50 soll die neue 35 sein - Lucha will Corona-Regeln lockern

Stuttgart (dpa/lk) - Das baden-württembergische Gesundheitsministerium will die Corona-Regeln trotz steigender Infektionszahlen im September vorübergehend lockern.

Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg

Inzidenzschwellenwerte eine Stufe anheben

Die aktuelle Corona-Verordnung laufe am 23. August aus, teilte das Ministerium mit. Es sei beabsichtigt, in der Folgeverordnung die Inzidenzschwellenwerte für Einschränkungen um eine Stufe nach oben zu heben - also von 35 auf 50. "So können Sie einfach einen Rutsch machen", sagte Gesundheitsminister Manne Lucha. Das Kabinett muss dem aber noch zustimmen. Diese Folgeverordnung soll dann bis 20. September gültig sein. Danach rechne das Land mit einem Paradigmenwechsel, da dann jedem Impfberechtigten in Baden-Württemberg ein Impfangebot gemacht worden sei, sagte Lucha in einer Sondersitzung des Sozialausschusses. Die Sitzung war von den Fraktionen der SPD und der FDP beantragt worden, um kurz vor der Ministerpräsidentenkonferenz über die Ziele des Landes zu debattieren. Die Ministerpräsidenten der Länder wollen sich an diesem Dienstag zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie abstimmen.

Kein Kreis bislang über 35er Wert

Zuletzt lag noch keiner der 44 Stadt- und Landkreise im Südwesten über der Schwelle von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche. Der Main-Tauber-Kreis lag am Sonntag aber bei 34, der Kreis Lörrach bei 31,5, Mannheim bei 29. Wird der Schwellenwert an fünf Tagen in Folge überschritten, müssen nach der aktuellen Verordnung in der Region härtere Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie ergriffen werden. Das hätte Konsequenzen für private und öffentliche Veranstaltungen sowie für die Besucherzahl und die Nachweise zum Beispiel in Freizeitparks, Schwimmbädern, Galerien und Museen sowie für Restaurants, den Einzelhandel und Hotels.

Künftig Auslastung der Intensivbetten berücksichtigen

Künftig würden dann die Inzidenzwerte nicht mehr als Richtwert für ordnungspolitische Maßnahmen verwendet, sagte Lucha. Der Grünen-Politiker plädierte dafür, die Belastung der Intensivstationen als Maßstab für Einschränkungen zu nehmen. Aus seiner Sicht soll es stärkere Restriktionen für Nichtgeimpfte geben, sobald 300 Intensivplätze in Baden-Württemberg mit Covid-Patienten blockiert seien. Nach Angaben des DIVI-Intensivregisters werden derzeit 50 Covid-Fälle intensivmedizinisch behandelt. Insgesamt sind demnach landesweit 1.933 von betreibbaren 2.332 Intensivbetten (82,9 Prozent) belegt.

Erneut dreistellige Inzidenzen im Herbst

Das baden-württembergische Gesundheitsministerium geht von erneut dreistelligen Inzidenzwerten im Herbst aus. Das Coronavirus werde sich hauptsächlich unter der nicht geimpften Bevölkerung ausbreiten, heißt es in einem Konzeptpapier für die kommenden Monate: "Im Verlauf von Herbst und Winter 2021/22 werden sich die allermeisten Personen aus dieser Gruppe mit dem Corona-Virus infizieren und es werden auch Todesfälle zu beklagen sein." Ursachen für die hohen Inzidenzen seien die höhere Ansteckungsgefahr der Delta-Variante, mehr Kontakt der Bevölkerung nach Öffnung aller Bereiche und auch das kältere Wetter, das die Menschen in geschlossene Räume treibe. "Es kann zu Inzidenzen-Peaks von 100 oder gar darüber kommen." Die Nachverfolgung von Kontaktpersonen werde dann sinnlos und soll nach Mitte September heruntergefahren werden.


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