Klinikdirektor Martin Bentz: "Keiner der Intensivpatienten ist vollständig geimpft"

Karlsruhe (lk) - Seit Mitte August sind die Inzidenzen in Baden-Württemberg nicht mehr das Maß aller Dinge in der Corona-Pandemie. Seitdem setzt der Südwesten auf die Auslastung der Intensivbetten in den Krankenhäusern. Hierzu wurde ein dreistufiges System mit Basis-, Warn- und Alarmstufe eingeführt. Am Städtischen Klinikum in Karlsruhe sind derzeit 15 Covid-Patienten in Behandlung. Der Klinikdirektor geht jedoch davon aus, dass die Zahl in den kommenden Tagen und Wochen weiter steigen wird. Auffällig ist, dass 80 Prozent der positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen, ungeimpft sind.

Foto: Symbolbild/Pixabay

Reiserückkehrer sorgen für steigende Zahlen

Zahlreiche Reiserückkehrer haben nach den Sommerferien für einen Anstieg der Zahlen gesorgt. "Dieses Jahr haben Reiserückkehrer einen Einfluss auf die Pandemie gehabt. In Stadt- und Landkreis Karlsruhe sind in den letzten vier Wochen 30 Prozent der Erkrankungen durch Reiserückkehrer verursacht worden. Aber wir sind glücklicherweise diesen Sommer in einer ganz anderen Situation, als im letzten Sommer", bilanziert Martin Bentz, Direktor der Medizinischen Klinik am Städtischen Klinikum Karlsruhe.

Kein vollständig Geimpfter auf Intensivstation

Bentz sieht das Land in der vierten Corona-Welle, doch er stellt einen klaren Unterschied zu den vorherigen Wellen heraus: "Inzwischen sind viele Menschen geimpft. Diese sind effektiv geschützt und dadurch haben wir nicht so einen starken Durchschlag in der stationären Versorgung. Das macht einen großen Unterschied für das Gesundheitswesen." Am Städtischen Klinikum in Karlsruhe sind derzeit 15 Covid-Patienten in Behandlung. Sechs auf Intensivstation, zwei davon werden beatmet. "Keiner dieser Patienten ist vollständig geimpft." In den vergangenen zwei Monaten sei auch kein einziger Patient mit Covid-19 auf der Intensivstation gelandet, der vollständig geimpft war, macht der Mediziner noch einmal deutlich.

Impfung ist hochwirksame Maßnahme

Auf den Normalstationen sind ebenfalls nur maximal zehn Prozent der Covid-Patienten vollständig geimpft. "Bei diesen Patienten gab es durchweg Gründe, warum die Impfung nicht optimal wirken konnte. Beispielsweise Dialysepatienten oder Patienten mit Tumorerkrankungen", so der Klinikdirektor. Allerdings habe keiner dieser Patienten trotz Immunschwäche stark ausgeprägte Symptome gehabt. Auch in anderen Kliniken stelle sich ein ähnliches Bild dar, so Bentz. Geimpfte bräuchten im Regelfall also keine Angst vor einem schweren Verlauf haben. "Die Zahlen sprechen für sich und es beruhigt mich persönlich - für mich und meine Familie - zu wissen, dass die Impfung nicht nur statistisch, sondern auch im realen Leben eine hochwirksame Maßnahme ist."

Die Welle der Ungeimpften

Trotz allem können geimpfte Menschen, andere mit Covid-19 anstecken. "Man hat keine 100 prozentige Sicherheit, das ist tatsächlich so. Aber die Inzidenzen der Geimpften in Baden-Württemberg sind etwa nur ein Zehntel der Inzidenzen der Ungeimpften", so Bentz abschließend. Seit geraumer Zeit können sich auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren impfen lassen. Gerade jetzt zu Schuljahresbeginn rät der Leitende Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe, Paul Vöhringer, zur Impfung von Kindern: "Wenn die Kinder seltener erkranken, geben sie auch seltener die Viren weiter und kommen seltener im Krankenhaus an. Dadurch haben sie eine viel bessere Teilhabe am sozialen Leben." Der Kinderarzt geht durch die Kinderimpfungen von wenig schweren Fällen im Jugendbereich im Herbst und Winter aus.

Kinder sind keine Infektionstreiber

Trotz allem macht Vöhringer auf den Umstand aufmerksam, dass Kinder laut verschiedener Studien keine Infektionstreiber seien. "Kinder stecken sich weniger untereinander an. Sie stecken auch weniger die Erwachsenen an. Die Infektion verläuft in der Regel eher vom Erwachsenen zum Kind. Darum ist es auch so wichtig, dass die Lehrer, Erzieher und Eltern geimpft sind, damit dieser Übertragungsweg gestoppt wird." Sobald Eltern sowie Kinder und Jugendliche geimpft seien, würden sämtliche Übertragungswege innerhalb der Familie deutlich eingeschränkt werden. Je mehr Erwachsene geimpft seien, desto besser wären auch Kinder geschützt, die sich noch nicht impfen lassen könnten oder chronisch krank seien, so Vöhringer. Eine Impfempfehlung der Stiko für jüngere Kinder würde die Kinderklinik mittragen.


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