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"Erhöhtes Verletzungsrisiko": KSC-Profi sieht Liga-Neustart kritisch

Karlsruhe (dpa/cmk) Mittelfeldspieler Marc Lorenz vom Karlsruher SC befürchtet mit Blick auf den geplanten Neustart in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur erläutert der 31-Jährige seine Bedenken.

Symbolbild: GES

Frage: Wieso bereitet Ihnen als Spieler der Neustart der 1. und 2. Bundesliga am nächsten Wochenende Sorgen?

Antwort: Wofür machst du im Sommer eine Vorbereitung mit fünf, sechs, sieben Testspielen? Was viele nicht sehen, ist, dass vier Wochen Waldlauf und vier Wochen Kleingruppentraining etwas ganz anderes sind, als sich in Zweikämpfen fit zu halten. Das ist einfach ein fußballspezifisches Training, das uns gefehlt hat. Ich sehe da nun ein erhöhtes Verletzungsrisiko, und das ist auch der Kernpunkt meiner Kritik.

Frage: Eine erhöhte Ansteckungsgefahr sehen Sie also nicht?

Antwort: Da würde ich meinem Mitspieler Daniel Gordon zustimmen. Der sagt, wir haben auf dem Platz schon ein sehr geringes Risiko, uns anzustecken. Denn wir sind alle getestet und ich sehe keinen Grund, dass ein Re-Start daran scheitern würde. 

Frage: Trotzdem bleiben Ihre Sorgen um die Verletzungen. Warum gibt es kaum andere Profis, die diese Bedenken äußern? 

Antwort: Um es einmal klarzustellen: Natürlich freuen wir uns alle, dass es endlich wieder losgeht. Als Fußballer gibt es nichts Schöneres, als wieder auf dem Platz zu stehen. Auch wir als Mannschaft beim KSC wollen wieder spielen. Es geht uns nicht darum, dass wir einen Abbruch der Saison wollen. Aber wir wollen durch einen fairen Wettkampf auf dem Platz und mit niedrigem Verletzungsrisiko durch eine gute Vorbereitung unser Ziel erreichen. Ich glaube auch, dass viele so denken. Jeder im Profisport weiß, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist.

Frage: Aber wird dem erhöhten Verletzungsrisiko nicht etwa damit vorgebeugt, dass vermutlich fünf Auswechslungen erlaubt sein werden?

Antwort: Ich könnte mir vorstellen, dass die Qualität leiden wird, wenn das kommen sollte mit den fünf Auswechslungen. Dann findet ja wirklich fast gar kein Spielfluss mehr statt. Das kennen wir aus der Vorbereitung, wenn du in einer Halbzeit sechs, sieben Wechsel hast, dann leidet der Spielfluss extrem darunter. Auch durch die Geisterspiele wird es was ganz anderes sein. Wenn du nach 80 Minuten fast am Limit bist, da pushen dich die Zuschauer noch einmal. Das kannst du nicht simulieren, du kannst dich auf so etwas nicht vorbereiten. Es wird ein Trainingsspielcharakter sein.

Frage: Dennoch schweigt die überwiegende Mehrheit der Profis. Gibt es also gar keine großen Sorgen?

Antwort: Ich habe schon öfter gehört, ihr müsst ja auch gar nicht spielen. Aber ich habe einen Vertrag, und den will ich auch erfüllen. Und ich habe eine Verantwortung dem Verein und den Fans gegenüber, dass ich mein Bestmögliches in meiner Verfassung für den Verein gebe. Deswegen stellt sich die Frage gar nicht, zu kneifen oder zu sagen, ich mache das nicht. Ich weiß nicht, warum sich so nur wenige dazu äußern oder warum die Spieler so wenig mit einbezogen werden. Vielleicht müsste es mal eine richtige Gewerkschaft von Spielern geben, aus jedem Verein einer. Und dann sollten sich die 36 mal zusammensetzen und diskutieren, alles zusammenfassen und dann müssten sich drei oder vier mit der DFL zusammensetzen und die Meinung der Spieler äußern.