Zahl der Nachtfalter geht stark zurück - Auch Artenvielfalt schrumpft

Karlsruhe (dpa/lk) - Nicht nur die Zahl der Nachtfalter geht in Baden-Württemberg stark zurück, auch die Vielfalt dieser Insektenarten ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geschrumpft. Dafür haben sich andere, aber weniger neue Nachtfalter-Arten wegen des Klimawandels in den südwestlichen Regionen ausgebreitet, wie das jüngste Insektenmonitoring des Landes belegt.

Foto: Symbolbild/Pixabay

Insektensterben im Land

"Das Insektensterben macht auch vor Baden-Württemberg nicht Halt", sagte Eva Bell, die Präsidentin der Landesanstalt für Umwelt am Freitag in Karlsruhe. Umweltstaatssekretär Andre Baumann spricht von einem dramatischen Trend. Die Daten bestätigten die schlimmsten Befürchtungen. Nach der Zählung und im Vergleich der Daten aus zwei Zeitfenstern in den vergangenen 50 Jahren konnten 113 der in Baden-Württemberg historisch belegten Nachtfalter-Arten auf den untersuchten Flächen nach dem Jahr 2000 nicht wiedergefunden werden. "Sie sind einfach verschwunden", sagte Bell.

113 Nachtfalter-Arten verschwunden

Gleichzeitig kamen 65 neue Arten hinzu, weil sie mit den wärmeren Temperaturen besser zurecht kommen. Für Bell ein Warnsignal: "Die gefundenen Daten sind ein weiteres Anzeichen für den Klimawandel." Wesentlicher Grund für die Entwicklung seien aber die Landnutzung und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den Feldern, sagte der Schmetterlingsforscher Robert Trusch vom Karlsruher Naturkundemuseum. Die Zahl der einzelnen Exemplare der Nachtfalter ging laut Datensatz um rund 25 Prozent zurück. Vögeln und Fledermäusen fehle damit ein wichtiger Teil der Nahrungsgrundlage, warnten die Wissenschaftler.

Anzeichen für den Klimawandel

Forscher beklagen weltweit bereits seit längerem ein umfassendes Artensterben. Inzwischen gilt ein Viertel der 33.000 beschriebenen Insektenarten in Deutschland als vom Aussterben bedroht. Mit dem in Deutschland einzigartigen Insektenmonitoring soll die Artenvielfalt und der Bestand von Insekten im Land auf ausgesuchten Flächen untersucht werden. Das Land hatte das Sonderprogramm Ende 2007 zur Stärkung der biologischen Vielfalt aufgelegt.


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