Anstieg der Corona-Zahlen in Pforzheim - Kliniken derzeit ausgelastet

Pforzheim (dpa/pm/lk) - Die Zahl der Corona-Patienten in der Region Pforzheim ist stark angestiegen. Die Goldstadt verzeichnet mit 168,2 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg. Die Kliniken in Pforzheim sind ausgelastet, die Mitarbeiter am Limit. In Mühlacker ist die Lage dagegen noch etwas entspannter. Allerdings werden die Patienten auf den Intensivstationen immer jünger. Außerdem sind fast alle Intensivpatienten nicht geimpft. Auch bei Schwangeren gibt es immer mehr schwere Verläufe. Mediziner rufen daher eindringlich zur Impfung auf.

Foto: Symbolbild/Pixabay

Situation in Pforzheim und im Enzkreis spitzt sich zu

Täglich treffen in den Pforzheimer Kliniken neue Corona-Patienten ein. Dabei gibt es Fälle in allen Schweregraden - von ambulanten Fällen, die zu Hause versorgt werden können, über Patienten auf der Normalstation, die mit Sauerstoff versorgt werden, bis hin zu Intensivpatienten, die an Beatmungsgeräten angeschlossen sind. Derzeit befinden sich im Siloah St. Trudpert Klinikum vier Patienten auf der Intensivstation, alle vier müssen beatmet werden. Zehn weitere sind auf der Normalstation. Auch im Helios Klinikum steigen die Zahlen, dort befinden sich sieben Patienten auf Intensiv, davon werden fünf beatmet und fünf weitere sind auf Normalstation. Die Situation im RHK Klinikum Mühlacker sei derzeit noch entspannt, wie ein Sprecher auf Nachfrage mitteilte. Dort liegen sieben Covid-Patienten auf der Normalstation.

Jüngere und ungeimpfte Patienten betroffen

Bei den Patienten zeichnen sich zwei deutliche Trends ab: zum einen werden die Patienten immer jünger, zum anderen sind sie fast alle nicht geimpft. "Wir beobachten in dieser Welle, dass es mehr jüngere Patienten sind. Als Durchschnittsalter kann man etwa 50 Jahre sagen. Unser jüngster Patient ist sogar nur 34 Jahre alt", berichtet Cornelius Ehmann, Leitender Oberarzt der Zentralen Notaufnahme am Siloah St. Trudpert Klinikum in Pforzheim. "Tatsächlich haben wir jetzt die Welle der Ungeimpften. Die schweren Verläufe auf den Intensivstationen sind fast alle nur bei Ungeimpften", fügt Thushira Weerawarna, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 3 am Siloah Klinikum hinzu. Zwar habe es vereinzelt auch geimpfte Patienten auf der Intensivstation gegeben, die hätten aber alle durchweg schwere Vorerkrankungen gehabt. "Wenn Sie einen Geimpften auf Intensiv haben, dann haben Sie 20 Ungeimpfte", stellt Weerawarna die Verhältnisse im Interview mit der neuen welle dar.

Ärzte und Pflegepersonal am Ende der Kräfte

Sowohl die Bettenkapazitäten, als auch die Kräfte des Klinikum-Personals neigen sich aktuell dem Ende zu. "Sie müssen sehen, dass wir ein Krankenhaus mit 499 Betten und vielen verschiedenen Abteilungen sind. Trotzdem ist eigentlich kein Platz auf der Intensivstation. Denn neben den Covid-Patienten behandeln wir auch noch regulär alle anderen Patienten mit anderen Erkrankungen", so Weerawarna über das Siloah Klinikum. Ärzte und Pflegepersonal würden seit 18 Monaten "Immenses" leisten. Es werde rund um die Uhr gearbeitet und auf vieles verzichtet. "Wir versuchen die Ruhezeiten und Urlaub zu planen, um Personalausfälle zu vermeiden. Aber natürlich kommen die meisten nicht nach einer 40-Stunden-Woche raus. Ärzte und Pflegepersonal leisten weiterhin Überdurchschnittliches", ergänzt Ehmann.

Schwangere mit schweren Verläufen

Auch in der Helios Klinik in Pforzheim zeigt sich ein ähnliches Bild: die Intensivstationen sind voll belegt, laufen unter maximalem Druck, schwere Verläufe nehmen wieder zu und in dieser vierten Welle haben die Ärzte bereits einige Covid-Patienten verloren. Alle Patienten aktuell seien unter 60 Jahre alt, sagt Bernd Maier, Ärztlicher Direktor am Helios Klinikum. "Außerdem hatten wir drei schwer erkrankte Schwangere. Das stellt natürlich das Team sowohl emotional, als auch medizinisch vor eine große Herausforderung. Da es sich um zwei Patienten handelt, die nicht getrennt betrachtet werden können und dürfen", so Maier im Interview mit der neuen welle. "Die Kollegen arbeiten seit 18 Monaten psychisch und physisch unter Maximalbelastung. Da sind jetzt Erschöpfungsanzeichen zu sehen." Allerdings sei das Personal keine beliebig erweiterbare Ressource. Um diese zu schützen, helfe nur eine Impfung.

Mediziner raten dringend zur Impfung

Doch warum ist gerade die Region rund um Pforzheim wieder so stark von Corona betroffen? Die Goldstadt hat mit einem Wert von 168,2 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg. Die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz lag laut Gesundheitsamt bei deutlich über sechs - gegenüber zwei im Landesschnitt. "Die einfachste Erklärung ist, dass die Impfquote in Pforzheim schlechter ist, als in anderen Landkreisen", so Ehmann. Darum raten die Mediziner übereinstimmend unbedingt zur Impfung. "Bei manchen braucht es noch ein bisschen Zuspruch, um sich um einen Impftermin zu bemühen", hat Cornelius Ehmann das Gefühl. Verständnis für Ungeimpfte sei laut Maier im Helios Klinikum nicht immer vorhanden. "Für mich hat das eine ausgeprägte Frustration, wenn jemand sehenden Auges in sein Verderben rennt. Die Kollegen schütteln ebenfalls den Kopf. Trotzdem arbeiten sie im maximalen Interesse unserer Patienten", so Maier. Thushira Weerawarna fügt hinzu: "Wir impfen uns nicht nur für uns selbst, sondern auch, um andere zu schützen. Wir sollten uns dabei als Teil der Gesellschaft betrachten."


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