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Ettlinger Flowtex-Berufung in der Schweiz: Strafe von Big Manni erhöht

Ettlingen / Frauenfeld (as) Es war einer der größten Wirtschaftsskandale der Nachkriegszeit in Deutschland: Der Ettlinger Flowtex-Fall um nicht existente Bohrmaschinen, 2 Milliarden Euro Schaden und Rücktritte in der baden-württembergischen Politik. Im Mittelpunkt: Manfred “Big Manni” Schmider. Der war nach seiner verbüßten Haftstrafe in Deutschland in der Schweiz noch wegen Geldwäsche angeklagt und verurteilt worden und war, ebenso wie die Staatsanwaltschaft,  in Berufung gegangen. Jetzt hat das Obergericht in Frauenfeld im Schweizer Kanton Thurgau entschieden: Die Urteile sind im Wesentlichen bestätigt, die Strafen wurden aber teilweise verschärft.

Anklage wegen Geldwäsche

Die Staatsanwaltschaft eröffnete in der Schweiz 2009 ein Strafverfahren gegen Manfred Schmider, seine Ex-Frau, ihren Rechtsanwalt, sowie die beiden Kinder der Schmiders wegen Geldwäsche, Veruntreuung oder Betrug sowie Urkundenfälschung. Zudem sperrte sie Bankkonten und beschlagnahmte Vermögenswerte. Der Vorwurf: die Beschuldigten sollen in der Schweiz Vermögenswerte in zweistelliger Millionenhöhe gewaschen haben, die aus dem FlowTex-Betrug stammen sollen. 

Jahrelanger Prozess in der Schweiz

Das Bezirksgericht Frauenfeld hatte im Januar 2016 in einem 800-seitigen Urteil die beiden Kinder freigesprochen, aber die Beschlagnahme ihrer Vermögenswerte bestätigt. Wegen bandenmässiger Geldwäsche und Urkundenfälschung hatte es den Geschäftsführer, die Ex-Frau und den Rechtsanwalt zu Strafen zwischen 14 und 36 Monaten sowie Geldstrafen verurteilt und der Flowtex-Konkursmasse einen Teil der beschlagnahmten Vermögenswerte zugewiesen.

4 Monate mehr für “Big Manni”

Neben Verfahrenseinstellungen und Freisprüchen für die Kinder verurteilte das Obergericht den Geschäftsführer zu 18 statt 14 und den Rechtsanwalt zu 24 Monaten Freiheitsstrafe wegen bandenmässiger Geldwäsche, die Ex-Frau zusätzlich wegen Urkundenfälschung zu 36 Monaten Freiheitsstrafe sowie alle drei Verurteilten zu Geldstrafen. Die Geldstrafen des Geschäftsführers und der Ex-Frau erhöhte das Obergericht angesichts des stärker gewichteten Verschuldens deutlich. Die vier beschlagnahmte Chagall-Bilder darf die Ex-Frau behalten.  Beschlagnahmten Vermögenswerte werden zum Teil zugunsten des Kantons Thurgau eingezogen oder zur Deckung der Verfahrenskosten, Geldstrafen und Forderungen des Kantons verwendet, so eine Mitteilung des Gerichts.