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Trainerlegende Winfried „Winnie“ Schäfer verfolgt den KSC immer noch aus der Ferne

Karlsruhe/Abu Dhabi (jl/cmk) 12 Jahre lang war Winfried Schäfer Trainer beim KSC. Aktuell trainiert er in Abu Dhabi den Erstligisten Baniyas SC. Trotz der weiten Entfernung zur seiner Heimat Ettlingen verfolgt er das Geschehen rund um den Wildpark immer noch. Vergangenen Sonntag hatte die neue welle die Möglichkeit, mit KSC-Trainerlegende zu telefonieren. In der Martin Wacker Show hat Winfried Schäfer über seine Zeit in den Vereinten Arabischen Emiraten gesprochen, aber auch seine Meinung zur aktuellen Lage des KSC zum Besten gegeben.

Symbolbild: GES / Werner Eifried

Auch in Abu Dhabi ruht der Ball

Sie sind Trainer vom Club Baniyas SC, bei euch ruht der Ball aktuell auch?

Winfried Schäfer: „Richtig. Wir hatten zwei Spiele ohne Zuschauer das ist schon ein paar Wochen her. Dann wurde die Liga gestoppt und auch wir haben ab 20 Uhr Ausgehverbot. ‚Stay safe - stay at home‘ und alle sind hier sehr diszipliniert. Es sind alle Strände geschlossen worden damit keine Gruppen herumlaufen. Ich bin zuhause - ab und an gehe ich mal raus etwas einkaufen. Ich schaue viel Fußball, es kommen viele Wiederholungen bei uns aber ich schaue auch über den Laptop ehemalige Spiele des KSC - macht ja unheimlich Spaß.“

Bei Ihnen ist es schon richtig heiß, kann da überhaupt nochmal gespielt werden?

Winfried Schäfer: „Wir haben jetzt schon etwa 29 Grad und eine feuchte Wärme, das ist nicht ganz so angenehm. Wir würden mal ein bis zwei Wochen Mannschaftstraining brauchen, aktuell machen wir Training zuhause. Jeder hat seine Anweisungen, jeder hat etwas zu tun. Die Spieler schicken dann Videos zu mir und ich kontrolliere das. Wenn es dann über die 30 Grad geht ist es für die Jungs nicht gut und wir haben noch sieben Spiele und dann kommt Ramadan – dann gibt es riesen Probleme. Es wird demnächst entschieden wie es weiter geht.“

Wie wohl fühlen Sie sich in Abu Dhabi und haben sie Heimweh?

Winfried Schäfer: „Klar habe ich manchmal Heimweh. Ettlingen und Baden - das ist schon fantastisch, aber ich bin da Trainer, wo andere Urlaub machen und das hat auch was. Zudem kommt meine Familie mich immer wieder besuchen und auch Freunde kommen vorbei.“

Wie verfolgen Sie das Geschehen in Karlsruhe?

Winfried Schäfer: „Ich hab viele Leute und auch Fans, die mir Ausschnitte aus der Zeitung oder aus dem Internet und Radio senden, was da so passiert. Ich bin natürlich nicht so involviert wie es sein könnte, aber ich mache mir natürlich schon einige Sorgen. Schon wieder steht der KSC ganz unten. Wer weiß was passiert, wenn wieder ein Abstieg in die Dritte Liga kommt. Dann die Meldung mit der Insolvenz, natürlich nichts Positives was die Fans brauchen.  Die Fans, das habe ich ja selbst erlebt bevor ich als Trainier angefangen habe, die haben gelechzt nach etwas Neuem, nach etwas Überraschendem und der KSC hat nun mal wunderbare Fans und da muss der ‚Aha-Effekt‘ kommen und nicht das Negative. Dann kann es auch wieder aufwärts gehen.“

Ist diese Krise auch eine Chance für den KSC, um wieder bei null anzufangen?

Winfried Schäfer: „Ja, das ist ja das, was ich vor Jahren schon angesprochen habe.  Im Grunde hat der KSC das Schlimmste gemacht, das man machen kann. Man kann nicht die Basis wegnehmen, die Basis des Jugendfußballs, die Talente. Das war auch schon vor meiner Zeit. Wie viele Talente da beim KSC waren. Wenn man das wegnimmt, dann ist man gezwungen Spieler zu holen, die auf einem schlechten Niveau sind und damit kann man nicht vorwärts denken. Auch hier in Abu Dhabi bin ich  vom Scheich geholt worden, um Localplayers aufzubauen. So wie ich das in Dubai gemacht habe und am Ende war die Nationalmannschaft voll mit unseren Spielern. Ein Spieler, der aus der Jugend kommt, ist ein KSC’ler - der hat blaues Blut und das muss im Vordergrund stehen. Ich weiß momentan nicht was da abgeht, aber früher das war unser Sponsor - die Jugendarbeit – mit Rainer Ulrich, Ede Becker und Rudi Wimmer – diese Leute haben mitgeholfen, dass der KSC überleben konnte, dass der KSC immer besser wurde und nun etwas scherzhaft, dass Uli Hoeneß immer mit dem ICE nach Karlsruhe kam.“

An was denken Sie gerne zurück?

Winfried Schäfer: „Die 10 Jahre, die wir zusammen gearbeitet haben mit Carl-Heinz Rühl, der leider verstorben ist – ein ganz wunderbarer Mensch,  mit Roland Schmieder und Wernfried Feix. Wir haben den Verein zusammen groß gemacht. Wir sind zusammen gesessen und haben überlegt, was können wir machen und was müssen wir machen. Da war eine Begeisterung da. Man hat das gespürt und diese Begeisterung ging nach außen.  Das muss zurückkommen, dieses positive Denken. Wir haben damals Spieler gehen lassen müssen, damit wir Geld hatten. Diese Gruppe ist dann zusammen gewachsen, sie sind aufgestiegen und haben Erfolge gehabt. Was ist passiert beim KSC? Warum sind sie schon wieder in einer Situation in die Dritte Liga abzusteigen? Das muss man hinterfragen - was ist falsch gelaufen? Man muss die Fehler finden, man muss sie ausmerzen und man muss versuchen immer wieder etwas besser zu machen. In Gesprächen zusammensitzen und auch mal unterschiedlicher Meinung sein. Wenn alle die gleichen Meinung haben braucht man den anderen ja gar nicht und das fehlt aktuell beim KSC.“

Was wünschen Sie dem KSC?

Winfried Schäfer: „Ich wünsche mir, dass sie nicht abstiegen, dass sie die Klasse halten und dann die richtigen Entscheidungen treffen. Die richtigen Talente holen und mit professioneller und harter Arbeit wieder in die richtige Spur kommen.“

Danke "Winnie"!