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Ein Erfahrungsbericht: Aktuelle Lage von Covid-19 in Honduras

2001 entschieden wir uns als frisch verrentetes Ehepaar für ein viertel Jahr als Freiwillige im NPH Kinderdorf Rancho Santa Fe in der Nähe von Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, zu arbeiten.  Dabei lernten wir Estefany und Erick, kennen und übernahmen spontan Patenschaften für beide Kinder.

Foto: nph-kinderhilfe

Bis heute stehen wir mit ihnen in ständigem Kontakt. Wir haben sie als  Pateneltern über manche Schwierigkeiten während der Ausbildung hinweg unterstützt und sie immer ermuntert, ihre Berufsausbildung mit guten Noten abzuschließen. Finanziell waren wir stets an ihrer Seite.

Estefany absolvierte von 2016 bis 2019 eine Ausbildung als medizinische Fachkraft. Sie wohnte seit einigen Jahren mit ihrer Mutter zusammen in einem der Armutsviertel am Rande der Millionenstadt. Neben der Ausbildung betreute sie ihre HIV-kranke Mutter, deren regelmäßige Medikation ohne jede Krankenversicherung teuer war und noch ist.

Erick hat eine Elektrikerausbildung gemacht und sich auf die Wartung von Kühlanlagen spezialisiert. Bis vor kurzem verdiente er als Wartungstechniker in den Kühlhallen eines großen Hühnerzucht und Schlacht-Betriebs in der Hauptstadt seinen Unterhalt. Gemeinsam mit seiner Partnerin Sujapa, einer Pharmazeutin, und Sohn sparte Erick intensiv für ihre gemeinsame Zukunft.

              

Unsere mittelamerikanischen Patenkinder im COVID 19 – Jahr 2020

Erick und Estefany 2015 mit Paten in Honduras

                       

Die drastischen Beschränkungen des täglichen Lebens wegen der Pandemie  führten seit mehr als drei Monaten auch bei unseren Patenkindern und ihren Familien in Honduras zu großer Unsicherheit und Angst vor Ansteckung mit dem Virus.

Seit April arbeitet Estefany in einem staatlichen Covid 19 - Krankenhaus. Sie assistiert im Dreischicht-Betrieb unter schwierigen Bedingungen den Ärzten bei der Behandlung der Patienten. Sterbende Menschen, enge Raumverhältnisse, hohe Temperaturen, mangelnde Hygiene, fehlende Betten und anstrengende Arbeitszyklen belasten sie psychisch und physisch sehr. Der Schlaf zu den ungewohnten Zeiten bringt kaum die nötige Erholung.

Bis Mitte Juli hat sie noch keinen Lohn für ihre Arbeit im Krankenhaus bekommen.- Wegen der damit verbundenen Ansteckungsgefahr kann Estefany ihre kranke Mutter zuhause nicht mehr versorgen.

                        

Während und nach der Nachtschicht im Krankenhaus

               

Die Arbeitszeiten und damit die Löhne in Ericks Betrieb wurden wegen der zunehmenden Covid 19 – Infektionen in der Hauptstadt ab Mitte April schrittweise verringert. Im Juni wurde er als Wartungstechniker kaum noch gebraucht. Er erhält jetzt noch 10% seines normalen Lohns.

Der Arbeitgeber von Ericks Partnerin hat seine Drogerie ganz aufgeben müssen, weil die Kunden ausblieben. Diese dürfen ihre Unterkunft ohnehin nur an einem Tag in der Woche verlassen, um Lebensmittel oder Medikamente zu kaufen. Suajapa ist zurzeit ohne Einkommen.

Erick hilft in einer Gärtnerei mit Gemüseanbauflächen aus und wird dafür mit Naturalien für den Familienkochtopf entlohnt.

Wir überweisen Estefany und Erick seit einigen Monaten regelmäßig Geld, damit sie Lebensmittel und Medikamente kaufen können.

 

       

Erick musste seine hustende Großmutter kürzlich zur Untersuchung in ein Krankenhaus einliefern. Er hat uns die folgenden Fotos aus dem Krankenhaus in Tegucigalpa geschickt. Auf allen verfügbaren Flächen, auf Tischen, in notdürftig hergerichteten Wannen und auf dem Boden werden Patienten mit Verdacht auf Covid 19 – Infektion mit Sauerstoff versorgt.

Ericks Großmutter im Krankenhaus Juni 2020

                     

Das Testergebnis der schwer atmenden Großmutter war negativ. Sie wurde nach wenigen Tagen entlassen und muss zuhause wegen ihrer Atemnot künftig privat mit Sauerstoff beatmet werden.

Möge die derzeitige Pandemie in absehbarer Zeit abklingen, damit alle Menschen weltweit wieder befreit aufatmen können!                                        

  1. Juli 2020

Martha und Klaus Großkopf

 

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