Karlsruher Klinikums-Chef: "Ich hätte mir ein Feierverbot für Silvester gewünscht"

Karlsruhe (pm/mt) - Die Lage im Städtischen Klinikum in Karlsruhe ist momentan angespannt, aber stabil. Deswegen unterstützt der Klinikums-Chef Michael Geißler die aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung. Er hätte sich aber gewünscht, dass die Maßnahmen auch über Weihnachten bestehen bleiben. Allerdings sieht Geißler in Bezug auf den Impfstoff einen positiven Effekt auf die Bevölkerung - allerdings erst im Frühjahr.

Foto: Symbolbild/Pixabay

Entwicklung stabil

"Die Entwicklung ist stabil auf hohem Niveau. Wir werden weder schlechter noch besser, das ist auch das, was zu erwarten ist. Wenn die Gesamtsituation in Deutschland stabil ist, dann ist auch klar, dass wir in Krankenhäusern auf einem hohen Niveau stabil bleiben werden", So Klinikums-Chef Michael Geißler am Donnerstag in Karlsruhe. Trotzdem gehe er davon aus, dass wir in den nächsten drei, vier Wochen eine Zunahme bei den schwerkranken Patienten haben werden: "weil natürlich die schweren Erkrankungen erst so drei, vier, fünf Wochen nach Beschluss von Maßnahmen auftreten bei uns im Krankenhaus und das sehen wir jetzt. Wir sehen ja bundesweit die hohen Sterberaten und wir sehen auch, dass wir hier in der Region in einzelnen Kliniken sehr volle Intensivstationen haben."

Notfälle können behandelt werden

Insgesamt haben sich momentan 65 Mitarbeiter infiziert. Im Karlsruher Klinikum befinden sich außerdem 42 positive Covid-19 Patienten. Das Krankenhaus kann bei dieser Auslastung auch noch die anderen Notfälle behandeln: "Wir haben eine volle Intensivstation reserviert. Das sind knapp 20 Prozent unserer Intensivkapazität. Das können wir gut stemmen. Damit sind alle anderen Notfälle und schweren Erkrankungen gut behandelbar", so der Klinikums-Chef. 

Kleine Kritik an Maßnahmen

"Die Maßnahmen sind gut, die sind konsequent. Ich hätte mir ein Feier- und ein Feuerwerkverbot für Silvester gewünscht, das verstehe ich nicht, dass man das nicht einmal im Jahr der Bevölkerung zumuten kann, nicht zu böllern, bei den Weihnachtsfeiertagen muss man halt eine Balance finden, zwischen religiösen, sozialen, gesellschaftspolitischen und medizinischen-epidemiologischen Gründen", so Geißler im Gespräch mit der neuen welle. Dennoch hätte er es sich gewünscht, dass die Maßnahmen über Weihnachten konsequent durchgelaufen wären: "Aber die Erweiterung jetzt von drei Feiertage auf zehn ist vertretbar, aus meiner Sicht, es wird nicht zu einer großen Welle führen. Ich persönlich gehe davon aus, dass die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land auf ihre Tanten, Omas und Opas aufpassen, sie schützen und nicht mit ihren Symptomen zum Weihnachtsfest gehen werden. Dann wird es hoffentlich nur einen begrenzten kleinen Neuanstieg geben, der aber nicht zu einer großen Welle führt." 

Impfstoff wird extrem sicher sein

In Bezug auf den Impfstoff sieht Geißler einen positiven Effekt auf die Bevölkerung und die epidemiologische Lage erst im Frühjahr. Das läge daran, dass erst Risikopersonen geimpft werden. Der Impfstoff wird in den Augen des Klinikums-Chef extrem sicher sein: "In den Studien wird natürlich die Sicherheit bei jedem Patienten lückenlos überwacht. Wenn Probleme auftreten, dann wird sofort eine Sicherheitskommission eingesetzt, die guckt, ob eine schwere Nebenwirkung mit dem Impfstoff zusammenhängt, ja oder nein. Dass die Impfstoffe jetzt aktuell kurz vor der Zulassung stehen, vor allem wenn sie dann die Zulassung vom Paul Ehrlich Institut und von der STIKO haben, gehe ich davon aus, dass die Impfstoffe extrem sicher sind." Ganz seltene Impfreaktionen (1 zu 1 Millionen) gäbe es schließlich bei jeder Impfung. 


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