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Brasilianerin schildert der neuen welle die aktuelle Situation im Land

Karlsruhe (jl/lk) - Eines der Länder, das von Corona am stärksten betroffen ist, ist Brasilien. Das Südamerikanische Land hat aktuell etwa 1,6 Millionen Menschen, die nachweislich mit Corona infiziert sind. Fast 70.000 Menschen sind an Covid-19 gestorben. Die Zahlen könnten noch deutlich höher sein, da in Brasilien kaum getestet wird. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hatte das Virus bis zuletzt als "leichte Grippe" bezeichnet. Jetzt hat sich das Landesoberhaupt selbst mit Covid-19 angesteckt. Die Lage im Land spitz sich zu. Das Volk geht nach und nach auf die Straßen. Wir haben mit einer Brasilianerin aus Sao Paulo gesprochen – wie sie die aktuelle Lage im eigenen Land einschätzt.

Foto: Symbolbild/Pixabay

Klaffende Schere zwischen Arm und Reich

Brasilien ist eins der Länder mit den größten Einkommensgefälle. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander. Hohe Gehälter konzentrieren sich auf ein paar Wenige, darunter vor allem Politiker und Unternehmer, im Gegensatz dazu lebt der Großteil der Landesbevölkerung am Rande des Existenzminimums. Von den 210 Millionen Einwohnern in Brasilien, leben 55 Millionen in Armut. Die Corona Pandemie wird diese Zahl noch um etwas 20 Prozent steigen lassen und selbst Jahre danach noch extreme Auswirkungen haben.

F: Die Lage hat sich in einigen Europäischen Ländern etwas entspannt. Wie schaut es aktuell in Brasilien aus?

A: Wie Sie bestimmt schon in den Nachrichten gesehen haben, wird die Situation in Brasilien immer schlimmer. Bolsonaros Regierung hält alle offiziellen Daten und Statistiken über die Coronafälle im Land unter Verschluss.

F: In Deutschland gibt es strenge Regelungen – in Brasilien inzwischen auch?

A: Von Seiten der brasilianischen Regierung gab es bisher keinerlei einschränkende Maßnahmen. Teilweise haben die Verantwortlichen einzelner Provinzen, entgegen der Anordnung der Regierung, eigenständig eine Schließung der Läden beschlossen, um die Wirtschaftslage nicht noch weiter zu verschlimmern.

F: In wie fern beschränkt dich die aktuelle Situation persönlich?

A: Diese Gesundheitsmaßnahmen der Regierung bereiten mir schlaflose Nächte und sehr viel Stress. Mein Arbeitsplatz ist dadurch zwar nicht betroffen, aber ich denke an all die Millionen Arbeiter, die entlassen wurden oder nur noch die Hälfte ihres Gehalts bekommen. Diese Entwicklung macht mir große Sorgen.

F: Auch in Deutschland gibt es vereinzelt Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen. Wie sieht das bei den Brasilianern aus?

A: Wir stecken inmitten eines sozialen Aufruhrs. Millionen Menschen gehen auf die Straße und protestieren gegen die Minister und Abgeordneten der Regierung von Jair Bolsonaro. Es gibt unter den Brasilianern weder Verständnis für die Vorgehensweise noch irgendwelche positive Reaktionen über das Handeln der Regierung.

F: Die Lage hat sich in Brasilien also weiter verschärft. Was sind deine Wünsche für die kommenden Wochen und Monaten? 

A: Die Brasilianer sehen in der aktuellen Führung des Landes wenig Optimismus. Es ist trotzdem wahrscheinlich, dass er seine Amtszeit nicht frühzeitig beenden wird. Ich hoffe sehr, dass diese aber so bald wie möglich zu Ende sein wird.

In wie weit jetzt, nach der Covid-19 Erkrankung des Präsidenten, eventuell doch Corona-Beschränkungen getroffen werden, ist noch nicht bekannt. Die Lage wird sich in den nächsten Wochen vermutlich noch weiter zuspitzen.