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Nach Feuer-Drama: Zoofreunde Karlsruhe spenden für Menschenaffenanlage in Krefeld

Karlsruhe/Krefeld (pm/cmk) Diese Nachricht schockierte zum Jahresbeginn ganz Deutschland. In der Silvesternacht war die Menschenaffenanlage im Zoo Krefeld komplett ausgebrannt, vermutlich ist das Feuer wegen einer Himmelslaterne ausgebrochen. Insgesamt sind bei der Tragödie 21 Affen ums Leben gekommen, darunter acht Menschenaffen. Für einen Neubau der dortigen Menschenaffenanlage haben nun die Zoofreunde Karlsruhe gespendet.

Foto: Timo Deible / Zoo Karlsruhe

Auch Karlsruhe erlebte vor einigen Jahren eine Brand-Katastrophe

Bei dem katastrophalen Brand in der Silvesternacht starben unter andere, mehrere Orang-Utans und Gorillas, sowie ein Schimpanse. Der Zoo Krefeld und die dazugehörigen Zoofreunde sammeln seither für einen möglichst schnellen Neubau eines modernen Menschenaffenhauses. Die Karlsruher Zoofreunde haben nun 3.000 Euro dafür gespendet, um das Vorhaben zu unterstützen. "Wir haben selbst vor rund zehn Jahren bundesweit viel Hilfe, Solidarität und Spenden erhalten, nachdem es im Zoo Karlsruhe gebrannt hat", erläutert Gisela Fischer, Vorsitzende der Zoofreunde Karlsruhe. Damals brannte, wahrscheinlich ausgelöst durch einen technischen Defekt, der Streichelzoo völlig nieder. Es starben alle Tiere darin, die Elefanten im angrenzenden Gebäude erlitten durch die übergreifenden Flammen schwere Brandverletzungen.

Bedrohte Borneo-Orang-Utans

"Es war damals furchtbar für uns. Durch das gespendete Geld konnte aber bald wieder ein Streichelzoo an neuer Stelle errichtet werden. Wir sind bis heute äußerst dankbar dafür. Mit dieser Spende möchten wir auch etwas zurückgeben", betont Fischer. Sie ist sich sicher, dass in Krefeld durch bundesweite Hilfe ein Neuanfang erreicht werden kann. Neben dem generellen Verlust aller von den Flammen getöteten Tiere sei es besonders schlimm, dass auch hochbedrohte Borneo-Orang-Utans gestorben sind, so Dr. Clemens Becker, Artenschutzkurator im Zoo Karlsruhe, der seit 37 Jahren europaweit das Zuchtbuch für Orang-Utans führt: "Jedes einzelne Tier ist wichtig für den Arterhalt in Menschenhand." Die Weltnaturschutzunion IUCN listet die Art seit 2016 als vom Aussterben bedroht (critically endangered).

Karlsruher Zoodirektor erinnert an den Artenschutz

"Zoos leisten ganz wichtige Aufgaben im Artenschutz", stellt Dr. Matthias Reinschmidt heraus. Der Karlsruher Zoodirektor sieht die modernen, wissenschaftlich geführten Zoos als Zentren für Artenschutz. "Wir versuchen, die Bestände bedrohter Tierarten in den Zoos koordiniert zur Nachzucht zu bringen, gleichzeitig unterstützen wir Projekte in der Natur." Über die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe flossen bereits mehr als 80.000 Euro allein an das Sintang Orangutan Center von Willie Smits in Indonesien. "Gerade bei so charismatischen Arten wie den Orang-Utans haben wir noch eine kleine Chance, dass sie überleben werden. Die Menschen sind für die massiven Rückgänge der Bestände in der Natur verantwortlich, vor allem durch die Pflanzungen von Palmölplantagen als Monokulturen und dem damit verbundenen Lebensraumverlust für die Menschenaffen. Gleichzeitig sind wir aber auch die letzte Rettung für sie, wenn wir jetzt handeln", so der eindrückliche Appell des Zoodirektors.

Schutz und Zuchtbemühungen gehen Hand in Hand

Solche Schutzmaßnahmen in den Herkunftsländern und die Zuchtbemühungen in den Zoos gehen laut Reinschmidt Hand in Hand: "Wir wissen durch die Erfahrungen von Willie Smits, dass sich die Orang-Utans wieder auswildern lassen. Dafür braucht es aber weit mehr geschützte Gebiete in der Natur." Solange gelte es, die Bestände in den Zoos mit einer möglichst hohen genetischen Variabilität zu stärken. Es sei sehr wichtig, dass auch der Zoo Krefeld nach einem Neubau der Anlage wieder in die Erhaltungszucht einsteige. In Karlsruhe werden durch Becker bislang alle Orang-Utans in europäischen Zoos koordiniert, allerdings keine dieser hochbedrohten Menschenaffen gehalten. "Das werden wir ändern", sagt Reinschmidt mit Verweis auf den Masterplan, der bereits vor vier Jahren im Gemeinderat verabschiedet wurde. Darin ist eine Asien-Anlage unter anderem mit Sumatra-Tigern und Sumatra-Orang-Utans vorgesehen, die als Arten-Refugium dienen soll.