Spendenaktion für Hochwasseropfer in der Messe Karlsruhe

Karlsruhe (pm/dpa/lk) - Die Bilder aus den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erschüttern momentan die Welt. Ganze Dörfer, Häuser, Brücken, Straßen und Fahrzeuge wurden einfach von den Fluten mitgerissen. Die Zahl der Toten ist auf über 170 gestiegen. Noch immer sind einige Gebiete ohne Trinkwasser und Strom, die Bewohner helfen sich mit Kerzen und Taschenlampen. Schutt und Müll türmen sich in den Straßen, Essensreste und Exkremente müssen vergraben werden. Krankheiten und Rattenbefall drohen. Darum möchte auch Karlsruhe den Betroffenen helfen. Am Samstag gibt es für die Opfer der Flutkatastrophe eine große Spendenaktion an der Messe Karlsruhe.

Foto: Picture Alliance/dpa/Thomas Frey

Rund 40.000 Menschen im Ahrtal betroffen

Noch immer laufen die Aufräumarbeiten in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und NRW auf Hochtouren. Von den Folgen der Katastrophe sind alleine im rheinland-pfälzischen Kreis Ahrweiler rund 42.000 Menschen betroffen. Es sei eine "ungeheure große Zahl von Menschen" auf einer "ungeheuren Fläche", sagte der Leiter des Krisenstabes des Landes und Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, Thomas Linnertz. "So etwas haben wir noch nie erlebt. Das ist eine große Herausforderung." Die Lage sei immer noch sehr angespannt: "Weil so viel Infrastruktur zur Versorgung der Bevölkerung zerstört ist. Grundlegende Dinge wie Strom, Wasser, Abwasser." Zurzeit konzentriere sich das Land Rheinland-Pfalz auf die Versorgung der Menschen und Hilfeleistungen. Und die Situation könnte sich noch einmal verschärfen - für das Wochenende sind erneut schauerartiger Regen und Gewitter für Rheinland-Pfalz gemeldet. Es könne erneut Starkregen geben, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes. Wo und ob es zu Unwettern komme, könne derzeit noch nicht genau vorhergesagt werden.

128 Menschen tot geborgen, weitere noch vermisst

Nach der Sturzflut an der Ahr sind bisher 128 Menschen tot geborgen worden. Das teilte Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit. "Wir müssen von der schrecklichen Annahme ausgehen, dass diese Zahl noch steigen wird." Die Menschen im Katastrophengebiet seien an Leib und Seele verletzt. 749 Menschen wurden verletzt, weitere 170 werden immer noch vermisst. Die Einsatzkräfte konnten etwa 330 Menschen mit Hubschraubern von Dächern und Bäumen retten. Zurzeit sind nach Angaben des Innenministeriums im Kreis Ahrweiler 3.500 Kräfte des Katastrophenschutzes, 1.050 Polizisten, 853 Soldaten weitere 800 Feuerwehrleute und etwa 200 Helfer des Technischen Hilfswerks im Einsatz. Die Rettungs- und Evakuierungsmaßnahmen dauern noch an. In dem Landkreis sind 62 Brücken zerstört und 13 weitere beschädigt worden. Außerdem wurden 19 Kindertagesstätten sowie 14 von 60 Schulen stark beschädigt oder zerstört.

Unterstützung kommt auch aus Karlsruhe

Am Samstag gibt es für die Opfer der Flutkatastrophe eine große Spendenaktion auf dem Busparkplatz an der Messe Karlsruhe. Jeder, der möchte, kann seine Spenden morgen von 8 bis 12 an der Messe Karlsruhe abgeben. Sie werden dann direkt nach Zülpich in die Eifel gebracht - hierzu wird auch noch ein passender LKW gesucht und natürlich jede Menge helfende Hände. Gebraucht werden unter anderem Eimer, Schaufeln, Besen, Wasserschieber, Pumpen, Notstromaggregate, Kaffeemaschinen, Wasserkocher, Herdplatten, Kabeltrommeln, Nahrungsmittel (alles was gut aus der Hand gegessen werden kann, wie Müsliriegel, Salami etc.), Stilles Wasser, Babynahrung, Hygieneartikel, Windeln, Tiernahrung und Gummistiefel - Kleider werden nicht mehr benötigt. Außerdem sind auch Helfer zum Sammeln und Sortieren der Spenden gerne gesehen. Bereits vergangenen Samstag hatte es einen Spendenaufruf auf dem Messplatz in Karlsruhe gegeben.

Online-Plattform für Hochwasser-Hilfen errichtet

Das rheinland-pfälzische Sozialministerium hat unterdessen eine Online-Plattform extra für Hilfsangebote nach der Flutkatastrophe errichtet. Das Portal "Fluthilfe" solle Hilfsangebote und Hilfesuchende zusammenbringen. Bürgerinnen und Bürger können Angebote einstellen und zum Beispiel Sachspenden oder Unterkünfte anbieten. Betroffene können auf der Plattform angeben, was ihnen fehlt. Auf dem Portal können sich zunächst nur Privatpersonen anmelden. Da in den betroffenen Gebieten nur eingeschränkt Internet und Geräte verfügbar seien, soll es auch möglich sein, dass angemeldete Menschen stellvertretend für andere Betroffene Angebote und Nachfragen vermitteln. Diese Funktion soll demnach in Kürze freigeschaltet werden. Viele betroffene Menschen fühlen sich ohnmächtig und hilflos. Die Plattform könne zu "einem Zeichen des Mitgefühls und der Hoffnung" werden, sagten Sozialminister Alexander Schweitzer und Detlef Placzek, Opferbeauftragter der Landesregierung.

Unmengen von Sperrmüll nach der Flut

Ein großes Problem stellen auch die Unmengen an Müll und Schutt dar. "Wir haben von einem Mitgliedsunternehmen aus dem Katastrophengebiet gehört, dass in drei Tagen die übliche Jahresmenge an Sperrmüll zusammengekommen sei", sagte der für die Abfallwirtschaft zuständige Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen, Patrick Hasenkamp. Ein anderer Entsorger habe sogar von einer Sperrmüllmenge innerhalb weniger Tage berichtet, die mit dem Aufkommen der vergangenen drei Jahre vergleichbar sei. Zuverlässige Schätzungen der Müllmengen seien aber noch nicht möglich. Erst nach und nach lasse sich erfassen, wie viel zusätzlicher Abfall tatsächlich angefallen ist. "Der Müll muss weg. Und das schnell, um Hygieneprobleme zu vermeiden und Verkehrshindernisse aus dem Weg zu räumen", sagte Hasenkamp. "Möbel und andere Gegenstände, die durch das Hochwasser unbrauchbar geworden sind, eignen sich nicht für ein stoffliches Recycling", erläuterte er weiter. Probleme könnte es außerdem bei der Entsorgung des Bauschutts von zerstörten Häusern geben. Organisches Material wie Holzbalken aus Fachwerkhäusern dürfe grundsätzlich nicht deponiert werden. Vieles müsste daher verbrannt werden.

Marburger Bund besorgt über medizinische Lage

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat sich mit Blick auf die Versorgung von Patienten in den Katastrophengebieten besorgt gezeigt. Wie es in einer Mitteilung hieß, seien beispielsweise zahlreiche Arztpraxen in den betroffenen Regionen überschwemmt, nicht mehr arbeitsfähig oder sogar komplett zerstört. Niemand habe bisher ein komplettes Bild davon, wie stark die medizinische Grundversorgung zerstört sei, hieß es. "Wir wissen derzeit von über 20 Arztpraxen alleine in Rheinland-Pfalz, die nicht mehr arbeitsfähig sind", sagte Hans-Albert Gehle, Vorsitzender des Marburger Bundes in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, laut Mitteilung. Nicht von Hochwasser betroffene Praxen müssten Patienten in einer solchen Lage mitversorgen. Es sei zudem sinnvoll, wenn für chronisch Kranke und sonstige Patienten in Gemeinden und Stadtteilen provisorische "Not-Praxen" sowie "Not-Apotheken" aufgebaut würden.


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