Current track
Title Artist


42 Tote Schafe in Bad Wildbad: Eilanalyse soll Klarheit bringen

Bad Wildbad (dpa/as) Schlimme Szenen im Schwarzwald: Auf einer Weide bei Bad Wildbad sind mehr als 40 Schafe gestorben - möglicherweise größtenteils gerissen durch einen Wolf. Eine Eilanalyse soll Klarheit darüber bringen. Damit ist die Diskussion über die Raubtiere wieder entbrannt. Kritiker fordern bereits den Abschuss des Tiers. Der Bürgermeister von Bad Wildbad fürchtet um die Sicherheit von Gästen und Einheimischen.

  • Weitere Beiträge in: Calw

Schafe in Panik in Bach ertrunken?

Nach einer vermuteten Wolfsattacke in Bad Wildbad (Kreis Calw) sind mehr als 40 Schafe gestorben. Ein Großteil soll der Wolf gerissen haben, einige mussten wegen schwerer Verletzungen getötet werden. Unklar ist, wie viele Tiere ertranken, weil sie in Panik in einen nahen Bach flüchteten. Der Vorfall löste unterschiedliche Reaktionen aus. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) forderte ein effektives Wolfsmanagement, das zeige, wie sich die Wolfsbestände in den Regionen entwickeln.

Bürgermeister: Weide bot Bild des Grauens

Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack ist entsetzt und sauer: „Es erscheint schon sehr grotesk, wenn der Nabu-Landesvorsitzende heute Jubeltöne auf den Wolf anstimmt, während dieses Raubtier bei uns in einem Blutrausch über 30 Schafe tötet. Die Bilder sind grausam: Die Hälfte der Tiere wurde gerissen, die andere Hälfte ertrank beim Fluchtversuch in der Enz. Nachträglich mussten weitere zehn Tiere aufgrund ihrer Verletzungen erschossen werden. Der Rest der Herde muss nun im Stall verbleiben, anstatt auf die Weide zu können. Offensichtlich ist die Mär vom friedliebenden Wolf, der nur erlegt, was er zur Nahrungsaufnahme benötigt, damit widerlegt. Unsere Weidetierhalter sorgen in Bad Wildbad mit großem Engagement für die Offenhaltung unserer Landschaft. Wenn aufgrund solcher Vorfälle die Weidetiere nicht mehr geschützt werden können, laufen alle  bisherigen Programme ins Leere. Ich befürchte, dass unsere Weidetierhalter damit schlichtweg die Lust an ihrer Arbeit verlieren. Der Frust sitzt jetzt schon tief. Soweit darf es nicht kommen. Wir können unsere Kulturlandschaft sonst nicht mehr erhalten. Eine Entschädigung ist selbstverständlich. Viel wichtiger ist aber, dass wir auch künftig noch Menschen finden müssen, die Schafzucht betreiben. Noch wichtiger ist mir die Sicherheit unserer Bürger und Touristen. Ich fordere von den politisch Verantwortlichen klare Aussagen und Nachweise, dass der Mensch nicht gefährdet ist, wenn der Wolf hier durch die Wälder streift. Wenn die Rückkehr des Wolfes dazu führt, dass die Freizeitaktivitäten unserer Bevölkerung im Wald gefährdet sind, oder sich unsere Touristen im Wald künftig nicht mehr sicher fühlen, dann muss die Politik diesem Treiben Einhalt gebieten. Denn dann wäre unsere Lebensweise – so wie wir sie kennen – erheblich eingeschränkt. Das wollen wir nicht einfach so hinnehmen.“

Eilanalyse dauert sieben Tage

Dem baden-württembergischen Umweltministerium zufolge wurden 32 Tiere gerissen. "Nach den ersten Untersuchungen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) vor Ort ist dafür mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wolf verantwortlich", hieß es. Zuvor hatten Experten von Landratsamt, Landwirtschaftlicher Versuchsanstalt und dem Landesschafzuchtverband den Vorfall untersucht. Gewissheit solle die genetische Eilanalyse von Proben der toten Tiere bringen. Diese habe das Umweltministerium beantragt und dauere sieben Tage. Falls die Risse tatsächlich auf einen Wolf zurückgehen, könne der betroffene Schäfer mit einer raschen Entschädigung rechnen. Nach Angaben der Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes, Anette Wohlfarth, befand sich die Herde mit mehr als 150 Tieren auf einem umzäunten Areal. Sie sei erst vor wenigen Tagen vom Stall auf die Weide gekommen. Der Wolf sei eventuell über den Bach gekommen. "Es war ein Bild des Grauens", schilderte Wohlfarth ihre Eindrücke vom Besuch der Weide. Der Vorfall ist für sie ein trauriger Beleg für die lange gehegte Vermutung: "Weidetierhaltung und Wolf zusammen funktioniert nicht flächendeckend in Baden-Württemberg." Auch Wolfsfreunde zeigten sich betroffen. "Jetzt gilt es, dem Schäfer so schnell wie möglich zu helfen", meinte Nabu-Landeschef Johannes Enssle. Und es gelte, Baden-Württemberg schnell auf die Rückkehr der Wölfe vorzubereiten. Mit effektivem Herdenschutz ließen sich solche Vorfälle in der Regel verhindern.

Politiker sind sich uneins

FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke forderte die Grünen indessen auf, ihre "romantische Wolfspatenschaft" zu beenden. Der Wolf müsse unter die Kontrolle des Jagdrechts gestellt werden. "Das hat sich auch bei den geschützten Tierarten wie dem Luchs bewährt. Als dicht bevölkertes Flächenland müssen wir durch bessere Kontrolle verhindern, dass Wölfe zum Problem werden." Handlungsbedarf sieht auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner. "Wir müssen die Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland genauer beobachten", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch). Auch der Abschuss von Wölfen soll laut Klöckner möglich sein.

Seit der Jahrtausendwende vermehren sich die Wölfe wieder in Deutschland, nachdem sie rund 150 Jahre hierzulande als ausgestorben galten. Laut dem Naturschutzexperten der Grünen-Landtagsfraktion, Markus Rösler, sind seit 2015 mindestens sechs Wölfe in Baden-Württemberg gesichtet worden. Zwei davon wurden überfahren, einer ist wohl verendet und einer wurde erschossen im Schluchsee gefunden.