Hilfe für die Hochwasser-Krisengebiete - Spendenkonten eingerichtet

Region (pm/lk) - Während die ersten Helfer aus der Region bereits aus den Krisengebieten zurückkehren, brechen schon die nächsten Hochwasserzüge in die betroffenen Gebiete auf. Freiwillige Helfer unter anderem aus dem Kreis Calw, der Südpfalz und dem nördlichen Landkreis Karlsruhe sind von ihren Einsätzen zurück in der Heimat. Weitere Spezialzüge aus dem Regierungsbezirk Karlsruhe sind dagegen am Montag als Verstärkung nachgerückt. Im Interview mit der neuen welle berichtet eine Helferin aus Ubstadt-Weiher von ihren Erfahrungen vor Ort. Außerdem werden aktuell keine Sachspenden mehr benötigt. Stattdessen wurden zahlreiche Spendenkonten eingerichtet.

Foto: Sautter Brandschutztechnik

Einsatzkräfte aus Calw wohlbehalten zurück

Foto: Feuerwehr Ubstadt-Weiher

Die Bilder aus den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erschüttern momentan die ganze Welt. Die Zerstörung der Wassergewalt gleicht einem Krieg. Ganze Dörfer, Häuser, Brücken, Straßen und Fahrzeuge wurden einfach von den Fluten mitgerissen. Die Zahl der Toten ist zwischenzeitlich auf über 170 gestiegen. Doch es gibt auch Lichtblicke in diesen dunklen Zeiten: die Hilfsbereitschaft und das Engagement des DRK, der Malteser, Feuerwehren, Technischen Helfer, Einsatzkräfte, Firmen, Bauunternehmer, Gartenbauer, Forstwirte, Landwirte und Freiwilligen ist enorm. Ohne Schlaf oder eine heiße Dusche haben Einsatzkräfte aus Bad Liebenzell, Calw und Gechingen Schutt und Geröll weggeräumt, eine Bundesstraße und vollgelaufene Keller freigepumpt. Inzwischen sind die Männer und Frauen des Katastrophenschutzzuges "Hochwasser" des Landkreises Calw wieder gesund zurück in der Heimat.

Dramatischer Einsatz für Helferin aus Ubstadt-Weiher

Foto: Feuerwehr Ubstadt-Weiher

Susanne Rein hat ebenfalls im Krisengebiet in Rheinland-Pfalz mit angepackt. Sie ist Zugführerin der Feuerwehr Ubstadt-Weiher und war mit Einsatzkräften aus Bretten, Ubstadt-Weiher, Bad Schönborn und Graben-Neudorf in der Gemeinde Kordel im Kreis Trier-Saarburg. Der Hilferuf erreichte Susanne am Donnerstagabend um 19 Uhr, bereits um 20.30 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. "Ich hatte etwa eine Stunde Zeit, um mich auf den Einsatz vorzubereiten", erzählt Susanne Rein im Interview mit der neuen welle. Kurz nach Mitternacht erreichten die Helfer den Bereitstellungsraum in einer Turnhalle in Hermeskeil. Um 4 Uhr in der Nacht rückten die Badener in die überflutete Gemeinde Kordel aus. "Als wir ankamen, stand noch der gesamte Ortskern 1,5 Meter unter Wasser", so die Zugführerin. "Auch die Bundesstraße war überflutet. Unsere Hauptaufgabe war mit Pumpen zu unterstützen und das Wasser zurück in die Bäche zu leiten. Das Feuerwehrhaus und die Fahrzeughalle im Ortskern von Kordel waren unter einer 20 Zentimeter dicken Schlammschicht begraben." Nachdem nach mehreren Stunden Ortskern und Bundesstraße vom Wasser befreit waren, wurden erste Keller freigepumpt. Einige Häuser waren akut einsturzgefährdet. "Das was da jetzt passiert ist, habe ich noch nie erlebt. Man kann es sich nicht vorstellen, bis man es mit eigenen Augen gesehen hat." Gesamte Existenzen wurden innerhalb einer Nacht zerstört. "Während des Einsatzes macht man sich darüber noch gar keine Gedanken. Aber wenn man wieder zu Hause im eigenen Bett liegt, wird einem bewusst, dass es dort Menschen gibt, die monatelang nicht mehr in ihrem Bett schlafen können. Das trifft einen schon ziemlich", sagt Susanne. Dafür war der Dank vor Ort überwältigend: "Da sind immer wieder Leute mit Bollerwagen durchgelaufen und haben die Einsatzkräfte mit Kaffee und Süßigkeiten versorgt."

Verstärkung aus der Region rückt nach

Und während die ersten Helfer aus den Krisengebieten wieder nach Hause kommen, rückt die Verstärkung aus der Region schon nach. Am Montagnachmittag sind weitere Spezialzüge der Feuerwehren von der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal aus in den Norden von Rheinland-Pfalz gestartet. Über 100 Hilfskräfte aus Rastatt, Pforzheim, dem Enzkreis, Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg und dem Neckar-Odenwaldkreis unterstützen nun die Aufräum- und Bergungsarbeiten vor Ort. In Mittelbaden hat sich die Hochwasserlage inzwischen so weit entspannt, dass der Landkreis Rastatt 21 Einsatzkräfte mit fünf Fahrzeugen aus Bühl, Gernsbach und Durmersheim entsenden kann. Ihr Schwerpunkt wird darin liegen, mit Pumpen Straßen und Wege sowie Häuser und Keller vom Wasser zu befreien. Auch die Stadt Baden-Baden hat zwischenzeitlich Helfer entsendet. Bereits am vergangenen Donnerstag waren rund 300 Kräfte aus dem Südwesten zur Flutkatastrophe nach Rheinland-Pfalz aufgebrochen. Wer selbst auch mit Muskelkraft helfen möchte, oder schweres Gerät für den Einsatz bereit stellen kann, wendet sich am besten an hochwasserhilfe@kreis-ahrweiler.de oder hochwasseradenau.de, dort werden die Einsätze und Helfer koordiniert. Auf gut Glück sollten Helfer auf keinen Fall hinfahren, da die vielen Fahrzeuge bereits gesamte Ortschaften blockieren.

Foto: Sautter Brandschutztechnik

Unternehmen setzen alle Hebel in Bewegung

Auch Sautter Brandschutztechnik aus Karlsruhe setzt alle Hebel in Bewegung! Mit Hilfsmitteln wie Wasser, Nahrungsmitteln und Schlafsäcken konnte das Unternehmen am Sonntag in die Krisenregion gelangen. Nun ist der nächste Schritt geplant: mit Aggregaten, Treibstoffen, Baumaterialien und Werkzeugen soll der nächste Trupp ausgestattet werden. Es soll versucht werden, in den Häusern dezentral eine Stromversorgung herzustellen, um Beleuchtung, Wärme und den Betrieb der Pumpen sicher zu stellen. Momentan müssen die Anwohner mit Taschenlampen und Kerzen arbeiten. Des Weiteren ist der Abfall ein Problem - die Menschen müssen Löcher graben, um Fäkalien und Essenreste zu verscharren. Doch die Beschaffung der Materialien und Geräte gestaltet sich als äußerst schwierig. Aggregate sind teuer und in diesen Zeiten besonders rar. Darum bittet das Unternehmen Sautter Brandschutztechnik um Geldspenden, um drei bis vier Aggregate (pro Stück etwa 1.000 Euro), Treibstoffe, Baumaterialien (Kabel, Baubeleuchtung, Schmutzwasserpumpen, Schläuche) und Werkzeuge zu kaufen. Für die Anschaffung wurde extra ein Spendenpool eingerichtet. Auch fähige Handwerker, Elektriker oder Sanitärinstallateure sind herzlich willkommen.

Pfälzer Familie steht zusammen

Foto: Feuerwehr Ubstadt-Weiher

Angesichts des Ausnahmezustands im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler sind viele Städte und Kommunen in Rheinland-Pfalz geschockt. Der Vorsitzende des Städtetags und Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling sowie sein Stellvertreter und Oberbürgermeister der Stadt Landau, Thomas Hirsch, betonten, dass die zerstörten Regionen auch mittel- und langfristig Unterstützung benötigten. Die Soforthilfen von Land und Bund seien eine wichtiges Signal, würden vermutlich aber nicht ausreichen, um die Infrastruktur wieder vollständig in Gang zu bringen. Der Städtetag RLP berät daher aktuell über weitere Unterstützung und unbürokratische Hilfen. Hilfe in Form von Muskelkraft kommt nun aber zunächst aus dem Landkreis Germersheim: Einsatzkräfte der Feuerwehr aus Jockgrim, Lingenfeld, Winden und Freckenfeld sind seit Sonntag in der Eifel. Rund 500 Kräfte aus Landau und der Südlichen Weinstraße konnten ihren Hilfseinsatz Anfang der Woche beenden. Sie hatten Menschen gerettet, überflutete Keller ausgepumpt und eine Stadtteilküche aufgebaut, damit die Menschen etwas essen können.

Foto: Sautter Brandschutztechnik

Geldspenden dringend benötigt

Unterdessen haben die Stadt Landau, die beiden Landkreise Südliche Weinstraße und Germersheim sowie die Sparkasse Südpfalz ein Spendenkonto eingerichtet. Denn die Spendenbereitschaft für die Flutopfer ist bundesweit ungebrochen. Inzwischen sind jedoch so viele Essens- und Kleiderspenden in den Krisenregionen angekommen, dass die Vorratskammern mehr als ausreichend gefüllt sind. Sämtliche Hilfskräfte und Hilfsorganisationen bitten daher nicht mehr um Sachspenden. Viel dringender werden jetzt Geldspenden benötigt. Unter dem Slogan "Weinregion für Weinregion - Südpfalz hilft dem Ahrtal" rufen OB Hirsch und die Landräte Seefeldt und Brechtel zum Spenden unter dem Kennwort "Katastrophenhilfe Hochwasser" auf das Konto der Sparkasse Südpfalz, IBAN: DE87 5485 0010 1700 2446 66, BIC: SOLA DES1 SUW auf. Empfänger ist der Landkreis Südliche Weinstraße. Mit einer Spendenaktion rufen nun auch die Stadt Rastatt und die Kommunen im Landkreis zu Spenden auf. Unter dem Stichwort "Kommunen helfen Kommunen" soll die Hilfe ganz konkret dem besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler zukommen. Der Beitrag soll auf das Spendenkonto des Kreises Ahrweiler bei der Kreissparkasse Ahrweiler, IBAN: DE86 5775 1310 0000 3394 57, Spenden-Stichwort: Hochwasser überwiesen werden. Außerdem hat das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen eine Liste mit Spendenkonten seriöser Hilfsorganisationen erstellt.

Fußballvereine können Schweigeminute einlegen

Die Amateurfußballer in Baden-Württemberg können den Opfern der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands am Wochenende mit einer Schweigeminute gedenken. Die drei Fußballverbände des Landes bitten ihre Clubs darum, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung am Dienstag heißt: "Als Zeichen der Anteilnahme bitten die baden-württembergischen Fußballverbände ihre Vereine, der Opfer, ihrer Angehörigen und Freunde, sowie allen Betroffenen der Katastrophe zu gedenken." Zudem rufen Württembergischer (wfv), Badischer (bfv) und Südbadischer Fußballverband (SBFV) zu Spenden auf. Das Geld soll den von der Katastrophe betroffenen Sportvereinen zufließen.


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