Badisches Staatstheater Karlsruhe: Generalintendant Spuhler soll gehen

Karlsruhe (dpa/pm/lk) - Der umstrittene Generalintendant des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe, Peter Spuhler, soll zum Ende der laufenden Spielzeit gehen. Nach Vorwürfen unter anderem wegen seines Führungsstils soll nach dem Willen des Wissenschaftsministeriums sein Vertrag für eine dritte Intendanz aufgelöst werden. Kunstministerin Theresia Bauer und Oberbürgermeister Frank Mentrup werden dem Verwaltungsrat bei seiner Sitzung am Montag die Vertragsauflösung Spuhlers empfehlen. Spuhler selbst hatte bereits sein grundsätzliches Einverständnis erklärt.

Foto: Badisches Staatstheater/Google Maps/k. vysotskyi

Vorschlag der Vertragsauflösung

Kunstministerin Theresia Bauer und Oberbürgermeister Frank Mentrup sind die Vorsitzende und der Vize-Vorsitzende des Verwaltungsrats des Badischen Staatstheaters. Nach zahlreichen Gesprächen am Badischen Staatstheater werden beide dem Verwaltungsrat in seiner Sitzung heute ab 17:00 Uhr empfehlen, den im April 2019 einstimmig verlängerten Dienstvertrag mit Generalintendant Peter Spuhler über eine dritte Intendanz für den Zeitraum vom 01. September 2021 bis 31. August 2026 im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen. Damit würde Spuhler im Sommer kommenden Jahres und nicht erst 2026 das Haus verlassen.

Spuhler signalisiert Einverständnis

Spuhler habe seinerseits bereits sein grundsätzliches Einverständnis zum Verzicht auf dritte Intendanz-Periode erklärt. Die Beendigung des Vertragsverhältnisses mit dem Generalintendanten hat jedoch keine Auswirkungen auf die laufenden Verträge mit den Sparten- und Abteilungsleitungen. Diese gehen über den Sommer 2021 hinaus und stehen nicht zur Disposition. Hier wird von personeller Kontinuität ausgegangen.

Terrorherrschaft und toxisches Arbeitsklima

Die Vorwürfe gegen den Chef des Karlsruher Hauses mit rund 850 Mitarbeitern schwelen seit Mitte des Jahres. Unter anderem waren in einem offenen Brief des Personalrates Missstände angeprangert worden wie "Kontrollzwang, beständiges Misstrauen, cholerische Ausfälle" seitens Spuhler. Es herrsche ein toxisches Arbeitsklima, hatte es darin geheißen. Rund 300 Mitarbeiter demonstrierten seinerzeit für einen Neuanfang. Das Haus war auch wegen angeblicher Belästigungen in die Schlagzeilen geraten. Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung gegen einen Mitarbeiter des Hauses, der nicht der Führung des Theaters angehört, steht ein Verfahren vor dem Amtsgericht Karlsruhe bevor.

Verwaltungsrat hielt zunächst an Spuhler fest

Nach der massiven Kritik an seiner Person entschuldigte sich Spuhler und gelobte Besserung. Der Verwaltungsrat hielt zur Enttäuschung von Personalrat, Orchester- und Chorvorstand zunächst an ihm fest. Seine Weiterbeschäftigung sei die "beste Lösung für das Haus", wie Bauer damals nach mehreren Krisengesprächen noch versicherte. Unter anderem wurden ein Vertrauensanwalt für Mitarbeiter eingesetzt und regelmäßige Befragungen der Belegschaft beschlossen.

Nun doch Notbremse ziehen

Ruhe kehrte aber auch über die Sommerpause im Staatstheater nicht ein. Das Vertrauen sei zerstört, die Stimmung schwanke zwischen Resignation und Hoffnung, hieß es aus Theaterkreisen. "Für uns ist es gar nicht nachvollziehbar, dass Spuhler sich noch ins Haus traute. Aber er tat es", hieß es von dort. Nun wollen Land und Stadt doch die Notbremse ziehen, das Theater muss aber noch ein gutes halbes Jahr mit Spuhler zusammenarbeiten.  Zu einer möglichen Nachfolge gab es von Seiten des Ministeriums keinen Kommentar.

Errungenschaften unter Spuhler

Peter Spuhler ist seit September 2011 Generalintendant des Badischen Staatstheaters. Er hat die künstlerische Weiterentwicklung des Hauses mit Gründung des Jungen Staatstheaters, Eröffnung der Studio-Bühne, eines Probebühnenzentrums und die Gründung des Volkstheaters wesentlich geprägt. Er konnte die Besucherzahlen deutlich steigern. Die im Frühjahr 2012 beschlossene Sanierung des Staatstheaters sowie den Neubau eines Schauspielhauses mit integriertem Kinder- und Jugendtheater sind ebenfalls sein Verdienst. Außerdem gehören die Umwandlung in einen Landesbetrieb sowie die Einführung eines neuen Leitungsmodells mit einem Geschäftsführenden Direktor zu seiner Bilanz.


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