Kostenlose Corona-Tests entfallen für viele im Südwesten

Region (dpa/lk) - Eine Teststrategie galt als Nonplusultra durch die vergangenen Monate der Corona-Pandemie. Seit genügend Impfstoff zur Verfügung steht wächst der Druck auf Ungeimpfte durch schärfere Regeln für sie - und den Wegfall von kostenlosen Angeboten. Ab Montag bekommen nur noch bestimmte Personengruppen wie Kinder, Schwangere und Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, kostenlose Corona-Tests.

Foto: Picture Alliance/dpa/Sina Schuldt

Kostenlose Corona-Tests entfallen

Wer sich auf eine Corona-Infektion testen lassen will, muss ab kommender Woche in vielen Fällen dafür zahlen. Gemäß der Bundesregelung bekommen auch in Baden-Württemberg nur noch bestimmte Personengruppen wie Kinder, Schwangere und Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, kostenlose sogenannte Bürgertests. "Die meisten von uns sind geimpft - jeder Bürgerin und jedem Bürger über 12 Jahren können wir ein Impfangebot machen. Es ist deshalb richtig, dass der Bund nur noch zielgenau jenen Menschen den Test finanziert, die sie wirklich brauchen", sagte der Grüne Landesgesundheitsminister Manne Lucha. Eine Umfrage von "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" bei Anbietern aus der Region ergab, dass die Preise bei 15 bis 25 Euro für einen Antigen-Schnelltest liegen könnten.

Keine Änderungen bei Schulen und Krankenhäusern

Keine Änderungen gibt es bei Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen. Bis Jahresende stellt das Land Schulen kostenlose Tests zur Verfügung. Kliniken und Pflegeheime dürften nicht-immunisierte Besuchern nicht an kostenpflichtige, externe Testangebote verweisen, teilte das Ministerium mit. "In diesen Bereichen bleiben die Tests weiterhin kostenlos, denn die Bewohner und Patienten sind auf soziale Kontakte angewiesen und brauchen die Besuche", erläuterte Lucha. Auch Arbeitgeber blieben verpflichtet, ihren Beschäftigten kostenlose Tests zu stellen.

Menschen für eine Impfung motivieren

Der Wegfall der kostenlosen Tests soll auch dazu dienen, dass sich noch mehr Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen. So betonte auch Minister Lucha nochmal: "An alle anderen richtet sich mein Appell: Lassen Sie sich impfen, das ist der einzige langfristige Weg aus der Pandemie." Nach Angaben des Robert Koch-Instituts gelten rund sieben Millionen Menschen in Baden-Württemberg als vollständig geimpft. Das sind knapp zwei Drittel der Bevölkerung. Mehr als die Hälfte der Menschen, die nicht gegen Corona geimpft sind, könnten laut einer Umfrage doch noch zu einer Impfung umgestimmt werden. "33 Prozent der Ungeimpften zögern, 14 Prozent sind unsicher und zwölf Prozent sind impfbereit", sagte Lucha. "Unter allen Befragten haben wir rund zehn Prozent eindeutige Impfgegner."

Kostenlose Testangebote für Kinder und Schwangere

Kostenlos können sich weiterhin Kinder bis 12 und Jugendliche bis 18 Jahren testen lassen. Außerdem Schwangere, Stillende und Vorerkrankte, die aufgrund der medizinischen Kontraindikation nicht geimpft werden konnten. Personen, die sich wegen einer nachgewiesenen Infektion mit dem Coronavirus in Absonderung begeben mussten, können sich kostenlos testen lassen, wenn die Testung zur Beendigung der Absonderung erforderlich ist. Auch Studierende aus dem Ausland, die sich für ein Studium in Deutschland aufhalten und mit in Deutschland nicht anerkannten Impfstoffen geimpft wurden, können sich kostenlos per Schnelltest testen lassen.

37 Millionen Schnelltests im Land

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg hat nach Angaben des Ministeriums bis September fast 37 Millionen Schnelltests mit dem Bund abgerechnet. Tests in Arztpraxen sind in der Zahl nicht enthalten. Allerdings wurden bis in den Juni hinein bei der KVBW auch Tests abgerechnet, die nicht in Baden-Württemberg stattgefunden haben, deren Anbieter hier aber ihre Sitze hatten. Rund 7.720 Stellen im Land hätten sich bei der KVBW zur Abrechnung nach der Coronavirus-Testverordnung des Bundes registriert. Darunter waren beispielsweise Apotheken, aber auch externe Anbieter. Nicht immer verlief das reibungslos: Wegen mutmaßlichen Abrechnungsbetrugs bei Corona-Testzentren hatte etwa die Staatsanwaltschaft Freiburg Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Stadt Bühl wiederum kündigte dem Betreiber eines Testzentrums wegen Problemen beim Datenschutz und der Übertragung von Corona-Testergebnissen.


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