Karlsruher OB fordert Schnelltestpflicht

Karlsruhe (mt) - Momentan sinken die Corona-Zahlen im Stadtkreis von Karlsruhe weiter. Seit Anfang dieser Woche liegen die Neuinfektionen unter einer Inzidenz von 100. Trotzdem blickt Oberbürgermeister Frank Mentrup nicht sonderlich optimistisch in die nähere Zukunft. Für ihn ist klar, dass diese Tendenz nur von kurzer Dauer ist.

Foto: dnw

Nur kurzes Aufflackern

"Auch wenn man sich unser Abwasserorakel anschaut, ist bei uns in der Stadt von steigenden Infektionszahlen auszugehen", erklärte Mentrup am Donnerstag in Karlsruhe. Wenn die Inzidenz von Karlsruhe fünf Tage unter 100 läge, bestünde theoretisch die Möglichkeit, eine Stufe der Corona-Verordnung runterzufahren. "Realistisch betrachtet, kann sich das allenfalls um ein kurzes Aufflackern handeln. Ich persönlich glaube eher nicht, dass wir überhaupt soweit kommen", so der Oberbürgermeister. 

Karlsruhe greift bei Schnelltest Landesstrategie vor

Positivere Nachrichten hat Mentrup hingegen in Bezug auf die Schnelltests an den Karlsruher Schulen. "Das hat Ende letzter Woche gut funktioniert", freut sich Mentrup "Anfang dieser Woche haben die Schulen allen Schülerinnen und Schülern eine entsprechende Testung anbieten können." Die Testungen gehen mit zwei Tests pro Woche weiter, außer in der verkürzten Osterwoche. Sie können entweder direkt in den Schulen oder von den Eltern zu Hause gemacht werden. Das Angebot wird auch rege genutzt, davon hat sich Mentrup vor Ort ein Bild gemacht:  "Ich war heute Morgen in der Leopold-Grundschule und hab mir das mal angeschaut. Dort haben etwa 70 Prozent der Eltern ihre Zustimmung zu einer Testung gegeben." Die Stadt greift mit seiner Teststrategie dem Land bereits vor. Das hatte eigentlich vorgesehen, erst nach Ostern mit zwei Tests pro Woche zu starten. 

Testpflicht an Schulen notwendig

Ganz zufrieden ist der Oberbürgermeister mit dem Anteil der Schnelltests in den Schulen aber noch nicht: "Die Quote von 70 Prozent zeigt auch, dass es immer noch einen nennenswerten Anteil von Eltern gibt, die mit einer Testung nicht einverstanden sind." Mentrup empfiehlt dem Land deswegen, dringend über eine verbindliche Testpflicht nachzudenken: "Das Ganze soll ja auch ein Stück Sicherheit in die Schulen bringen. Wenn 30 Prozent der Kinder am Ende nicht getestet sind, ist es mit dieser Sicherheit möglicherweise auch nicht weit her." Nur eine Testpflicht könne in seinen Augen die entscheidenden Besserungen bringen. Erstaunt und entrüstet ist der Oberbürgermeister dagegen, dass das Land offensichtlich keine Teststrategie für Kindertagesstätten vorgesehen habe. Mentrup appelliert deswegen nachzuziehen: "Es ist landesweit deutlich, dass die Infektionssituation in den Kindertagesstätten und in den Schulen durch die neue Mutation eine andere ist, als wir das vom alten Virus aus dem letzten Jahr kennen."

Teststrategie auch in Betrieben

Die Rücknahme des Ruhetages am Gründonnerstag versteht Mentrup so, dass sich die Bundesregierung von den inzidenz- und lockdownbasierten Reaktionen auf die Infektionssituation abwendet. Für ihn sei allerdings nicht zu erkennen, welcher neuen Strategie sie sich stattdessen zuwendet. "Wenn Bund und Länder sich jetzt von klassischen Lockdownstrategien verabschieden, auch von einer Inzidenzorientierten oder -basierten Öffnungs- und Schließungsstrategie - was ich grundsätzlich sehr befürworte - dann muss stringent und für alle verpflichtend eine Teststrategie aufgelegt werden. Die erfasst dann auch die Orte, an denen wir im Moment nennenswerte Infektionen nachweisen können. Das sind Schulen, Kindertagesstätten, vor allem aber auch Betriebe." Die inzidenzabhängige Vorgehensweise mache für Mentrup vor allem in Bezug auf den Einzelhandel keinen Sinn. Dort gäbe es nämlich keine  nachgewiesenen Infektionsketten. 

Wettlauf der Modellstädte

Der Karlsruher Rathauschef findet den fast schon hysterischen Wettlauf der Modellstädte nicht zielführend. Ihm wäre eine gemeinsame Öffnungsstrategie lieber: "Hier finde ich es wichtig und richtig, aus den bisherigen Projekten die entsprechenden Erkenntnisse zu ziehen. Ich glaube, dass wir jetzt keine einzelnen Städte oder Gemeinden brauchen, die mit Tests und Projekten etwas ausprobieren sollten. Wir sollten die Gesamtcoronastrategie des Landes dahingehend ausrichten, dass wenn bestimmte Rahmenbedingungen gesichert sind, diese auch für alle, die dafür Nachweise erbringen können, Öffnungen möglich macht." Auch die Stadt Karlsruhe habe eine spezielle Technik getestet und wolle die Erkenntnisse für potenzielle gemeinsame Öffnungen einbringen: "Wir haben sehr gute Erfahrung mit einem Nachverfolgungssystem gemacht, das wir etwa beim Indoor-Meeting eingesetzt haben und das ohne eine App funktioniert, nämlich über entsprechende Responder und Karten. Die gibt man den Besuchern und hat ein Erfassungssystem auf dem Veranstaltungsgelände. So was schwebt uns beispielsweise für die Schlosslichtspiele vor."

Time-Slots für Erzieherinnen und Erzieher

Alles in allem können die Maßnahmen künftig nur durch eine durchgeimpfte Gesellschaft ausgesetzt werden. Doch dort gibt es immer noch Schwierigkeiten: "Bei den Impfungen ist nach wie vor der Impfstoff der limitierende Faktor. Aber da zeichnet sich am Horizont ab, dass es sich deutlich verbessern könnte", erklärt der Oberbürgermeister. Die Stadt bemühe sich momentan darum, Erzieherinnen und Erziehern erleichterten Zugang zu Impfterminen zu geben: "Wir werden ab nächster Woche mit den Trägern der Kindertagesstätten ins Gespräch gehen, um Erzieherinnen und Erziehern eigene Time-Slots in unseren kommunalen Impfzentren anzubieten. Damit auch sie möglichst schnell eine Impfung bekommen."


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