zuletzt für den Entwurf des Glücksspielvertrags mitsamt der Änderungen gestimmt haben, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Was muss bis dahin noch passieren?

Bislang stimmten die Ministerpräsidenten dafür, dass der Entwurf den jeweiligen Parlamenten vorgelegt werden kann. Nun besprechen die jeweiligen Parlamente den Entwurf und klären etliche Punkte, wobei hier auch Aussprachen der betroffenen Branchen mit berücksichtigt werden könnten:

  • Automatenverband – der Verband für die Spielautomatenwirtschaft begrüßt zwar die Entwicklung, wünscht sich aber ein Eingehen auf längst angemahnte Punkte. Besonders die Abstandsregelung zwischen Spielhallen und Spielhallen und Schulen wird deutlich angesprochen. Da ein Online-Casino keinerlei Abstandsregeln hat, sollte die Regelung für Spielstätten vor Ort gelockert werden.
  • Sportwettenverband – auch hier wird die Regulierung begrüßt, der Punkt der Live-Wetten jedoch mit Skepsis und einer eindeutigen Warnung versehen. Denn sollte das Wettangebot eingeschränkt werden, würde dies die Spieler unweigerlich zu unseriösen Anbietern treiben.
  • Datenschutz – die Überwachung von Mehrfachaccounts, des Einzahlungslimits und der Sperrdatei wirft Fragen auf. Wie werden die Daten erhoben und wo und wie werden sie gesammelt? Meldet jedes Casino jede Einzahlung nach Sachsen-Anhalt?

Einigen sich die Parlamente auf einen Entwurf, muss dieser noch der Europäischen Kommission vorgelegt und von dieser genehmigt werden. Spätestens an dieser Stelle könnte das Datenschutzthema aufkommen.

Viel Zeit bleibt den Verantwortlichen jedoch nicht. Der alte Vertrag endet im Sommer 2021, schätzungsweise dauert das Aufsetzen des neuen Vertrags drei Monate.

Worauf sollten Spieler achten?

Schon aus heutiger Sicht spielen viele Glücksspieler online in absolut seriösen und nach dem EU-Recht legalen Casinos. Einige von ihnen werden sogar schon Mitglied bei einem Anbieter sein, der die deutsche Lizenz erhält. Es ist davon auszugehen, dass die Casinobetreiber, die jetzt eine Lizenz aus Schleswig-Holstein haben, sich für die bundesweite Lizenz bewerben werden. Trotzdem sollten Spieler auf einige Punkte achten, die unter https://www.nachgefragt.net/casino/echtgeld/ genauer erklärt werden. Hier eine kurze Übersicht:

  • Bonusbedingungen – gerade bei den Neukundenboni sollten Spieler genauer hinschauen. Oft müssen die Boni erst umgesetzt werden, was einen hohen Einsatz erfordert. Legt der Anbieter hingegen auf die erste Einzahlung einen festen Betrag oben drauf oder deklariert die Verdoppelung eines Einsatzes (auch mit Maximalhöhe), so ist der Bonus in Ordnung.
  • Zahlungsanbieter – für Spieler ist es wichtig, zu prüfen, wie sie Geld ein- und auszahlen können. Die Einzahlungen funktionieren mittlerweile auf vielen Wegen, sodass es hier kein Problem gibt. Die Auszahlungsmöglichkeiten sind hingegen eingeschränkt, da gerade Online-Zahlungsanbieter diese Option nicht immer anbieten. Zugleich gilt, ab welcher Höhe eine Auszahlung beantragt werden kann und ob Gebühren für die Auszahlung anfallen.
  • Angebot – ein Online-Casino kann die besten Rahmenbedingungen bieten, passt das Angebot nicht zum eigenen Spielgenuss oder stimmt die Seitenführung nicht mit den eigenen Vorlieben überein, so kommt kein Spielspaß auf. Meist lohnt es sich, das Angebot eines Testaccounts zu nutzen und mit Spielgeld zu schauen, ob das Angebot stimmt. Zugleich gilt, das Online-Casino auf mehreren Geräten zu testen.

Abbildung 2: Wer heute im Online-Casino spielen möchte, bewegt sich immer noch in einer rechtlichen Grauzone. Bildquelle: @ Frnacesco Ungaro / Unsplash.com

Fazit – es gibt bald Lizenzen

Dieser Punkt ist unstrittig und gerade für Online-Casinos ein großer Gewinn. Das ewige Spiel in der Grauzone, die manche Spieler durchaus verunsichert, entfällt. Doch noch ist der Entwurf des neuen Glücksspielstaatsvertrags nicht vollständig ausgearbeitet und manche Punkte könnten geändert werden. Für den Spieler an sich ändert sich bis dahin jedoch nichts – und mitunter auch nicht im späteren Verlauf, denn die bekannten Anbieter werden sich sicher um eine Lizenz bewerben und sie erhalten.