Blockchain, Trading-Apps und mehr: Wie funktioniert der digitale Börsenhandel?

Die Leitzinsen sind schon seit Jahren ganz unten und werden es durch die Pandemie wohl auch auf unabsehbare Zeit bleiben – sie zu erhöhen, würde das Leihen von Geld wesentlich verteuern. Das kann sich in einer wirtschaftlich durch das Virus gebeutelten Region wie Europa kein Politiker leisten, weil es den Wiederaufbau unnötig verlangsamen würde. Bloß haben die niedrigen Zinsen auch eine unschöne Auswirkung: Alles, was im Bereich der klassischen Vermehrung von Geld besteht, beispielsweise Sparbücher oder Bausparverträge, lohnt sich nicht mehr. Denn deren Zinsen sind deutlich niedriger als alles, was selbst eine schwache Inflation, wie sie in der EU so sorgsam gehütet wird, auffrisst. Aus diesem Grund rückte das Thema Börsenhandel in jüngster Zeit verstärkt in den Fokus von privaten Anlegern. Hier ist es unter anderem durch den Handel mit Wertpapieren noch möglich, Gewinne und Zinsen zu erwirtschaften und effektive Geldanlage zu betreiben. Stark vereinfacht wird dies durch die damit verbundenen und zahlreichen digitalen Möglichkeiten. Die wichtigsten Grundlagen zeigen wir jetzt.

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Wie funktioniert Börsenhandel? Ein Überblick

Viele stellen sich unter dem, was an einer Börse vor sich geht, eine Mischung aus Käufern und Verkäufern, Feilschen um Preise und viel Hektik vor. Ganz falsch ist das nicht, allerdings auch nicht umfassend. Börsen sind letztendlich Handelsorte, an denen die Preise nur durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Was an welcher Börse gehandelt wird, unterscheidet sich zwar, typisch sind jedoch:

  • Wertpapiere. Darunter fallen Aktien ebenso wie Anleihen. Bei ersterem bekommt der Anleger künftig Geld durch die Ausschüttung von Dividenden, bei letzterem ist er ein Gläubiger des Anleihen-Ausgebers, hat also Anrecht auf bestimmte Summen.
  • Devisen. Das sind ausländische Währungen, mit denen gehandelt wird. Die Geldvermehrung findet durch Kursänderungen im Vergleich zur Ausgangswährung statt.
  • Waren und Rohstoffe. Alles zwischen Erdöl, Energie, Kautschuk, Baumwolle und allen anderen möglichen dinglichen Gütern. Hier versuchen die Käufer, günstiger ein- als zu verkaufen.
  • ETFs, Exchange Traded Funds. Das sind spezielle sogenannte Indexfonds, die einen Börsenindex abbilden.

Prinzipiell gibt es zwar auch noch andere Dinge, die an Börsen gehandelt werden, beispielsweise Derivate, Futures, Indizes oder Schuldverschreibungen; außerdem gibt es auch noch den außerbörslichen Handel, für Einsteiger ist dieser Kern jedoch am wichtigsten.

Die Digitalisierung krempelt die Börse um: Wertpapiere werden digital

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Foto: Symbolbild/Adobe Stock/Victoriia

Was dabei jedem privaten Anleger in die Hände spielt, ist die Tatsache, dass Wertpapiere nicht mehr zwingend wirklich „Papiere“ sein müssen. Zumindest nicht in absehbarer Zukunft. Denn derzeit arbeitet die Bundesregierung daran, die rechtlichen Grundlagen zu erarbeiten, damit Wertpapiere auch ohne urkundliches Dokument gehandelt werden können. Der Grund dafür ist die Weiterentwicklung und Verbreitung der Blockchain-Technologie. Sie macht es bald möglich, den Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers in einem offiziellen Krypto-Register abzulegen, wodurch der gleiche Eigentumsnachweis gegeben wäre wie bei der bisherigen Vorgehensweise.  Das heißt, es wird künftig gerade für kleine Anleger noch einfacher werden, in diese Form des Handels einzusteigen.

Aktien kaufen per Smartphone: So steigen Anfänger mit Trading Apps in den Wertpapierhandel ein

ETFs, Aktien, Devisen und digitale Wertpapiere klingen ja gut und schön. Doch wie können Anleger ihren ganz eigenen „Börsengang“ wagen? Tatsächlich genügt dafür schon ein zeitgenössisches Smartphone, eventuell in Verbindung mit einem Laptop:

  1. Zunächst ist es nötig, ein Depot zu eröffnen, also eine Art Handels-Account. Das geschieht bei einem nahezu frei wählbaren Online-Broker. Dieser stellt hernach eine Trading-App zur Verfügung, die als Kontrollstation für das Depot Hierüber können Kurse beobachtet, Transaktionen getätigt und investiert werden. Mitunter kann dieses Depot auch noch um eine recht neue und interessante Entwicklung ergänzt werden: einen sogenannten Robo-Advisor. Dabei handelt es sich um einen Algorithmus-basierten „Berater“, welcher nach Eingabe von Eckdaten Tipps gibt und je nach Wunsch auch das Depot eigenständig verwalten kann. Informationen und Handlungen, die sonst von einem menschlichen Anlageberater oder dem Depotbesitzer selbst übernommen werden.
  2. Ist das Depot eröffnet, ist es nötig, sich eine feste Summe zuzuweisen, mit der man handeln möchte. Gerade weil es über die Trading-Apps so einfach ist, sollten Anfänger sich hierbei deutlich zügeln und nur geringe Summen investieren. Manche Online-Broker offerieren auch eine Art „Sandbox“, oder Demo-Trading-Accounts, in denen rein virtueller Handel getätigt werden kann, ohne dass es um echtes Geld geht. Wer noch gar keine Erfahrung mit der Thematik hat, sollte eine solche Funktion unbedingt nutzen, um Routine zu erlangen – sowohl im Umgang mit der App wie auch dem Börsenhandel an und für sich.
  3. Auch wenn es jetzt schon in den Fingern jucken mag, die ersten Aktien zu erstehen, so sollten Anleger sich jetzt dennoch zügeln. Der Börsenhandel ist definitiv nichts, was sich mit zwei YouTube-Videos erlernen ließe. Das bedeutet also, die Ratgeber des Netzes zu konsultieren*. Unter anderem die Süddeutsche Zeitung hat hierzu eine ganze Reihe von erklärenden Artikeln veröffentlicht, die Anfängern die wichtigsten Grundlagen näherbringen.
  4. Mit diesem Grundwissen gerüstet ist es nun an der Zeit, die ersten Käufe zu tätigen. Dabei sollten jedoch auch Privatanleger (gerade diese) die vielleicht wichtigste Grundregel dieser Handelsform immer beherzigen: streuen, streuen und noch mehr streuen. Keinesfalls sollte die ganze Summe in ein Unternehmen oder eine Aktie investiert werden. Je größer der sogenannte Spread, desto besser wird das Risiko verteilt und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es selbst im ungünstigsten Fall zu einem Totalverlust kommt. Allerdings: Börsenhandel, der nur aus guten Preisen und hohen Gewinnen besteht, existiert nicht. Verluste sollten dementsprechend immer einkalkuliert werden.

*Übrigens ist diese Form des Selbststudiums eine dauerhafte Bringschuld für sämtliche Anleger. Es geht hier um das eigene Geld, das sich möglichst vermehren, nicht verringern soll. Jedoch ist der Handel ein unglaublich schnelllebiges Feld voller ständig wechselnder Trends. Wer hier sein Wissen nicht ständig up to Date hält, gerät enorm schnell ins Hintertreffen und macht Verluste.

Börsenhandel für private Anleger: Diese Fehler sollten unbedingt vermieden werden

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Foto: Symbolbild/Adobe Stock/fizkes

Fassen wir einmal kurz zusammen: Nicht zuletzt dank Online-Brokern und Trading-Apps ist Börsenhandel heute für jeden so zugänglich, wie es nie zuvor der Fall war. Zeitgleich hat auch jeder, ebenfalls dank der Digitalisierung, die Möglichkeit, das gesammelte Wissen der Branche für sich abzuschöpfen oder über Robo-Advisoren zu gehen, die nicht einmal mehr nach Bauchgefühlen oder menschlichen Erfahrungen agieren, sondern nach den nüchternen, immer logischen Regeln der Mathematik. Allerdings können all diese Tatsachen und Vorteile wirkungslos werden, können sich sogar ins Gegenteil verkehren, wenn Neulinge es nicht schaffen, die leider allzu allgegenwärtigen und verführerischen Fehler zu vermeiden, die mit praktisch jeder Form des Börsenhandels verknüpft sind und an der New Yorker Stock Exchange ebenso gelten wie auf dem Frankfurter Börsenparkett.

Das bedeutet im Klartext: Egal wie sehr die Anzeige der Trading-App auch gerade locken mag, die folgenden Dinge sollten grundsätzlich vermieden werden.

  1. Mit geliehenem Geld arbeiten. Handel sollte grundsätzlich nur mit den eigenen, aktuell verfügbaren Mitteln geschehen. Niemals mit Krediten oder anderen Geldern.
  2. Planlos kopieren. Nicht zuletzt im Bereich des Social Trading ist es sehr einfach und verführerisch, die Depots anderer zu kopieren. Leider sorgt das jedoch für keinen Lernerfolg. Außerdem ist es möglich, auf Leute hineinzufallen, die nur etwas künstlich pushen möchten, um dadurch Geld zu machen.
  3. Zu große Spontaneität. Aktienhandel ist schnell. Wer jedoch viel zu kurzfristig denkt und handelt und darüber kopflos wird, kauft und verkauft oft viel zu früh. Etwas Zögerlichkeit mag einen um manche Chance bringen, dafür verhindert es aber auch viele Risiken.
  4. Blindes Vertrauen. Ähnlich wie sich beim Start einer neuen Windows-Version jeder als selbsternannter Developer gebiert, gibt es auch beim Börsenhandel Unzählige, die „heiße Tipps“ und dergleichen haben. Vertrauen sollte man hingegen nur echten Experten für das Trading.
  5. Keine Nachbereitung. Die meisten Trading-Apps bzw. Depots bieten sehr umfassende Analyse-Tools, mit der sich praktisch das gesamte bisherige Handelsverhalten grafisch aufbereiten lässt. Wer hier nicht regelmäßig hineinblickt, ist selbst schuld – denn er bringt sich um wichtigen Erkenntnisgewinn für zukünftige Transaktionen.
  6. Kurzfristiges Denken. Außer einigen Glückspilzen wurde noch niemals jemand binnen weniger Tage an der Börse reich. Wer das nicht bedenkt, neigt zum Zocken – und das ist an der Börse ebenso wie im Casino absolut fatal.

Und last but not least gilt eine goldene Regel, die so auch für jeden anderen Kauf angewendet werden kann: Wer etwas kauft, ohne es vollumfänglich zu verstehen, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Nase. Egal wie leicht es die App auch macht, auf „Kaufen“ sollte man grundsätzlich erst klicken, wenn absolut klar ist, worum es sich dreht.


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